Abtauchen für Aufstieg Wie Werder die Woche vor dem Saisonfinale gegen Regensburg angeht

Die Woche vor dem Saisonfinalspiel gegen Regensburg gestalten Werder-Trainer Ole Werner und seine Mannschafft auf eine Art und Weise wie es sie in dieser Konsequenz noch nie zuvor gegeben hat.
09.05.2022, 15:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Clemens Fritz weiß genau, wie sie sich anfühlt, diese spezielle Woche am Ende einer langen Saison, die auf etwas Großes zuläuft. In der sich Anspannung und Vorfreude plötzlich ebenso verdichten wie Nervenkitzel und Entschlossenheit. Denn erlebt hat der 41-Jährige während seiner aktiven Laufbahn gleich mehrere solcher Wochen mit Werder Bremen.

2009 waren es gleich zwei – eine vor dem Endspiel im Uefa-Cup gegen Donezk und direkt danach noch eine vor dem Finale im DFB-Pokal gegen Leverkusen, als große Titel winkten. 2016 dann das andere Extrem, der Kampf um den Bundesligaverbleib am letzten Spieltag mit Eintracht Frankfurt. „Als Spieler solltest du dich nicht so viel mit dem Drumherum beschäftigen. Es ist hilfreich, nicht zu viel nach rechts und links zu schauen“, weiß Fritz, der als Leiter Profi-Fußball gerade wieder in so einer Woche mit Werder steckt. Im letzten Zweitliga-Saisonspiel gegen Regensburg wollen die Bremer am Sonntag unbedingt den Aufstieg in die Bundesliga klarmachen – alles andere ist am Osterdeich bis dahin: nicht wichtig! „Wir werden die Woche konzentriert angehen und nur auf uns schauen“, kündigt Fritz im Gespräch mit unserer Deichstube an. Und deshalb wird sich die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner bis zum Regensburg-Spiel nahezu komplett abschotten.

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„Wir werden alle Trainingseinheiten im Weserstadion absolvieren, um die Konzentration so hoch wie möglich zu halten“, sagt Fritz. Lediglich am Mittwoch dürfen Medienvertreter zuschauen, die Fans müssen durchgehend draußen bleiben. Darüber hinaus wird auch kein Profi vor dem letzten Spieltag mehr öffentlich gegenüber den Medien sprechen. Es ist ein Vorgehen, das es bei Werder in dieser Konsequenz in der Vergangenheit noch nie gegeben hat. Gerade vor alles entscheidenden Spielen hatte sich die Mannschaft sonst beinahe traditionell das letzte "Heißmachen" der Fans während des Abschlusstrainings abgeholt. Dieses Mal nicht. Dieses Mal soll der Blick ausschließlich nach innen gerichtet werden – und dort bis zum Anstoß bleiben.

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Nach dem 3:0-Sieg in Aue stand für das gesamte Team am Montag die Video-Analyse der Partie an. Für die Stammspieler gab es danach regenerative Einheiten, die Reservisten trainierten auf dem Platz. Am Dienstag legt Werder einen freien Tag ein, ehe am Mittwoch die geheime Vorbereitung auf Regensburg startet. „Wichtig ist, dass wir eine gute Trainingsqualität haben, denn darüber holst du dir ein gutes Gefühl fürs Wochenende“, erklärt Fritz, „das hilft dir als Spieler am meisten vor einem wichtigen Spiel“.

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Und viel wichtiger als am Sonntag kann so eine Partie in der Tat kaum sein. Ein Punkt reicht den Bremern gegen Regensburg schon, um die direkte Rückkehr in die Bundesliga sicher zu haben, was den bitteren Abstieg aus dem Frühjahr 2021 zu einem einjährigen Betriebsunfall würde schrumpfen lassen. Es ist eine Ausgangslage, die komfortabel klingt – Heimspiel, ein Gegner, für den es um nichts mehr geht, dabei nicht mal zum Siegen verdammt –, die in Fritz' Augen aber gerade deshalb tückisch ist.

„Zu denken, diesen einen Punkt werden wir schon irgendwie holen, ist genau das Gefährliche“, warnt der Ex-Profi – und schiebt mit Nachdruck hinterher: „Wir gehen grundsätzlich in jedes Spiel mit dem Ziel, es gewinnen zu wollen. Das wird auch gegen Regensburg nicht anders sein.“ Schließlich habe der Saisonverlauf im Aufstiegsrennen ja bereits mehrfach gezeigt, wie irre schnell sich die Dinge ändern können. „Es gab in dieser Liga ja genügend Warnsignale. Wir schlagen Schalke, verlieren danach aber gegen Kiel. Darmstadt feiert einen Kantersieg gegen Aue, verliert dann aber in Düsseldorf“, zählt Fritz auf, ehe er fast schon mantraartig die Hauptaufgabe wiederholt, die sich Werder für diese spezielle letzte Woche gestellt hat: „Wir müssen bis zum Schluss konzentriert bleiben.“
 

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