US-Konzern

Amazon plant Verteilzentrum in Bremen

Der Onlinehändler siedelt sich nun auch in der Hansestadt an - und will von hier aus die Zustellung von Paketen selbst in die Hand nehmen. 130 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
28.05.2019, 19:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Hanuschke und Kai Purschke

Amazon will in Bremen ein eigenes Verteilzentrum für Pakete eröffnen. Im Güterverkehrszentrum (GVZ) hat die Stadt hierfür ein 12 500 Quadratmeter großes Grundstück an den Immobilienkonzern Goodman verkauft, der die Fläche für Amazon entwickelt und das Zentrum an den Onlinehändler vermieten will. Bereits seit längerem plant das US-Unternehmen außerdem ein weitaus größeres Logistikzentrum in Achim.

Obwohl im GVZ bereits ein Bauschild mit dem Hinweis auf den künftigen Nutzer steht, wollte die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) auf Nachfrage nicht bestätigen, dass die Halle von Amazon gemietet wird. Sie teilte lediglich mit, dass das Grundstück von Goodman entwickelt werde. Es handele sich bei der Fläche nicht um das Areal, das seit Jahren für den chinesischen Automobilbauer Borgward vorgehalten wird.

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Die Bestätigung kam vom Onlinehändler selber: „Ja, wir kommen nach Bremen“, teilte eine Pressesprecherin auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Im ersten Schritt will Amazon etwa 130 Arbeitsplätze in dem neuen Verteilzentrum schaffen. Das 7800 Quadratmeter große Zentrum in Bremen wird voraussichtlich im Herbst an den Start gehen. Es ist als Ergänzung zum geplanten Logistikzentrum in Achim gedacht.

„Wir freuen uns sehr, ein Verteilzentrum in Bremen zu eröffnen, in dem mehr als 20 Jahre logistische Kompetenz, technologischer Fortschritt und Investitionen in die Transportinfrastruktur stecken", so Bernd Gschaider, Direktor von Amazon Logistics in Deutschland. So könne Amazon Kunden schnellere und flexiblere Lieferoptionen anbieten.

Neben Bremen noch weitere Standorte geplant

Laut Amazon gibt es in Deutschland momentan sechs solcher kleineren Verteilzentren – etwa in München, Berlin, Frankfurt und Hamburg. Es sollen neben Bremen aber weitere Standorte dazukommen. So soll ebenfalls im Herbst ein Verteilzentrum in Cloppenburg eröffnet werden. Größere Logistikzentren gibt es derzeit zwölf.

Im Verteilzentrum werden Pakete, die aus Amazon-Logistikzentren kommen, von Lieferpartnern abgeholt und zugestellt. So liefert Amazon in manchen Regionen die Pakete schon in Eigenregie aus. Inwieweit dieses Modell ausgeweitet werden soll und Amazon sich ganz von Paketdiensten wie DHL, Hermes oder DPD unabhängig machen will, das lässt der Onlinehändler bislang offen.

In Köln etwa gibt es schon seit über einem Jahr einen Amazon-Lieferdienst. „Wir sehen einfach einen wachsenden Bedarf beim Kunden: Wir bekommen immer mehr dringende Bestellungen mit dem Lieferwunsch am selben oder am nächsten Tag. Darauf wollen wir bestmöglich reagieren können", zitierte damals der "Kölner Express" Stephan Eichenseher von der Amazon-Pressestelle. Jedoch sei die Infrastruktur nicht adäquat mit der gestiegenen Nachfrage mitgewachsen, so Eichenseher weiter. „Wenn wir am Tag 110 Pakete zu verschicken haben, die Lieferpartner aber nur Kapazitäten für 100 Amazon-Pakete haben, dann liefern wir die übrigen zehn Pakete eben selbst aus.“

Lokale Lieferpartner sollen mit Amazon Logistics wachsen

Aktuell teilt der Konzern zu diesem Konzept mit, Amazon Logistics biete lokalen Lieferpartnern die Möglichkeit, zusammen mit Amazon zu wachsen. „Sie bringen zusätzliche Kapazität und Flexibilität für die letzte Meile.“ Dadurch werde Amazon der wachsenden Kundennachfrage gerecht. In Bremen sollen für die Auslieferung der Pakete an die Kunden bei den Lieferpartnern mehr als 400 Fahrer zuständig sein.

Dass die Entwicklungen im GVZ keine nachteiligen Auswirkungen auf das Amazon-Projekt in Achim haben wird, davon geht auch Bernd Kettenburg aus, Erster Stadtrat Achims und einer von zwei Geschäftsführern der halbstädtischen Vermarktungsgesellschaft EVG: „Nach meinem Kenntnisstand ist dies kein Ersatz für den Standort Achim.“ Die Verhandlungen zwischen der EVG und dem Projektentwickler Garbe Industrial Real Estate, der das Logistikzentrum langfristig an Amazon vermieten will, laufen nach seinen Worten weiter. Sie befinden sich offenbar kurz vor dem Abschluss. Der Bauantrag beim Landkreis Verden ist bereits gestellt, eine Genehmigung liegt allerdings noch nicht vor.

In Achim plant Amazon ein Logistikzentrum ähnlich wie in Winsen an der Luhe, in dem außerhalb der Hochsaison 2000 Arbeitsplätze entstehen sollen. Zu Spitzenzeiten könnten dort 3600 Menschen tätig sein. Der Standort wäre sehr viel größer als das geplante Verteilzentrum im GVZ. Das Logistikzentrum in Achim soll eine Grundfläche von 40 000 Quadratmetern einnehmen und über drei Stockwerke gehen.

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Achim wird laut Kettenburg von Amazon mindestens 500.000 Euro Gewerbesteuern jährlich erhalten. Der Konzern würde in der niedersächsischen Stadt somit zu den fünf größten Zahlern gehören.

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