Damit sie grün bleibt

Neue Segel für die Alexander von Humboldt II

Die Alexander von Humboldt II soll weiter unter grünen Segeln über die Meere fahren. Vom Sponsor gab es nun neue Segel. Und für die Marine gab es ein Lob: "Sie hat uns im letzten Jahr die Existenz gesichert."
12.08.2021, 19:04
Lesedauer: 4 Min
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Neue Segel für die Alexander von Humboldt II
Von Florian Schwiegershausen

Mit ihren grünen Segeln erkennen nicht nur Kenner die "Alexander von Humboldt II" von weitem. Es ist das Markenzeichen der Drei-Mast-Bark. Damit das so bleibt, hat das Schiff vom Sponsor AB Inbev nun symbolisch neue Segel überreicht bekommen. AB-Inbev-Sprecher Fried Heye Allers, selbst in Otterndorf im Weser-Elbe-Eck aufgewachsen, kramte zur Übergabe symbolisch aus einem grünen Stoffbüddel ein grünes Mini-Dreieckssegel mit den weißen Buchstaben TSG 404 darauf hervor und überreichte es dem Vereinsvorsitzenden Jürgen Hinrichs. TSG 404 ist die Kennung der Bark.

Das kleine Stück Stoff steht stellvertretend für 1362 Quadratmeter neue Segel. Die alten hatten mittlerweile mehr als 70.000 Seemeilen hinter sich. Nun war es  Zeit für neue. Der Kapitän der "Alexander von Humboldt II", Ralf Gütlein, erläuterte: "Im Gegensatz zu weißen Segeln reflektieren die grünen Segel das UV-Licht weniger, was auch deshalb den Austausch alle fünf Jahre erfordert."

Marine hat Existenz der Alex II gerettet

Unter den Gästen an Deck waren auch Vertreter der Marineoperationsschule in Bremerhaven. Jürgen Hinrichs, Vorstandsprecher der Deutschen Stiftung Sailtraining, die die "Alexander von Humboldt II" betreibt, bedankte sich besonders bei ihnen: "Der Deutschen Marine haben wir hauptsächlich das Überleben dieses Schiffs zu verdanken. Ihr habt in diesen schweren Zeiten zu uns gehalten." Denn aufgrund der Pandemievorschriften konnte das Schiff nicht wie sonst die Segeltrainings für Privatpersonen anbieten. Dadurch aber finanziert die Stiftung normalerweise das Fortbestehen der Drei-Mast-Bark.

Und so war der Einsatz für die Marine ein Glücksfall für Stiftung und Schiff. Im vergangenen Oktober starteten 20 Kadetten an Bord der Alex II die erste von neun Ausbildungsfahrten in Richtung Jütland. Auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" konnten die Offiziersanwärter ihre Ausbildung nicht absolvieren, weil diese sich da noch zur Reparatur bei der Bremer Lürssen-Werft befand und erst jetzt im September wieder an die Deutsche Marine übergeben werden soll. Alex-II-Kapitän Gütlein stellt fest: "Es war eine Win-win-Situation. Die Kadetten haben von uns gelernt, aber wir haben auch von den Kadetten gelernt."

Technik und Takelage sind auf der "Alexander von Humboldt" nahezu identisch mit denen auf der "Gorch Fock". Seit Jahren lässt die Marineoperationsschule jedes Jahr auch 15 Nautiker auf dem Schiff mit den grünen Segeln ausbilden. Für die Marine sei es günstiger, ihrem Nachwuchs die Ausbildung dort zu ermöglichen statt auf einer Fregatte. Auch die nautische Technik auf der Alex II sei fast die gleiche wie die auf einer Fregatte. Im Februar kehrte das grüne Schiff von der letzten Ausbildungsfahrt zurück in den Heimathafen Bremerhaven. Vorstandssprecher Hinrichs sagt: "Hier sind Freundschaften und Kameradschaften entstanden, von denen wir noch lange profitieren."

Assoziation mit der Brauerei

Für die Bremer Brauerei Beck & Co ist die Kooperation mit der Deutschen Stiftung Sailtraining ebenfalls eine Win-win-Situation. Sie setzt das Schiff nun wieder verstärkt für ihre Werbung in Szene. Wie stark die Assoziation in den Köpfen der Verbraucher zwischen Schiff und Bier immer noch ist, erkannte auch AB-Inbev-Deutschland-Chef Michel Pepa, als er vor knapp zwei Jahren aus Belgien nach Bremen kam. Dem WESER-KURIER verriet er im Frühjahr im Interview: "Das musste ich, ehrlich gesagt, auch lernen, als ich von Belgien nach Bremen kam, dass so viele Menschen die "Alexander von Humboldt II" mit Beck’s in Verbindung bringen." In den 1990er-Jahren war in den Werbespots noch die "Alexander von Humboldt I" zu sehen gewesen, die nun als Hotel- und Restaurantschiff in Bremen an der Schlachte liegt.

Auch Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz ließ es sich nicht nehmen,  einige Worte an die geladenen Gäste zu richten: "Dieses Schulschiff ist schon wie sein Vorgänger mit Bremerhaven verbunden. Es hat mich mein gesamtes Erwachsenenleben begleitet – entweder direkt in der Stadt oder eben im Werbefernsehen." Viele Menschen würden dieses glückselige Gefühl von Freiheit, Abenteuer, Heimat und Geborgenheit kennen, das über diese grünen Segel transportiert werde. Das Schiff stehe aber genauso für junge Menschen, die auf ihm von erfahrenen Leuten das Seemannswissen beigebracht und Seemannsgarn erzählt bekommen. "Wer hier vom Smutje bis zum Arzt mitgefahren ist, erzählt davon noch bis ins hohe Rentenalter", sagte Grantz. Und nicht zuletzt diene so ein Schiff schließlich auch der Völkerverständigung. Diese soll die "Alexander von Humboldt II" nun mit den neuen Segeln in die Welt tragen – getreu ihrem Namenspatron, dem deutschen Universalforscher, der einst sagte: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben."

Info

Die Maritimen Tage in Bremerhaven

Zum symbolischen Überreichen der neuen grünen Segel an die Alexander von Humboldt II dienten am Donnerstag die Maritimen Tage in Bremerhaven. Dort liegt das Schiff noch bis Sonntag im Westhafen. Laut Veranstalter gibt es insgesamt 90 Segler, Motorschiffe und ein Dampfschiff – und natürlich die großen Windjammer wie die norwegische „Christian Radich“ und die spanische „El Galeón“ zu sehen. Die Maritimen Tage dienen als kleiner Ersatz für die im vergangenen Jahr ausgefallene Sail.

Bis Sonntag werden insgesamt rund 50.000 Besucherinnen und Besucher erwartet – auf das Festgelände dürfen pro Tag in zwei Schichten zusammengenommen 10.000 Personen. Sie müssen getestet, genesen oder geimpft sein. Die Maritimen Tage sind eines der wenigen Hafenfeste dieses Sommers – der Hamburger Hafengeburtstag ist wie im vergangenen Jahr ausgefallen und die Kieler Woche von Juni in den September verschoben worden. Informationen zum Programm: www.bremerhaven.de.

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