Investitionen in Elektromobilität

In Europa sollen bis 2020 zehn Batteriefabriken entstehen

Europa hinkt in Sachen Elektroautos hinterher - nun sollen bis 2020 mindestens zehn Batteriefabriken entstehen. Bisher setzten die Autobauer eher auf Lieferungen asiatischer Produzenten.
12.02.2018, 22:40
Lesedauer: 2 Min
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In Europa sollen bis 2020 zehn Batteriefabriken entstehen
Von Mirjam Moll

Die Zielsetzung ist klar: „Wir brauchen allein in Europa 330 Gigawattstunden“, bezifferte der für Energie zuständige Vizepräsident der Kommission, Maros Sefcovic, den Bedarf für Elektroautos für die kommenden Jahre. Bis 2020 sollen in Europa mindestens zehn Batteriefabriken entstehen, die immerhin mehr als 100 Gigawattstunden liefern. Der Weg ist noch weit. Denn bislang sei die „Industrie für Batteriebau nicht nur fragmentiert, sondern in Bereichen gar nicht existent“, monierte der Vertreter des polnischen Energieministeriums, Michal Kurtyka: „Das 20. Jahrhundert war das der Verbrennungsmotoren, das 21. Jahrhundert wird das der Elektrofahrzeuge. Und wir sind spät dran“, mahnte er. Deshalb kamen am Montag in Brüssel zum zweiten Mal die Vertreter hochrangiger Unternehmen aus der Energie- und Automobilbranche zusammen – um die Europäische Batterieallianz, über die erstmals im Oktober beraten wurde, in die Realität umzusetzen. Sie soll Wegbereiter für den Aufbau eines vom asiatischen Zulieferermarkt unabhängigen Elektromotorensektors werden. „Diese Initiative ist wichtig“, betonte der deutsche Staatssekretär für Energie, Matthias Machnig: „Wir sind im Zentrum des größten Wandels der Automobilbranche seit ihren Anfängen.“

Tatsächlich hinkt die europäische Industrie hinterher und ist bislang zu großen Teilen von Zulieferern abhängig. Immer wieder lehnten es auch große deutsche Autobauer ab, selbst Batteriezellen auf Lithium-Ionen-Basis zu bauen. Hersteller wie Daimler setzen lieber auf langfristige Verträge mit koreanischen Produzenten. Doch langsam beginnt ein Umdenken. Erst vor wenigen Wochen verkündete der Volkswagen-Konzern, er werde bis 2022 1,5 Milliarden Euro in die Entwicklung elektrischer Lastwagen und Busse investieren. Über seine Lkw-Tochter Scania soll im Norden Schwedens in Zusammenarbeit mit Northvolt Europas größte Batteriezellfabrik errichtet werden, für die VW allein zehn Millionen Euro bereitstellt. Die Europäische Investitionsbank (EIB) will das Projekt mit 52,5 Millionen Euro unterstützen, wie Vizepräsident Andew McDawell gestern in Brüssel bestätigte.

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Solch innovative Vorhaben werden dringend gebraucht. Denn schon jetzt geht die Branche davon aus, dass die derzeitigen Lithium-Batterien, deren Rohstoffe oft unter widrigen Umständen in Schwarzafrika gefördert werden, spätestens 2025 durch sogenannte Festkörperzellen abgelöst werden. Diese erlauben einen deutlich schnelleren Ladevorgang und erhöhen die Reichweite der Elektroflotte. Vorreiter bei den E-Modellen bleiben die deutschen Autobauer – von 50 Modellen, die Anfang 2017 auf dem Markt waren, stammten 33 aus der Bundesrepublik. Bislang kommen ihre Herzstücke aber fast allesamt aus Asien. „Wir brauchen eine öffentliche Finanzierung, weil wir sonst nicht mit diesen Produktionsorten mithalten können“, sagte Staatssekretär Machnig. Zumal Sefcovic am Montag betonte, dass die künftigen Batterien „Made in Europe“ nachhaltig sein müssten – die dafür benötigten Rohstoffe sollen umweltschonend und zu fairen Bedingungen für die Minenarbeiter geschürft werden. „Europa muss für hochqualitative, grüne Batterien stehen“, forderte der für Energie zuständige Vizekommissionspräsident.

Bislang fehlt es aber vor allem an williger Kundschaft. Elektroautos werden nach wie vor nur zögerlich gekauft (die deutschen Autobauer gehen davon aus, dass auch bis 2022 E-Fahrzeuge nur zwei Prozent des Bestands ausmachen werden) – auch wegen mangelnder Infrastruktur. Die Nationale Plattform für Elektromobilität hat errechnet, dass bis 2020 etwa 70.000 öffentliche Ladesäulen und 7100 Schnellladestationen in Deutschland benötigt werden.

Immerhin: Die Voraussetzung für grenzübergreifendes Fahren ist schon heute erfüllt – europaweit gibt es ein einheitliches Ladesystem.

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