Ein Speicher für alles

Wasserstoff: Zukunftstechnologie mit Startschwierigkeiten

Im Norden gibt es immer mehr Wasserstoff-Projekte. Ein Grund dafür: Es gibt ideale Bedingungen für die Herstellung von grünem Wasserstoff durch die Vielzahl an Windanlagen und die Nutzung von Überschussstrom.
18.06.2019, 18:32
Lesedauer: 4 Min
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Wasserstoff: Zukunftstechnologie mit Startschwierigkeiten
Von Peter Hanuschke
Wasserstoff: Zukunftstechnologie mit Startschwierigkeiten

Bis 2024 sollen die bremischen Häfen CO2-neutral sein – grüner Wasserstoff spielt beim Erreichen dieses Ziels eine große Rolle.

Ingo Wagner/dpa

Windanlagen, ob onshore oder offshore, sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Ihr Nachteil: Nicht immer wird der Strom, den sie produzieren, auch benötigt. Dieser Überschuss verursacht Kosten. Eine Lösung könnte sein, den Strom zu nutzen, um Wasserstoff zu gewinnen – immerhin gibt es allein in Niedersachsen mehr als 6300 Onshore-Windanlagen. Denn Wasserstoff hat einen großen Vorteil: Er eignet sich hervorragend als chemischer Energiespeicher und -träger. Dass Wasserstoff die Zukunft ist, weil er quasi jeden Energieträger ersetzen kann, davon sind auch die Akteure des Netzwerktreffens in Bremerhaven überzeugt.

„Die Technik, um grünen Wasserstoff herzustellen, gibt es“, sagt Carsten Fichter, Professor an der Hochschule Bremerhaven und einer der Referenten, die am Dienstag Studien, Vorhaben und Projekte aus der Region rund um das Thema Wasserstoff vorgestellt haben. Was noch verbessert werden müsse, sei die Effizienz und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Dass die Anlagen zur Gewinnung von grünem Wasserstoff aber in den nächsten Jahren eine Marktreife gewinnen werden, davon ist Fichter überzeugt.

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Im Norden tut sich was in Sachen Wasserstoff. Das zeigen Beispiele wie der Einsatz eines robusten und schnell reagierenden Elektrolyseurs bei den Stadtwerken Emden, die Entwicklung der weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Hochseefähre mit Brennstoffzelle für den Personen- und Fahrzeugtransport beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Nutzung von Wasserstoff in Personenzügen oder Rangierlokomotiven bei Alstom. Diese Projekte unterstreichen, dass die technische Machbarkeit zur Erzeugung und Verwendung von klimaneutralen Wasserstoff bereits vorhanden ist. Unterstützt werden die Projekte in der Region und in Bremerhaven vom gemeinnützigen Verein H2BX. Dabei geht es darum, einen weiteren hochtechnologischen Forschungs-und Industriezweig zu etablieren.

Energiequelle für Hafen

Organisiert wurde das Treffen von den Hafengesellschaften Bremenports und Niedersachsen Ports. Das hat seinen Grund: „Wir sind mit unserer Greenports-Strategie und dem Ziel, eine CO2-neutrale Hafeninfrastruktur in den bremischen Häfen bis 2024 umzusetzen, bereits auf einem guten Weg und wollen hierfür auch das Thema Wasserstoff als Energieträger im Hafen vorantreiben“, sagte Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe bei der Begrüßung der etwa 120 Teilnehmer in Bremerhaven. Das gleiche Ziel verfolgt auch Niedersachsen Ports.

Impulse verspricht sich Bremenports auch durch das vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderte Projekt Sharc, das die Einbindung erneuerbarer Energiequellen für das Hafenquartier Überseehafen in Bremerhaven im Rahmen der Forschungsinitiative „Energiewende im Verkehr“ untersucht. In diesem Konzept sollen die positiven Effekte durch das Zusammenwirken verschiedener Sektoren genutzt werden. Dabei wird auch die Nutzung von erneuerbarer Energie wie Wasserstoff für den Verkehr eine Rolle spielen. Auch das Projekt WasH2Emden betrachtet die Möglichkeiten für den Einsatz von grünem Wasserstoff im Seehafen Emden.

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Welche Rolle Wasserstoff spielen kann, das soll in Bremerhaven auch im Gewerbegebiet Luneplate in den nächsten Jahren unter Beweis gestellt werden. „Wir haben das Ziel, dass das 150 Hektar große Areal zu 100 Prozent über erneuerbare Energien versorgt wird“, sagt Anette Schimmel von der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (Bis). Und dabei spiele Wasserstoff im Zusammenhang mit Windkraft eine große Rolle. Für die Gewinnung des Wasserstoffs soll unter anderem der Windrad-Prototyp genutzt werden, der einst vom ehemaligen Anlagenhersteller Adwen entwickelt und 2017 auf dem früheren Flughafengelände Luneort aufgebaut wurde. Die Anlage hat eine Leistung von acht Megawatt.

Für die Gewinnung des Wasserstoffs aus Windenergie werden zwei sogenannte Elektrolyseure benötigt. Wenn alles mit den Förderanträgen klappt, könnten diese Anlagen Anfang 2020 in dem entstehenden Gewerbegebiet aufgebaut werden, sagt Fichter. Was die Anwendung von Wasserstoff angehe, sei momentan vor allem die Mobilität und Logistik das große Zugpferd – gerade auch bei Langstrecken im Lkw-Verkehr. Der Zusammenhang zwischen Wasserstoff und Windenergie könnte künftig auch für den einen oder anderen Anlagenbetreiber interessant werden, bei denen die Förderung der Windanlagen auslaufe. Die Gewinnung von Wasserstoff könne durchaus ein sinnvolles Geschäft sein. Das Gas könne mit relativ geringem Aufwand in Tanks gelagert und genauso einfach an jeden Ort gebracht werden. Es eigne sich im Grunde genommen, um jeden Energieträger zu ersetzen.

„Ausgezeichnete Bedingungen“

Das Gewerbegebiet mit dem Namen Lune-Delta soll gerade auch der Branche der erneuerbaren Energien ausgezeichnete Bedingungen bieten, sagt Anette Schimmel. Das Gebiet im Süden Bremerhavens wird von der Bis vermarktet. Unternehmen sollen durch geeignete Rahmenbedingungen die Möglichkeit erhalten, hier besonders nachhaltig zu wirtschaften und innovative Pilotprojekte umzusetzen.

Wie sogenannte Pem-Elektrolyseure (Protonen Austausch Membran) künftig wirtschaftlicher und effizienter arbeiten, das wird im Projekt HPEM2GAS untersucht. Die Anlage könne etwa beim Warmstart unterhalb einer Sekunde damit beginnen, überschüssigen Windstrom zu Wasserstoff zu verarbeiten, sagt Alexander Flat von den Stadtwerken Emden. Die Daten der gesamten Anlage würden derzeit ausgewertet. Flat und die beteiligten Partnerunternehmen sind überzeugt davon, mit der Anlage auf dem richtigen Weg zu sein, einen kostengünstigen Hochleistungselektrolyseur zu entwickeln.

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