Verfahren vor dem Landgericht 13-jähriges Unfallopfer fühlt sich bedroht

Vor dem Landgericht muss sich ein 27-jähriger Bremer wegen versuchten Totschlags verantworten. Nun gibt es den Verdacht, dass Angehörige des Angeklagten versuchen, das 13-jährige Opfer unter Druck zu setzen.
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13-jähriges Unfallopfer fühlt sich bedroht
Von Ralf Michel

Vor dem Landgericht muss sich ein 27-jähriger Bremer wegen versuchten Totschlags verantworten. Nun gibt es den Verdacht, dass Angehörige des Angeklagten versuchen, das 13-jährige Opfer unter Druck zu setzen.

Seit Ende November muss sich ein 27-jähriger Bremer vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten. Dem Mann wird vorgeworfen, einen 13-jährigen Jungen mit dem Auto angefahren, lebensgefährlich verletzt und dann Fahrerflucht begangen zu haben. Für die Tat gibt es zahlreiche Zeugen, insbesondere Schüler der nahe gelegenen Oberschule an der Julius-Brecht-Allee. Nun gibt es den Verdacht, dass Angehörige des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten versuchen, diese Schüler unter Druck zu setzen. Allen voran das 13-jährige Opfer.

Schulleitung informierte die Polizei

Dem Vernehmen nach hat der Junge, der inzwischen wieder zur Schule geht, mittags bei Schulschluss direkt vor dem Ausgangsbereich der Oberschule mehrere männliche Familienmitglieder des mutmaßlichen Täters bemerkt. Der 13-Jährige fühlte sich dadurch bedroht und erzählte in der Schule davon. „Die Schulleitung hat die Polizei Bremen über ihre Befürchtungen und die des 13-Jährigen informiert“, erklärte hierzu auf Anfrage die Pressestelle der Polizei. Der zuständige Kontaktbereichsbeamte in der Vahr habe umgehend Kontakt zur Schulleitung aufgenommen, die Situation sei gemeinsam mit dem Schulleiter und dem Jungen erörtert worden.

Auch das für das Delikt zuständige Kommissariat für Kapitalverbrechen wurde mit in eine Bewertung eingebunden, erklärt Polizeisprecher Dirk Siemering. „Eine akute Gefährdung wurde nicht erkannt.“

Schulwegbegehung durchgeführt

Wie weiter verlautete soll die Schulleitung allerdings von der Polizei gebeten worden sein, den 13-Jährigen in den nächsten Tagen nach Ende des Unterrichts zur Straßenbahn zu begleiten. Hierzu gibt es keinen Kommentar der Polizei. Es sei eine Schulwegbegehung durchgeführt worden, erklärt Siemering. Mehr ist vonseiten der Polizei nicht zu erfahren. „Über die weiteren Maßnahmen nehmen wir öffentlich keine Stellung.“ Was auch für den Verdacht gilt, dass durch diese Aktion mögliche Tatzeugen vor ihrer Aussage am Landgericht beeinflusst werden sollen.

Auch ohne diese jüngste Wendung hatte dieser Fall bereits in mehrfacher Hinsicht für Aufsehen gesorgt. Da war zunächst die Tat selbst: Am 10. Juni ist um die Mittagszeit kurz nach Schulschluss ein Autofahrer rücksichtslos an wartenden Fahrzeugen vorbei bei Rot über die Kreuzung Julius-Brecht-Allee/Konrad-Adenauer-Allee gefahren. Dabei rammte er frontal einen 13-jährigen Radfahrer, der vorschriftsmäßig bei Grün über die Straße fuhr. Der Schüler wurde mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert und trug beim Aufprall lebensgefährliche Verletzungen davon.

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Der Unfallfahrer überquerte nach Aussagen mehrerer Zeugen mit seinem Fahrzeug die Kreuzung, bremste dann aber ab und stieg aus seinem Pkw, um nach dem stark blutenden Jungen zu sehen. Danach rannte er zum Wagen zurück und flüchtete.

Auf der belebten Kreuzung gab es zahlreiche Zeugen, die sich die Nummer des Unfallwagens merkten. Sie führte die Polizei auf die Spur eines Mietwagens, auf den mehrere Mitglieder einer Familie Zugriff hatten, darunter der jetzt angeklagte 27-Jährige.

Der sieht sich vor dem Landgericht einer Anklage wegen versuchten Totschlags gegenüber, denn die Staatsanwaltschaft geht von bedingtem Tötungsvorsatz aus. Der Täter habe versucht, einen Menschen zu töten. Er sei vorsätzlich, grob verkehrswidrig und rücksichtslos vorgegangen und habe dabei den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen.

15 Verhandlungstage

Am 25. November begann der Prozess gegen den 27-Jährigen, von dem die Staatsanwaltschaft glaubt, er habe am Steuer des Wagens gesessen. Er selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Die ersten Zeugen, die vernommen wurden, schilderten zwar übereinstimmend den Ablauf des Unfalls, konnten aber den Angeklagten nicht identifizieren.

Für Schlagzeilen sorgte zu Prozessbeginn außerdem ein Tumult zwischen Angehörigen des Opfers und Angehörigen des Beschuldigten, die sich vor dem Gerichtssaal lautstark gegenseitig beschimpften.

Der Prozess ist auf 15 Verhandlungstage angesetzt, der nächste finden am Dienstag, 13. Dezember, statt.

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