Festwoche zum Jubiläum 50 Jahre Klinikum Links der Weser

Das Klinikum Links der Weser feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einer Festwoche. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Personalbeschaffung damals zu den größten Herausforderungen zählte.
18.06.2018, 19:54
Lesedauer: 5 Min
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50 Jahre Klinikum Links der Weser
Von Detlev Scheil

Ein halbes Jahrhundert alt ist das Bremer Krankenhaus Links der Weser (LDW) in diesem Jahr geworden. Am 2. Januar 1968 nahm es die ersten Patienten auf. Ein neues Krankenhaus müsse her, hatte in den 60er-Jahren der Bremer Senat entschieden. Um den Neubau kostengünstig verwirklichen zu können, entstand auf der grünen Wiese in Kattenturm ein baulicher Zwilling eines Hospitals in Hessen: Das 1963 in Frankfurt am Main eröffnete Krankenhaus Nordwest diente als Muster.

Das Bauvorhaben schritt zügig voran, doch die Personalbeschaffung gestaltete sich sehr schwierig. Bei der Führungsebene der Chefärzte war es noch relativ einfach, denn die konnte durchweg mit bisherigen Oberärzten des Zentralkrankenhauses St.-Jürgen-Straße bestückt werden. Aber woher all die Schwestern nehmen, die ein Großbetrieb mit 656 Betten benötigt? Da bedurfte es einer pfiffigen Werbeaktion des Gesundheitsressorts, die tatsächlich fruchtete.

Einzige Palliativstation in Bremen

Insgesamt 1273 Beschäftigte, die Auszubildenden nicht mit gerechnet, hat das Klinikum Links der Weser heute. Sie arbeiten auf dem Gelände an der Senator-Weßling-Straße in elf Kliniken sowie im Labor- und im Reha-Zentrum. Zu den Fachabteilungen gehören die Notfallaufnahme, die Allgemein-, Gefäß-, Viszeral- und Unfallchirurgie, die Anästhesie, die Intensiv- und Notfallmedizin, die Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Herzchirurgie, die Innere Medizin, die Kardiologie und Angiologie, die Kinder- und Jugendmedizin, die Klinik für strukturelle und angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie, die Radiologie und Nuklearmedizin sowie die Schmerztherapie und Palliativmedizin. Die Palliativstation – die einzige in Bremen – konnte nach einer Spendenaktion zur Mitfinanzierung 2013 von acht auf zwölf Betten erweitert werden.

Spricht man mit jetzigen oder früheren Beschäftigten, fällt früher oder später der Satz "Wir vom LDW!". Denn der Stolz auf das Krankenhaus und die Identifikation mit ihm waren und sind stark ausgeprägt.

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530 Planbetten hat das Krankenhaus, pro Jahr werden rund 27.000 Patienten stationär aufgenommen. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen lebt im Bremer Umland. Im Durchschnitt 5,3 Tage bleiben die Patienten. Mit einer Auslastung von 82,3 Prozent gilt das Klinikum als sehr erfolgreich. Hinzu kommen noch etwa 50.000 Patienten, die ambulant behandelt werden. Rekordhalter ist das LDW schon seit vielen Jahren bei den Geburten: Mit 2857 Babys im vergangenen Jahr liegt es unter den Bremer Krankenhäusern an der Spitze. Die Kinder kommen in fünf Kreißsälen zur Welt.

In den Anfängen war im Bremer Süden nur ein neues Kinderkrankenhaus geplant. Doch schnell wurde klar, dass das nicht ausreichen würde. Der Bremer Senat beauftragte die „Neue Heimat Kommunal“, eine Tochter der Wohnungsbaufirma Neue Heimat, 1965 mit dem Bau des Krankenhauses. Die Konzeption einer Frankfurter Architektengemeinschaft sah eine Trennung von Betten- und Behandlungsbereich vor. Die Behandlungsräume sollten in zwei unteren Geschossen konzentriert werden, über denen sich ein achtgeschossiges Bettenhaus erheben sollte. Weil die Behandlungsräume eine deutlich größere Fläche einnehmen als das Hochhaus, sprach man von einem „Breitfußtyp“. Kinderklinik und Schwesternwohnheime kamen als zusätzliche Baukörper hinzu.

Proben für die Aufnahme des ersten Patienten

Die Grundsteinlegung war am 4. Mai 1965. Die vereinbarte Bauzeit von zweieinhalb Jahren wurde sogar leicht unterschritten, sodass bei der Übergabe am 21. September 1967 eitel Freude herrschte. Vor der Aufnahme des ersten Patienten am 2. Januar 1968 übte das Personal vier Wochen lang die Abläufe. Zur Eröffnung standen 40 Ärzte, 170 Krankenschwestern und 16 medizinisch-technische Assistentinnen parat.

1970 entstand am LDW die erste interdisziplinäre Intensivstation Bremens. 1974 kam der Rettungshubschrauber Christoph 6 nach Bremen und wurde am LDW stationiert. 1977 wurde das Klinikum akademisches Lehrkrankenhaus für die Universität Göttingen. 1981 folgte das erste Herzkatheterlabor, 1983 die Eröffnung der Herzchirurgie. Für die Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie hatte Professor Kurt-Hermann Leitz den entscheidenden Anstoß gegeben. Gemeinsam mit der Kardiologie unter Professor Heinz-Jürgen Engel und unter maßgeblicher Initiative des langjährigen Ärztlichen Direktors Franz Böhmert entstand das Herzzentrum Bremens. Heute ist das LDW als Spezialist für Herzoperationen überregional bekannt und renommiert.

Ein umfangreicher Neubau kam 2002 hinzu und nahm eine kardiologische Praxis, ein Hotel und die ambulante sowie teilstationäre Reha auf. 2007 wurde im Zuge eines erneuten Um- und Erweiterungsbaus der barrierefreie neue Haupteingang eröffnet. Rund um die Eingangshalle mit Patientencenter gibt es nun Praxen niedergelassener Ärzte sowie Kooperationspartner des Krankenhauses.

Nicht nur Herbert Brückner, SPD-Gesundheitssenator von 1975 bis 1987, und sein damaliger Staatsrat Hans-Helmut Euler, halten eine breite Diskussion für erforderlich, wie die Zukunft für das LDW, aber auch für die anderen Bremer Krankenhäuser, aussehen soll. Herbert Brückner betont: "Es ist wichtig, Visionen zu entwickeln, wie sich die vier kommunalen Krankenhäuser in den nächsten zehn bis 15 Jahren aufstellen sollen – und zwar ausdrücklich auch im Verbund mit den freigemeinnützigen Krankenhäusern."

Info

Zur Sache

Die Festwoche

Das Klinikum Links der Weser begeht sein 50-jähriges Bestehen mit einer Festwoche, die noch bis zum 23. Juni läuft. Am 19. Juni geht es von 11 Uhr bis 17 Uhr am Infostand der Inneren Medizin unter dem Titel „Zu fett, zu süß, zu salzig“ um ernährungsbedingte Erkrankungen. Zeitgleich informieren die Chirurgen über die Arbeit im OP. Von 17 bis 19 Uhr folgt der Workshop „Dem Krebs keine Chance bieten – bewusstes und aktives Leben nach der Diagnose“. Ab 18 Uhr spielt die Jugendsinfonietta der Musikschule Bremen im Innenhof der LDW-Kinderklinik. Am Mittwoch, 20. Juni, von 17 bis 19 Uhr veranstaltet das Herzzentrum einen Patientennachmittag unter dem Motto "Herzgesundheit aus einer Hand – von der Prävention bis zur Hochleistungsmedizin am Herzzentrum Bremen". Der 21. Juni steht im Zeichen der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin. Ab 15 Uhr sind Publikumsvorträge vorgesehen, und ab 16.30 Uhr wird eine Führung über die Palliativstation angeboten. Von 17 bis 18.30 Uhr veranstaltet das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum einen Patientennachmittag unter dem Titel „Wenn der Beckenboden schlapp macht“. Den Abschluss der Festwoche bildet am Sonnabend, 23. Juni, 15 bis 17 Uhr, ein "Frühchenfest".

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