DLRG warnt vor Stadtmusikanten Ärger um neues Schwimmabzeichen

Ein Schwimmabzeichen der Bremer Bäder für Kinder ab drei Jahren sorgt für Ärger: Die DLRG warnt davor, dass es Eltern eine gefährliche Sicherheit suggerieren könne.
31.05.2018, 19:07
Lesedauer: 2 Min
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Ärger um neues Schwimmabzeichen
Von Sabine Doll

Die Bremer Bäder versprechen sich Begeisterung und leuchtende Augen, wenn Kinder den Aufnäher mit den Stadtmusikanten drauf bekommen. Der Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sieht das ganz anders und warnt sogar aus Sicherheitsgründen vor dem neuen Abzeichen. Die Kritik: Eltern könnten glauben, wenn Kinder den noch unterhalb dem Seepferdchen angesiedelten Stadtmusikanten-Sticker bekommen, seien sie im Wasser sicher.

Wie berichtet, wollen die Bremer Bäder mit dem Aufnäher für Badehose und Badeanzug den Anreiz schaffen, Kinder möglichst früh ans Wasser zu gewöhnen – damit sie ihre Angst verlieren und früh schwimmen lernen. Um ihn zu bekommen, müssen Mädchen und Jungen ab drei Jahren acht Meter ohne Hilfsmittel schwimmen, vom Beckenrad ins Wasser springen und kurz mit dem Kopf unter Wasser bleiben können.

Werbung für ein Kursangebot

Der Bremer DLRG-Präsident Martin Reincke kann über das Angebot der städtischen Bädergesellschaft nur den Kopf schütteln: "Es bedarf keines Abzeichens zur Wassergewöhnung der Bremer Bäder, zumal wenn das Abzeichen dann acht Meter Brustschwimmen erfordert", stellt Reincke klar. Es handele sich um Werbung für ein Kursangebot, der Sticker sei vor allem kein offizielles Schwimmabzeichen, das den Vorgaben der Schwimmausbildung folgt.

"Die offiziellen Schwimmabzeichen wie Seepferdchen, Bronze und Gold wurden 1977 von Schwimmverbänden entwickelt und werden im Rahmen der Deutschen Prüfungsordnung vergeben." Dabei handele es sich um ganz klar formulierte Niveaustufen, die aufeinander aufbauten, von der Wassergewöhnung bis zum sicheren Schwimmen.

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Alle Verbände, die zum Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung gehörten, würden sich an diese Didaktik halten, die auf einer Vereinbarung mit der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder fuße. "Diese Didaktik sollte weiterhin im Vordergrund stehen", fordert Reincke. Der DLRG-Präsident hält den Stadtmusikanten-Sticker nicht nur für "komplett überflüssig".

Eltern, die sich mit Abzeichen und Schwimmfähigkeiten nicht so gut auskennen, könne das eine falsche und vor allem gefährliche Sicherheit vermitteln. Selbst das Seepferdchen sei nur eine Vorstufe auf dem Weg zum sicheren Schwimmen. Um den Aufnäher zu bekommen, müssen die Kinder 25 Meter Brustschwimmen, vom Beckenrand springen und mit den Händen einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufholen.

DLRG war vorab nicht informiert

Als sicherer Schwimmer könne nur gelten, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze sicher beherrsche, so Reincke. Die Voraussetzungen: ein Sprung vom Beckenrand, mindestens 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten, einmal circa zwei Meter Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes, ein Sprung aus einem Meter Höhe und die Kenntnis der Baderegeln.

Über die Aktion der Bremer Bäder sei die DLRG vorab nicht informiert gewesen. "Wir waren sehr erstaunt, zumal es ansonsten engen Kontakt zum Thema Schwimmausbildung gibt", sagt Reincke. Er sagt dies im Hinblick auch darauf, dass es sich um eine städtische Gesellschaft handele. Die Bremer Bäder verstehen die Aufregung um den Aufnäher nicht, wie Sprecherin Laura Schmitt betont.

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Das Abzeichen solle nur einen Anreiz bieten, sich frühzeitig ans Wasser zu gewöhnen, ein Schwimmbad zu besuchen und erste Schwimmerfahrungen zu sammeln. "Wir betonen dabei, dass Kinder mit diesem Abzeichen noch keine sicheren Schwimmer sind und nach wie vor nicht unbeaufsichtigt ins Wasser dürfen." Danach hätten die Kinder die Option, mit dem Seepferdchen-Kurs für Fortgeschrittene starten zu können, so die Sprecherin.

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