Weserfähre "Alma" hin und zurück, bitte

Seit vier Wochen fährt das Weser-Shuttle "Alma" zwischen Stadion und Landmarktower. Das Angebot richtet sich vor allem an Pendler, aber auch Touristen fahren die Strecke. Ein Bord-Besuch.
07.08.2018, 16:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn

Pünktlich ist sie, die „Alma“, darauf legt Kapitän Kai-Uwe Dröge-Buscher auch Wert. „Wir sind ja schließlich nicht die Deutsche Bahn“, sagt er und lacht. Exakt um 18.17 Uhr hat er die betagte Fähre mit einem sanften Rumms am Landmarktower angelegt und dort zwei Damen mit ihren Einkaufstüten abgesetzt. Jetzt, um 18.20 Uhr, genau wie es im Fahrplan steht, geht’s wieder zurück bis zum Weserstadion, die letzte Fahrt des Tages für das Weser-Shuttle.

Seit vier Wochen gibt es die Verbindung, werktags neun Mal zwischen 7 und 19 Uhr mit Zwischenhalten am Martinianleger und auf Höhe des GOP, eine Strecke dauert 40 Minuten. Die „Alma“ schippert bis Ende Oktober die Weser auf und ab. Es ist ein viermonatiger Test, den der Neusta-Gründer und CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder zusammen mit Partnern wie Justus Grosse, der Zech Group, Hansewasser, Datenschutz Nord und Werder Bremen, ins Leben gerufen hat.

Wollen die Bremer diese neue Verbindung auf dem Wasser, die vor allem für Pendler in die und aus der Überseestadt eine Alternative sein will? Die ersten offiziellen Zahlen soll es demnächst geben. Die von der Tour am Montagabend: ein Passagier, dazu der Käpt’n, eine Hilfskraft und Azubi Georg Timler. „Willst du hochfahren?“, fragt ihn Dröge-Buscher. Natürlich will der Flussschiffsführer in spe, also hat der Chef jetzt ein bisschen Zeit zum Erzählen – und er beginnt mit dem nächsten Eisenbahn-Vergleich.

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Klar würde Dröge-Buscher lieber jedes Mal mit einer voll besetzten „Alma“ hin- und herfahren, aber das ist bisher noch nicht passiert. „Es könnten schon mehr Passagiere kommen“, sagt er, „aber mal ganz ehrlich: Für vier Wochen ist es schon okay. War die erste Eisenbahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth immer ausgebucht? Ich denke nicht. Wenn die damals gleich wieder aufgegeben hätten, gäbe es heute keine ICEs. So sehe ich das auch hier. Anfangs ist es vielleicht ein bisschen schmerzhaft, aber wenn man es durchhält, kann es ein Erfolg werden.“

Und es ist ja auch nicht so, dass niemand die „Alma“ nutzt. Manche wollen tatsächlich nur von A nach B, andere machen die Tour statt einer Hafenrundfahrt. Es gibt auch Stammkunden, aber dazu später mehr. Erst mal zuckt Dröge-Buscher an der Bierzelt-Garnitur auf dem kleinen Achterdeck kurz zusammen, weil Georg oben die Hupe gedrückt hat und kurz vor der Bürgermeister-Smidt-Brücke eine kleine Kurve fährt.

„Wahrscheinlich wieder irgendwelche Ruderer“, sagt Dröge-Buscher, und so ist es, die Alma zieht an einem Zweier vorbei. "Nur Verrückte hier auf dem Wasser unterwegs", brummt der Kapitän, und wie gerufen grüßt ein paar Meter weiter auf Höhe des Martinianlegers ein eher sparsam bekleidetes Paar Stand-Up-Paddler von steuerbord freundlich mit "Moin!".

Passagiere wünschen sich mehr Haltestellen

Mit knapp 6,5 Knoten, also zwölf Stundenkilometern, ist die mit 90 Jahren älteste Fähre im Besitz von Hal över auf den sieben Weserkilometern unterwegs. Ein moderneres Schiff wäre schneller, müsste aber auch erst mal angeschafft werden. Klar ist: Würde die Verbindung tatsächlich dauerhaft eingerichtet, gäbe es Verbesserungsbedarf.

Räder und Rollstühle kann die "Alma" nicht mitnehmen, ganz abgesehen davon, dass es eigentlich mindestens zwei "Almas" geben müsste, um den Takt attraktiver zu machen. Auch mehr Haltestellen, vor allem auf der Neustadt-Seite, wünschen sich die Passagiere, das hört Dröge-Buscher immer wieder. "Viele sagen auch, es wäre besser, bis zum Pier 2 zu fahren, weil dort die Waterfront ist", sagt er, bevor er für das finale Anlegemanöver des Tages am Weserstadion selbst wieder ans Steuerruder tritt.

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Wo bleibt Svenja? Das ist die Frage am frühen Dienstag. Ohne Svenja hat die erste "Alma" des Tages in den vergangenen vier Wochen selten abgelegt. Da kommt sie auch schon über den Steg geeilt, es kann also doch um Punkt sieben Uhr losgehen. Svenja Lienau und Rüdiger Schnirring sind zwei Drittel der Stammkundschaft, sie fahren jeden Morgen am Stadion los und bis in die Überseestadt zu ihren Arbeitgebern Hansewasser und Neusta und am späten Nachmittag wieder zurück. Am Martinianleger stößt wie jeden Tag Michael Schröder dazu, damit ist die Mitfährgemeinschaft, die sich auf der "Alma" kennenlernte, komplett.

"We love Alma"

Kaffee aus der Bordküche, Brötchen oder Muffins vom Bäcker, und als Aussicht die langsam vorbeiziehende Bremer Wasserseite: Es gibt schlechtere Orte für ein Frühstück an einem Sommermorgen als die "Alma", da sind sich alle drei einig. "Wir denken uns eigentlich jeden Morgen, dass wir gerne einfach an Deck sitzenbleiben würden", sagt Svenja Lienau. "Man ist hier abgekoppelt von der Eile des Berufsverkehrs."

"Genau, man kommt erholt bei der Arbeit und Zuhause an", sagt Rüdiger Schnirring, und Michael Schröder ergänzt: "Wenn jetzt die Schule wieder anfängt, steht man nachmittags in der Überseestadt im Stau. Da ist es hier schöner." Als die "Alma" letztens wegen einer Kühlerreparatur für einen Tag ausfiel, hat sich das Trio eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet, "für wenn wieder mal was ist", sagt Schröder. "Sie heißt ,We love Alma'. Man ist irgendwann einfach vernarrt in diese alte Dame. Bis Ende Oktober genießen wir das hier." Damit es auch danach weitergeht, wird die "Alma" noch einige Fans wie diese brauchen.

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