Bürgerschaftswahl in 2019

Bei den Bremer Grünen rücken die Jungen nach

Die Grünen wollen bei der Bürgerschaftswahl 2019 auf den Parteinachwuchs setzen: Zwei Listenplätze sind ihm vorbehalten, bei den weiteren Plätzen sind die Politiker noch uneins.
16.07.2018, 14:37
Lesedauer: 3 Min
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Bei den Bremer Grünen rücken die Jungen nach
Von Jürgen Hinrichs

Die Jugend geht voran bei den Grünen, sie hat sich festgelegt und schlägt für die Bürgerschaftswahl im Mai kommenden Jahres zwei Kandidaten vor: Lea Schweckendiek und Philipp Bruck. Die beiden sollen auf den aussichtsreichen Listenplätzen fünf und sechs kandidieren. Entschieden hat das am Wochenende eine Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend. Wo der Nachwuchs Klarheit schafft, herrscht bei den Grünen insgesamt noch Ungewissheit. Wer wird die Partei in den Wahlkampf führen? Ist es zum fünften Mal in Folge Karoline Linnert, die Finanzsenatorin und Bürgermeisterin? Oder Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft?

Seit Monaten sind die Grünen hin- und hergerissen. Da ist Linnert, 59 Jahre alt und für die Bremer Grünen seit bald 30 Jahren in Amt und Würden. Zunächst im Parlament, wo sie Fraktionschefin und Vorsitzende des mächtigen Haushalts- und Finanzausschusses war. Danach, ab dem Jahr 2007, in der Regierung. Linnert war es, die Bremens Zukunft gesichert hat. Zusammen mit Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) erreichte sie in der laufenden Legislaturperiode einen neuen Finanzausgleich, der dem kleinsten Bundesland ab dem Jahr 2020 deutlich mehr Geld beschert. Die Frau ist eine Politikerin mit großen Verdiensten – soll man sie just dann in die Wüste schicken, wenn ihre Arbeit Früchte trägt?

Schwierige Entscheidung für die Grünen

Die Senatorin will noch einmal als Spitzenkandidatin antreten, schloss bisher aber aus, in ihrer Partei gegen jemanden anzutreten. Das machte es für die Grünen so schwierig, denn da ist ja noch Maike Schaefer. Die 47-Jährige traut sich ebenfalls zu, den Wahlkampf zu führen. Sie ist weniger erfahren, dafür aber unverbrauchter, ein (nicht mehr ganz) neues Gesicht. Die Diplom-Biologin engagiert sich stark für Umweltthemen, sie steht für ur-grüne Inhalte.

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Der Landesvorstand suchte einen Ausweg aus der Bredouille und kam schließlich auf die Idee, nicht eine, sondern gleich drei Frauen an die Spitze der Wahlliste zu setzen: Linnert, Schaefer und die Sozialsenatorin Anja Stahmann. Doch so sehr die Parteiführung von einem Trio sprach – im Grunde war es die Entscheidung, Linnert wieder zur Spitzenkandidatin zu küren, sie sollte auf Platz eins stehen, auf etwas anderes hätte sich die Finanzsenatorin auch nicht eingelassen.

Die Mitglieder durchschauten das Spiel und waren verstimmt. Sie votierten vor vier Wochen gegen den Vorschlag. Stattdessen bekam der Vorstand den Auftrag, das Mittel der Urwahl zu prüfen. In der kommenden Woche soll darüber entschieden werden, wie Landesvorsitzender Ralph Saxe am Montag auf Anfrage erklärte. Es gebe zwar formale Hürden, maßgeblich sei aber der Wunsch der Mitglieder.

Karoline Linnert muss ihre Haltung ändern

Für eine Urwahl sind Alternativen notwendig. Maike Schaefer wird sich der Abstimmung stellen, das hat sie in diesen Tagen angekündigt. Karoline Linnert müsste ihre Haltung ändern und doch noch zu einer Kampfkandidatur bereit sein. Die Senatorin war am Montag nicht zu erreichen. Ihre Sprecherin geht nach eigener Aussage davon aus, dass Linnert zur Urwahl antreten wird, sollte der Landesvorstand sich für so eine Abstimmung entscheiden.

Wie auch immer die mögliche Urwahl ausfällt – das letzte Wort haben die Teilnehmer der Wahlversammlungen in Bremen und Bremerhaven, dort erst werden verbindlich die Kandidaten aufgestellt und ihre Reihenfolge bestimmt. Auch der Vorschlag der Grünen Jugend für die Plätze fünf und sechs muss noch bestätigt werden. Lea Schweckendiek (21) und Philipp Bruck (28) haben nach dem Votum der Nachwuchsorganisation gute Chancen, zumal es beiden Grünen bisher niemand anderes gibt, der unter 30 Jahre alt ist und sich bewerben will. Bruck hat bei der vergangenen Wahl für den Bundestag kandidiert, der Ingenieur engagiert sich unter anderem in der Klimapolitik. Schweckendiek studiert in Bremen Politik, ihre Hauptthemen sind Feminismus und Sozialpolitik.

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