Das Echo auf den Verkehrsentwicklungsplan

Was Bremens Stadtteile sich für die Verkehrsentwicklung wünschen

Die Stadtteilparlamente haben die Möglichkeit genutzt, Stellung zum Verkehrsentwicklungsplan 2025 zu beziehen. Ein Überblick über ihre Wünsche und Forderungen.
27.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anne Gerling, Karin Mörtel, Sigrid Schuer, Christian Hasemann und Maren Brandstätter
Was Bremens Stadtteile sich für die Verkehrsentwicklung wünschen

Dem Falschparken am Straßenrand versuchen viele Bremer Beiräte mit dem Setzen von Pollern entgegenzuwirken. So wie hier am Torfkanal in Findorff. Wird die Innenstadt tatsächlich autofrei, so wie es der VEP vorsieht, befürchten vor allem die Stadtteilpolitiker aus den Gebieten rund um die Innenstadt, dass sich der Parkdruck vor ihrer Haustür weiter erhöhen wird.

Frank Thomas Koch

Die Fachleute in der Verkehrsbehörde arbeiten derzeit daran, den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 an die Herausforderungen der kommenden Jahre anzupassen. Speziell geht es dabei um die Themen „autofreie Innenstadt“, „Parken in Quartieren“, „ÖPNV-Strategie“ und „Stadt-Regionales Verkehrskonzept“. Neben den Bürgern, die sich im Internet an diesem Prozess beteiligen konnten, sind auch die Stadtteilparlamente gefragt, ihre Wünsche zu formulieren. Das sind die wichtigsten Forderungen:

Links der Weser: Für die Neustadt verlangen die Stadtteilparlamentarier an erster Stelle, es sei „dringend und überfällig“, den vorhandenen Parkdruck zu verringern und Fußgängern mehr Freiraum zu verschaffen. Dazu zählen aus ihrer Sicht neue Bewohnerparkzonen in der Alten Neustadt, Quartiersgaragen sowie stärkere Kontrollen von Falschparkern auf Geh- und Radwegen.

In Woltmershausen drängen die Stadtteilpolitiker darauf, möglichst schnell den geplanten Tunnel für das Tabakquartier unter den Bahngleisen hindurch in Angriff zu nehmen. Die neue Verbindung für Busse sowie den Fuß- und Radverkehr soll dafür sorgen, einen Verkehrskollaps zu verhindern, meinen die Stadtteilpolitiker.

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In Obervieland geht es dem Beirat angesichts der erwarteten Staus während des Weiterbaus der A 281 vorrangig um funktionierende Rad-Premiumrouten in den Rest der Stadt sowie um eine schnellere Umsetzung der angekündigten Fahrradbrücke zwischen Habenhausen und Hemelingen.

In Huchting fordern die Beiratsmitglieder ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Busring-Verkehrs im Stadtteil.

Westen: Im Westen begrüßen die Beiräte in Findorff, Walle und Gröpelingen prinzipiell den von der Stadt gesetzten Schwerpunkt der autofreien Innenstadt – warnen aber vor negativen Folgen für andere Quartiere. „Das darf nicht dazu führen, dass vermehrt Kfz in den umliegenden Stadtteilen abgestellt werden“, sagt etwa Karsten Seidel (Grüne) vom Waller Beirat. Der schlägt für den ÖPNV preiswertere Tickets, bessere Zug-Verbindungen und ein Fahrrad-Parkhaus am Waller Bahnhof vor.

Auch Wohnquartiere ohne örtliche Fahrradlobby bräuchten mehr Abstellplätze und bessere und breitere Wege, ist aus Gröpelingen zu hören. Dort wünscht man sich außerdem neben Fährverbindungen von Vegesack bis in die City eine Fuß- und Radbrücke über den Holz-und Fabrikenhafen und endlich einen S-Bahn-Haltepunkt am Halmerweg.

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Eine Wiederbelebung der vor etwa 50 Jahren eingestellten Straßenbahn möchten die Findorffer nochmals auf die Agenda setzen und eine bessere Taktung der Buslinien in ihrem Stadtteil erreichen. „Wir würden uns temporäre Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und Park-and-ride-Angebote bei Großveranstaltungen oder Messen wünschen“, sagt Verkehrsausschusssprecher Ulf Jacob (Grüne).

Mitte und Östliche Vorstadt: Aus Sicht von Ortsamtsleiterin Hellena Harttung ist es besonders wichtig, im Blick zu behalten, welche Auswirkungen der Verkehrsentwicklungsplan auf das Viertel hat, vor allem hinsichtlich einer möglichen Verlagerung von Verkehrsströmen. Joachim Musch von den Grünen weist darauf hin, dass der ÖPNV mit dem geplanten Umbau der Domsheide künftig mehr Kapazitäten zu bewältigen habe.

Wunschvorstellung des Beirates Östliche Vorstadt ist es, beim ÖPNV einen Fünf-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten bis Ende 2022 zu realisieren. Generell sollte das mit der Reduzierung des Kfz-Verkehrs einhergehen. Weitere flankierende Maßnahmen, die die Aufenthalts- und Wohnqualität aufwerten sollen sind Sitzmöbel und Bepflanzungen. Außerdem sollen Anreize für das Carsharing gesetzt werden.

Ferner wünscht sich der Beirat Bewohnerparken für alle Quartiere der Östlichen Vorstadt sowie eine kürzere Ampel-Taktung für Fuß- und Radverkehr. Eine ähnlich wichtige Rolle wie in der Östlichen Vorstadt spielt der Radverkehr auch für den Beirat Mitte. So wird von den Mitgliedern unter anderem die Prüfung der Einrichtung von Fahrradschnellstraßen über den Wall gefordert.

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Südosten: Im Bremer Südosten stehen vor allem neue Straßenbahntrassen im Fokus der dortigen Beiräte. Die Osterholzer Stadtteilparlamentarier bemängeln in ihrer Stellungnahme zum VEP die schleppenden Planungen für die Verlängerung der Straßenbahngleise über das Depot Sebaldsbrück hinaus zum Bahnhof Mahndorf. Der Ausbau habe eine breite Zustimmung im Stadtteil und dürfe nicht durch Probleme bei anderen Maßnahmen des Straßenbahnausbaus verzögert werden, heißt es.

Während der Beirat Hemelingen mit einer Verlängerung der Straßenbahn entlang der Osterholzer Heerstraße nach Mahndorf gut leben kann und diese ebenfalls fordert, möchte er sich auf die geplante Querspange Ost, der geplanten Trasse zwischen Bennigsenstraße in Hastedt und der Haltestelle Steubenstraße in der Vahr nur bedingt einlassen. Diese solle nur gebaut werden, wenn auch eine Straßenbahnverbindung zwischen Malerstraße und Weserwehr komme. Priorität soll außerdem der Bau der Fahrradbrücke über die Weser zwischen Habenhausen und Hemelingen bekommen.

In der Vahr findet die Querspange Ost uneingeschränkt Zustimmung. Schnell umgesetzt werden soll nach dem Willen des Vahrer Beirats ebenfalls die Umgestaltung die Kreuzung Kurt-Schumacher-Allee/ Karl-Kautsky-Straße an der Berliner Freiheit – ein Unfallschwerpunkt in Bremen.

Nordosten: Die Beiräte Schwachhausen und Horn-Lehe sehen ihre Stadtteile insbesondere von den Planungen zur autofreien Innenstadt betroffen. Im citynahen Schwachhausen befürchtet man vor allem Ausweichparker, weshalb ein Fokus aus Sicht des Beirats auf den regelmäßig diskutierten Bewohnerparkzonen liegen sollte. Auch das Konzept zum „aufgesetzten Parken“ sei in diesem Zusammenhang in die Fortschreibung des VEP einzubeziehen.

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Der Beirat Horn-Lehe fordert in Verbindung mit einer autofreien Innenstadt, insbesondere an den Linien 4 und 6 rechtzeitig Park-and-ride-Plätze einzuplanen. Besonders wichtig sei auch die Planung eines angemessenen ÖPNV-Anschlusses an den neuen S-Bahn-Haltepunkt im Bereich Achterstraße.

Zu den dringlichsten Aufgaben in Oberneuland zählt nach Ansicht des Beirats aktuell der geplante Haltepunkt Horn/Achterdiek, um den Bürgern eine direkte Verbindung in die Innenstadt zu ermöglichen. Zur Verbesserung des sicheren Radverkehrs fordert der Beirat außerdem einen generellen Ausbau der Fahrradwege und eine Anbindung Oberneulands an das Bremer Fahrrad-Premiumrouten-Netz.

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