Personalmangel in Bremen Bis 2023 fehlen 700 Kita-Fachkräfte

Bis Ende der Legislaturperiode benötigt Bremen 500 zusätzliche Fachkräfte in Kitas - Bremerhaven 200. Über dieses Problem wurde im Landtag diskutiert. Was kann Bremen tun, um an mehr Erzieher zu kommen?
11.05.2022, 17:10
Lesedauer: 3 Min
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Bis 2023 fehlen 700 Kita-Fachkräfte
Von Sara Sundermann

Kita-Beschäftigte wollen an diesem Donnerstag im Rahmen der Tarifverhandlungen streiken. Bremens Landesparlament diskutierte schon am Mittwoch über den Fachkräftemangel in den Kitas. Bis zum Ende der Legislaturperiode, also bis Frühling 2023, werden in der Stadt Bremen mehr als 400 zusätzliche Erzieherinnen und 100 sozialpädagogische Assistenzen gebraucht, in Bremerhaven mehr als 200 zusätzliche Fachkräfte.

Diese Zahlen nennt Linken-Fraktionsvorsitzende Sofia Leonidakis, die zum Fachkräftemangel eine Aktuelle Stunde im Landtag beantragt hatte. In Bremen sei die Zahl der Ausbildungsplätze von 600 auf rund 1000 gewachsen. "Das Problem ist aber, dass wir nicht alle Plätze besetzen können", so Leonidakis.

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Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kam kürzlich zu dem Schluss, dass im Land Bremen bis 2030 fast 2000 Kita-Fachkräfte fehlen – jedenfalls, wenn man so vielen Kindern den Kita-Besuch ermöglichen will wie in Ostdeutschland und die Personalschlüssel auf ein von Wissenschaftlern empfohlenes Niveau heben will. Dafür müsste Bremen die Neueinstellungen um 66 Prozent steigern. Zumindest die Hälfte, also 1000 Fachkräfte bis 2030, könnte ein Etappenziel sein, so die Autoren der Studie. Doch wie kann Bremen mehr Fachkräfte gewinnen? Das sagen die Fraktionen.

Linke: In Bremen sei der Fachkräftemangel in Kitas "die Ausbau-Bremse Nummer eins, und er verschärft sich noch“, sagt Leonidakis. Die Gewerkschaftsforderung, alle Erzieher in Gehaltsgruppe 8b einzugruppieren, sei gerechtfertigt. Erzieherinnen in Bremer Brennpunkten bekämen schon jetzt 8b. "Wir haben das hier teilweise in benachteiligten Stadtteilen schon umgesetzt, allerdings nicht flächendeckend.“

SPD: In Bremen sei man "alles in allem auf einem guten Weg“, sagt Petra Krümpfer (SPD). Man habe Formate für eine vergütete Ausbildung geschaffen, zum Beispiel Pia und Inra. Im Programm Pia bekommen angehende Erzieherinnen im Schnitt gut 1200 Euro im Monat. Für Pia gibt es 50 Plätze. Die Mehrheit der Auszubildenden bezieht in der sogenannten Inra-Ausbildung Aufstiegs-Bafög, das sind 780 Euro im Monat plus eine Bremer Pauschale von 1500 Euro pro Jahr. Zudem können sich nun Sozialassistenzen während ihrer Arbeit weiter qualifizieren. Gebraucht würden in Bremen weitere Studiengänge für Soziale Arbeit, so Krümpfer. In Kitas könnten unterschiedliche Berufe zusammen arbeiten. „Und in Einrichtungen in herausfordernden Lagen müssten die Gruppen eigentlich kleiner sein, dafür brauchen wir mehr Räume und Personal.“

CDU: Vorrangig müsse man die schlechteren Bedingungen in Kitas in benachteiligten Stadtteilen abbauen, sagt Sandra Ahrens (CDU). In Bremen gelte: „Je bedürftiger das Kind ist, desto schlechter der Fachkraft-Kind-Schlüssel.“ Zwingend sei es, die Ausbildung attraktiver zu machen. In den vergangenen fünf Jahren habe Bremen 250 zusätzliche Erzieher gebraucht, aber nur 188 zusätzlich ausgebildet. Diese Kräfte würden nun in den Gruppen fehlen: „Wir haben 42 Prozent Kinderarmut, die Auswirkungen sind massiv, die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas wissen nicht, wo sie anfangen und aufhören sollen", so Ahrens. Mit allen derzeitigen Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung komme Bremen noch lange nicht auf das Personal, das allein in den Kitas benötigt werde. Auch an Schulen werden in steigendem Maße Erzieher gesucht – für den Ganztagsausbau und als zweite Kraft im Klassenraum.

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Grüne: "Wir können den Fachkräftebedarf allein mit verschiedenen Ausbildungsformaten gar nicht decken", sagt Henrike Müller (Grüne). Deshalb müsse man auch über ein Einwanderungsgesetz sprechen und verstärkt im Ausland Fachkräfte anwerben. Bremen tut das zum Teil bereits und wirbt in Spanien um angehende Erzieherinnen.

FDP: "Der Bedarf an Kita-Plätzen wird schneller steigen, als wir zusätzlich ausbilden können", sagt Birgit Bergmann (FDP). Deshalb müsse man jetzt darüber reden, welche Berufe man zusätzlich zu Erziehern in die Kitas holen könne, um multiprofessionelle Teams zu bilden.

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