Brandanschlag, Polenböller, Schlägereien So lief der Jahreswechsel für Polizei und Feuerwehr

Aus Sicht von Polizei und Feuerwehr war auch der zweite Jahreswechsel unter Corona-Bedingungen eine eher untypische Silvesternacht. Ein Vorfall stach dabei aber heraus.
01.01.2022, 17:32
Lesedauer: 4 Min
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So lief der Jahreswechsel für Polizei und Feuerwehr
Von Ralf Michel

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in Bremen sprechen von einem arbeitsreichem, aber insgesamt trotzdem vergleichsweise ruhigen Jahreswechsel. Von 370 Einsätzen zwischen 18 und 6 Uhr berichtet die Polizei, 176 waren es bei den Rettungsdiensten. Ein Einsatz sticht allerdings deutlich hervor: Auf das Luft- und Raumfahrtunternehmen OHB wurde ein Brandanschlag verübt. Menschen wurden dabei nicht verletzt, aber es entstand beträchtlicher Sachschaden. 

Nach Angaben der Polizei verschafften sich Unbekannte um kurz nach Mitternacht Zutritt auf das Gelände des Unternehmens an der Universitätsallee in Horn-Lehe und warfen Brandsätze auf eines der Gebäude. Passanten bemerkten das Feuer und alarmierten die Feuerwehr. Deren Einsatzkräfte konnten den Brand löschen. Die Polizei untersuchte den Tatort und stellte Beweismittel sicher.

Staatsschutz ermittelt nach Brandanschlag auf OHB

Auch der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Er prüft eventuelle politische Hintergründe des Anschlags und einen Zusammenhang zu ähnlichen Taten. Bereits Ende November hatte es einen Vorfall bei OHB gegeben, der zu einem Großeinsatz der Polizei führte. Damals wurde auf dem Parkplatz des Geländes am Manfred-Fuchs-Platz ein Brandsatz entdeckt. Die Polizei veranlasste daraufhin die weiträumige Sperrung des Areals und suchte nach weiteren verdächtigen Gegenständen. Im Internet tauchte auf einem Portal, das vom Verfassungsschutz als linksextremer Verdachtsfall unter Beobachtung steht, ein Bekennerschreiben auf. Als Grund für den Brandsatz wurden Geschäftsbeziehungen des Luft- und Raumfahrtunternehmens zur Bundeswehr und zur Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) genannt.

Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag in der Silvesternacht sucht die Polizei nach Zeugen. Wer in den vergangenen Tagen oder zum Jahreswechsel verdächtige Beobachtungen im Bereich der Universitätsallee gemacht hat, kann sich jederzeit unter 0421 / 362 3888 an den Kriminaldauerdienst wenden.

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Mann mit 1,93 Promille zündet Polenböller am Hauptbahnhof 

Am Hauptbahnhof wurde ein 47 Jahre alter Mann festgenommen, der vor dem Hauptbahnhof einen sogenannten Polenböller gezündet hatte. Weil er sich nicht ausweisen wollte und gegen die Durchsuchung durch Beamte Widerstand leistete, wurde er zu Boden gebracht. Bei dem Mann wurde ein weiterer lebensgefährlicher Böller sichergestellt und ein Atemalkoholwert von 1,93 Promille ermittelt. Mit Strafanzeigen wurde der Bremer von der Wache entlassen. Nicht entlassen wurde ein 44-jähriger polnischer Staatsangehöriger. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl im Zusammenhang mit Einbruchdiebstählen vor. Er kam in Polizeigewahrsam.

Ansonsten blieb es auch am Hauptbahnhof eher ruhig, wie die Bundespolizei in ihrer Bilanz zum Jahreswechsel mitteilt. Im Fokus der Kontrollen im Bahnhof und in den Zügen standen Abstandsgebote, Tragen von Mund-Nasenbedeckungen und das Verbot des Verwendens von Feuerwerkskörpern. "Im Vergleich mit früheren Jahren hielten sich relativ wenige Personen im Hauptbahnhof auf", sagt Polizeisprecher Holger Jureczko. Einige der überwiegend alkoholisierten Passanten hätten trotzdem ermahnt werden müssen. "Es erfolgten 31 Ansprachen nach Regelverstößen, acht Platzverweise und elf Aufenthaltsermittlungen an Staatsanwaltschaften."

Darüber hinaus beschäftigten die Polizei zum Jahreswechsel vor allem Schlägereien, Eigentumsdelikte, Sachbeschädigungen sowie Verstöße gegen das Feuerwerksverbot. Obwohl ausdrücklich verboten, wurde im gesamten Stadtgebiet, insbesondere in den Bereichen Sielwall, Bürgermeister-Smidt-Brücke sowie der Grohner Düne, Feuerwerk gezündet. Registriert wurden auch mehrere Verstöße gegen das Waffengesetz.

Die Einsatzkräfte zeigten an den genannten Orten verstärkt Präsenz und wiesen mit Lautsprecherdurchsagen auf die geltenden Corona-Regeln hin. Zudem dokumentierten sie Verstöße gegen das Feuerwerksverbot, stellten diverse Feuerwerkskörper sicher und fertigte mehrere Anzeigen. Am Sielwall detonierte ein Böller unmittelbar neben einem Polizisten. Er erlitt dadurch ein Knalltrauma. Wie im Jahr zuvor registrierte die Polizei auch in dieser Silvesternacht mehrere Einsätze in Zusammenhang mit gemeldeten Schussabgaben. Nach bisherigen Erkenntnissen stellten die Einsatzkräfte insgesamt neun Schreckschusswaffen sicher und fertigten entsprechende Anzeigen.

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Gegen 22.50 Uhr löste die Polizei eine Feier mit mehreren Jugendlichen im Tunnel an der Straße Tiefer auf, sprach Platzverweise aus und fertigte Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen. Vor dem Steintor warfen Unbekannte gegen 23.50 Uhr einen Feuerwerkskörper unter ein wartendes Taxi. Der 29-jährige Fahrer wurde durch den Knall leicht verletzt. Am Auto entstand erheblicher Schaden.

Gegen 1.30 Uhr feuerten drei unbekannte Jugendliche Raketen in eine Garage in der Straße Harriersand in Mittelshuchting. Ein darin abgestellter Audi A3 sowie die Garage selbst gerieten in Brand. Ebenfalls in Mittelshuchting kam es gegen 22.45 Uhr zu einer Auseinandersetzung  mehrerer Personen, nachdem Unbekannte Silvesterböller zwischen geparkten Autos gezündet hatten. Dabei soll auch eine Schusswaffe vorgezeigt worden sein. Die Polizei traf vor Ort drei verletzte Verdächtige an und stellte eine Schreckschusswaffe sicher.

"Untypische Silvesternacht"

Als "verhältnismäßig ruhig" stufen Feuerwehr und Rettungsdienst den Jahreswechsel ein und sprechen von einer "untypischen Silvesternacht". Zwar sei trotz des Feuerwerkverbots geböllert worden, insgesamt aber ähnlich verhalten wie im Vorjahr. Dies habe sich unmittelbar auf die Zahl der Alarmierungen ausgewirkt. "Es mussten deutlich weniger Einsätze bewältigt werden, als in den Jahren vor der Pandemie", heißt es in der Pressemitteilung der Feuerwehr. Dies gilt vor allem für die Einsätze im Lösch- und Hilfeleistungsdienst. Zum Jahreswechsel 2019/2020, also vor Corona, standen davon 83 zu Buche, im vergangenen Jahr waren es 19, diesmal 17. 

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