Mehr Einsätze als im vergangenen Jahr Silvester in Bremen: Polizei zieht Bilanz

Die Silvester-Bilanz der Bremer Polizei: Einsatzkräfte ahndeten Verstöße gegen die Coronaverordnung und das Feuerwerksverbot. Dazu kamen Straßenraube, Schlägereien, Sachbeschädigungen und Ruhestörungen.
01.01.2021, 10:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Silvester in Bremen: Polizei zieht Bilanz
Von Justus Randt

Mehr als 300 Einsätze hat die Bremer Polizei in der Silvesternacht innerhalb von zwölf Stunden gehabt. Das seien etwas mehr als im vergangenen Jahr gewesen, teilte Polizeisprecher Nils Matthiesen am Neujahrsvormittag mit. Die Corona-Pandemie, das Infektionsschutzgesetz mit Kontaktbeschränkungen und das Feuerwerksverbot haben allen, auch den Einsatzkräften von Rettungsdiensten und Feuerwehr, einen ungewohnten Jahreswechsel in Bremen und Bremerhaven beschert.

Zwar gab es wegen der Einschränkungen keine öffentlichen Feiern. Verbotenes Feuerwerk sei allerdings im gesamten Stadtgebiet zu hören und zu sehen gewesen, sagte Matthiesen. Zwar habe es keine großen Partys oder im Einsatz verletzte Polizisten gegeben, aber es sei „sehr, sehr viel zu tun“ gewesen. Die Einsatzkräfte ahndeten „diverse Verstöße gegen die Coronaverordnung und das Feuerwerksverbot“. Rund 250 Böller und Raketen seien beschlagnahmt und Anzeigen geschrieben worden. Die Ordnungsbehörde hatte angekündigt, es würden Bußgelder von 50 Euro für das Mitführen und 100 Euro für das Abbrennen von Feuerwerk verhängt. Straßenraub, Schlägereien, Sachbeschädigungen und Ruhestörungen kamen dazu. Die Polizei ist noch dabei, diese Vorfälle aufzuarbeiten, genaue Zahlen gibt es deshalb noch nicht.

Lesen Sie auch

Viele Masken-Verstöße

Gegen Mitternacht, so die Polizei, hätten sich viele Menschen auf den Weserbrücken, in den Wallanlagen, am Osterdeich und an der Sielwallkreuzung aufgehalten. Laut Matthiesen Gruppen von 50 bis 70 Personen – kein Vergleich zu den Versammlungsstärken in anderen Silvesternächten. Per Lautsprecherdurchsagen hätten die Einsatzkräfte die Pulks aufgelöst. Es seien viele Verstöße gegen die Maskenpflicht festgestellt worden. In mehreren Stadtteilen beschlagnahmten Polizisten insgesamt mehr als ein Dutzend Schusswaffen – sowohl scharfe als auch Schreckschuss- und Signalpistolen.

In Woltmershausen wurde ein Baby von einer Feuerwerksrakete leicht verletzt. Der Vater hatte mit seinem Kind auf dem Arm auf dem Balkon gestanden, als es getroffen wurde. In Osterholz haben Unbekannte laut Polizei Feuerwehrleute, die einen Mülltonnenbrand löschten, mit Feuerwerkskörpern beworfen. Drei der 20 Feuerwehreinsätze – im Vorjahr waren es 85 – galten brennenden Autos. In Kirchhuchting brannte ein Fahrzeug an der Straße Neuer Damm, in der ­Sü­dervorstadt waren es drei Fahrzeuge in der Hegelstraße, und in Vegesack, Am Tiefbrunnen, standen zwei Autos in Brand. Die Polizei sucht Zeugen. In Blumenthal schoss ein 16-Jähriger auf das Auto einer Frau. Die Fahrerin erschrak, konnte aber einen Unfall vermeiden.

Auch die Zahl der Rettungsdiensteinsätze zum Jahreswechsel ist in Bremen nach Feuerwehrangaben von 198 im Vorjahr auf 124 zurückgegangen. In Bremerhaven rückte der Rettungsdienst während der ersten sieben Stunden des neuen Jahres zu neun Einsätzen aus. „Das ist ein Bruchteil dessen, was wir in früheren Jahren hatten“, sagt Gerrit Sancken vom Einsatzleitdienst der Feuerwehr. Verletzungen durch Feuerwerk seien nicht bekannt geworden, es habe auch keine durch Pyrotechnik verursachten Brände gegeben. Die Bremerhavener Wehr hatte in der Neujahrsnacht zwei Einsätze: Bei einem Verkehrsunfall in Speckenbüttel war ein Auto gegen eine Mauer geprallt. Drei Menschen verletzten sich dabei. Außerdem hatte Zigarettenqualm einen Brandmelder ausgelöst.

Zootiere ganz entspannt

Über dem Viertel waren in Bremen in der Nacht immer wieder auch sogenannte Himmelslaternen zu sehen. Die Feuerwerksvariante ist zu trauriger Bekanntheit gelangt, weil sie vor einem Jahr Ursache des Brandes im Krefelder Zoo gewesen ist, bei dem das Affenhaus zerstört und 50 der 52 Tiere getötet wurden. Für die Tiere im Bremerhavener Zoo am Meer ging der Jahreswechsel ruhig vonstatten. „Die Tiere sind so entspannt“, sagte Zoodirektorin Heike Kück. „Von mir aus könnte das jedes Jahr so sein.“ In Bremen nahm ein verschreckter Retriever Reißaus. Er wurde mit verletzter Pfote von der Polizei ins Tierheim gebracht und dort behandelt, berichtet Sprecherin Gaby Schwab. Der Hund wurde am Neujahrstag von seinen erleichterten Besitzern abgeholt.

++ Aktualisiert um 18.08 Uhr ++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+