Schulstart in Bremen unter Corona-Bedingungen

Wie eine Oberschule in Horn ins neue Schuljahr startet

Schon vor den Ferien hatte sich die Wilhelm-Focke-Oberschule in Horn auf den Schulalltag in Corona-Zeiten vorbereitet. Allerdings hatte die Schulleitung keinen regulären Schulbetrieb erwartet.
28.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie eine Oberschule in Horn ins neue Schuljahr startet
Von Frank Hethey

Schon vor den Sommerferien hatte die Wilhelm-Focke-Oberschule in Horn den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen geprobt. „Wir haben die Klassen in Halbgruppen eingeteilt“, sagt der neue Schulleiter Wolfgang Kirst. In der einen Woche wurde die eine Hälfte unterrichtet, in der nächsten die andere. „Wir hatten damit gerechnet, dass es nach den Ferien so gehandhabt würde.“ Ein Irrtum, wie sich inzwischen gezeigt hat: Im neuen Schuljahr setzt das Bildungsressort auf den Regelbetrieb, von einem Schulalltag unter „annähernd regulären Bedingungen“ ist im aktuellen Brief an die Eltern die Rede. „Für uns ist das eine große Herausforderung“, sagt Kirst.

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Dabei profitiert die Schule von den Probeläufen vor den Ferien. Vieles von dem, was jetzt die Infektionsgefahr mit dem Virus minimieren soll, kennen die Schülerinnen und Schüler schon: die Maskenpflicht außerhalb der Unterrichtsräume, die abgesteckten Areale für einzelne Jahrgänge auf dem Schulhof, die gestaffelten Pausen- und Essenszeiten in der Mensa, das alles ist nicht neu. Die elfjährige Liv freut sich sogar, dass die Regeln nicht mehr so streng seien wie vor den Ferien. „Vorher konnte ich nur die Hälfte der Klasse sehen, jetzt sind wieder alle da“, sagt die Sechstklässlerin.

Und doch folgt die Schulleitung den behördlichen Vorgaben nicht nur, sie geht auch darüber hinaus. So bleibt das Abstandsgebot an der Horner Oberschule bestehen, obwohl es durch das Kohortenprinzip eigentlich aufgehoben ist. Zwei Meter sollen außerhalb des Klassenraums zwischen den Schülerinnen und Schülern liegen. „So viel, wie wenn man beide Arme ausstreckt“, sagt Kirst. „Das kann man sich besser merken als die sonst üblichen 1,50 Meter.“ Tammo findet den Sicherheitsabstand in Ordnung. „Solange jeder Abstand hält, habe ich keine Angst, mich anzustecken“, sagt der Elfjährige.

Einige Zusatzmaßnahmen für größeren Schutz

Mit weiteren kleinen Zusatzmaßnahmen soll das Ansteckungsrisiko reduziert werden. Dazu gehört ein Spuckschutz, den jeder Lehrer für sein Pult anfordern kann. „Die stehen alle vorgefertigt bereit“, sagt Kirst. Dazu gehört auch eine „THW-Waschstraße“: sechs mobile Waschbecken, die von früheren Schülern, die sich jetzt beim Technischen Hilfswerk engagieren, bereits Anfang Juni in einem Zelt vor der Turnhalle aufgebaut wurden. „Damit wollen wir den Verkehr in den Schulräumen so gering wie möglich halten.“

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Zu den Extras zählen nicht zuletzt schmale Kupferbänder um Griffe und Türklinken. „Die halten Viren und Krankheitskeime ab“, so Kirst. Jede Maßnahme werde zeitnah und in enger Abstimmung mit den Eltern überprüft. „Manchmal schon am Ende des Tages. Notfalls steuern wir nach“, sagt Susanne Helm, die stellvertretende Schulleiterin.

Keinerlei Probleme gibt es beim vorgeschriebenen Stoßlüften. „Da sind wir in einer luxuriösen Situation“, sagt Helm. Denn jeder Klassenraum hat Fenster an beiden Seiten, zusätzlich sollen schon bald Ventilatoren helfen, die verbrauchte Luft hinauszubefördern. Noch muss wegen der milden Temperaturen niemand bibbern. Für die kältere Jahreszeit sollen die Schülerinnen und Schüler dann Strickjacken mitbringen. „Das ist eben ein anderer Unterrichtszusammenhang.“

Eine räumliche Trennung ist gewährleistet

Überhaupt kommt die Architektur der 1965 erbauten Schule dem Betrieb in Pandemie-Zeiten sehr entgegen. Drei zweistöckige Pavillons verteilen sich auf dem Schulgelände, die räumliche Trennung ist damit schon mal gewährleistet. Ganz anders als bei etlichen anderen Bildungsstätten. Die Wilhelm-Focke-Oberschule gehört in Bremen zu den kleineren Schulen. Insgesamt 465 Kinder und Jugendliche besuchen die Einrichtung, unterrichtet werden sie von 36 Lehrkräften, acht Mitarbeitern der Stadtteilschule und sieben Referendaren.

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Gemäß den Vorgaben der Behörde gibt es an der Oberschule keine Lerneinschränkungen. „Wir machen hier keinen Schmalspur-Unterricht“, sagt Kirst. Dazu gehört neben dem normalen Präsenzunterricht auch der Distanzunterricht in digitaler Form. An zwei Fortbildungstagen hat sich das Kollegium mit der Bremer Lern- und Lehrplattform Itslearning vertraut gemacht. Die Tablets für die Lehrkräfte sind bereits eingetroffen und konfiguriert, die Tablets für die Schülerinnen und Schüler sollen im Laufe der nächsten Woche kommen. „Die müssen dann personalisiert werden, das wird noch ein ordentlicher Arbeitsaufwand.“

Ob der Hybridunterricht aus digitalen und analogen Elementen wirklich auf Anhieb funktioniert, kann keiner sagen. „Das muss sich zurechtruckeln“, sagt Kirst. Doch der 50-Jährige will nicht klagen, die Pandemie schafft in seinen Augen auch neue Chancen. Seine Überzeugung: Ohne Corona hätte die Digitalisierung des Unterrichts noch länger auf sich warten lassen. „Für mich ist das Glas immer halb voll“, sagt er.

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