Silvesterfeuerwerk

Bremer begrüßen ein Böllerverbot

Alljährlich wird mit Blick auf der Silvester auch ein Böllerverbot diskutiert. Teilnehmer einer WESER-KURIER-Umfrage bewerten solche Einschränkungen in der Bremer Innenstadt als vernünftig.
30.12.2019, 21:23
Lesedauer: 3 Min
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Bremer begrüßen ein Böllerverbot
Von Lisa-Maria Röhling

Ein Böllerverbot in der gesamten Innenstadt, wie es die Deutsche Umwelthilfe zuletzt für Bremen gefordert hatte, ist aus Sicht vieler Bremerinnen und Bremer eine gute Idee. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Online-Panel „WESER-KURIER Trend“ in Zusammenarbeit mit einem Kölner Marktforschungsinstitut durchgeführt hat. Dabei wurden 843 Menschen nach Ritualen zum Jahreswechsel befragt. Demnach halten vier von fünf Teilnehmern ein Böllerverbot für vernünftig, besonders ausgeprägt ist diese Haltung bei Frauen (85 Prozent). Hingegen spricht sich jeder vierte männliche Befragte gegen ein solches Verbot aus.

Bereits Ende Oktober hatte die Deutsche Umwelthilfe gefordert, Feuerwerk und Silvesterknaller im Innenstadtbereich von 98 ohnehin mit hohen Feinstaubwerten belasteten Kommunen zu verbieten, darunter waren auch Bremen und Bremerhaven. Die Umwelthilfe begründete den Schritt nicht nur mit der hohen Feinstaubbelastung, sondern auch mit dem hohen Müllaufkommen. Die Bremer Stadtreinigung rechnet auch in diesem Jahr allein für Silvester wieder mit zehn Tonnen Müll. Etwa 30 Mitarbeiter der Stadtreinigung werden am Neujahrsmorgen im Einsatz sein, um Straßen und Gehwege zu säubern. Dabei habe jeder, der an Silvester Feuerwerkskörper auf öffentlichen Plätzen abfeuere, den entstehenden Abfall selbst zu entsorgen.

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In Bremen gilt auch in diesem Jahr ein Feuerwerksverbot rund um das Unesco-Kulturerbe-Ensemble Rathaus. Außerdem ist es untersagt, sogenannte pyrotechnische Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kliniken, Kinder- und Seniorenheimen und Kirchen sowie rund um den Flughafen Bremen abzubrennen. Grundsätzlich empfiehlt die Bremer Gewerbeaufsicht – aus Rücksicht auf Mitmenschen und zum Tierschutz –, alle Knallkörper im Zeitraum vom 31. Dezember, 18 Uhr, bis zum 1. Januar 2020, 1 Uhr, abzubrennen.

Verbotszone über die historische Altstadt hinaus ausweiten

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) teilte am Montag mit, dass er offen sei für Verbote, die über die schon festgelegten Zonen hinausgehen: „Mit dem Thema werden sich im kommenden Jahr wohl gleich mehrere Ressorts beschäftigen“, kündigte er an. Die Verbotszone über die historische Altstadt hinaus auszuweiten, dafür sehen Vertreter der Bürgerschaftsfraktionen indes keinen Grund. Das Thema Feinstaubbelastung müsse dennoch ernst genommen werden, sagt Arno Gottschalk (SPD). Da seien vor allem die Hersteller von Knallkörper gefordert.

Martin Michalik (CDU) erklärt, ein generelles Verbot von Böllern sei nicht verhältnismäßig, allerdings seien die aktuellen Einschränkungen zu begrüßen. Ähnlich sieht es Hauke Hilz (FDP): „Feuerwerk an Silvester hat eine lange Tradition in Bremen und in Deutschland. Es macht vielen Menschen Spaß und Freude. Einmal im Jahr muss das auch möglich bleiben.“ Die Grünen hatten zuvor gefordert, Verbotszonen in der Innenstadt auszuweiten und besonders stark durch Knallerlärm belastete Bereiche zu schützen. „Ich glaube nicht, dass an Silvester irgendwelche Lärmwerte in der Innenstadt eingehalten werden“, sagt Grünen-Politiker Ralph Saxe.

Andere Städten gehen drastischer vor: Hamburg untersagt seit diesem Jahr Feuerwerk rund um die Alster, in Hannover gilt seit 2018 auf verschiedenen Straßen und Plätzen im Innenstadtbereich ein Knallerverbot. Ob diese Zone in den kommenden Jahren erweitert wird, wird momentan diskutiert. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) wies ein landesweites Verbot allerdings zurück.

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Der Bremer Landesverband der Umweltorganisation BUND appelliert an die Bevölkerung, das Böllern einzuschränken oder komplett zu unterlassen. Der Verband warnt nicht nur vor dem Feinstaub, sondern auch vor der Lärmbelastung. Besonders bei Tieren können starke Detonationen Orientierungslosigkeit und Schockzustände auslösen. Auch der Müll sei ein Problem: Nicht nur die Verpackungen verschmutzten die Straßen, sondern auch die chemischen Bestandteile des Feuerwerks. Werden sie vom Regenwasser weggespült, belasteten sie Grundwasser und Flüsse.

Böllern setzt 4500 Tonnen Feinstaub frei

Laut Bundesumweltamt werden in der Silvesternacht in ganz Deutschland Feuerwerkskörper im Wert von 100 bis 150 Millionen Euro abgebrannt. Das Böllern setze insgesamt 4500 Tonnen Feinstaub frei, das entspreche 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge.

Damit trägt der Silvesterabend laut dem Bremer Mediziner Rainer Hambrecht zur Gesundheitsbelastung durch Feinstaub bei: „Aktuelle Studien gehen davon aus, dass im Jahr in ganz Europa knapp 400.000 zusätzliche Todesfälle durch Feinstaubbelastungen verursacht werden“, sagt er.

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