Senat plant weitere Lockerungen Disco-Betreiber bleiben skeptisch

Anders als viele Betreiber von Clubs und Diskos in Niedersachsen setzt die Bremer Szene auf Geduld. Selbst wenn der Senat am Dienstag die Niedersachsen-Regelung ermöglichen würde, zögern sie mit Öffnungen.
12.06.2021, 14:16
Lesedauer: 3 Min
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Disco-Betreiber bleiben skeptisch
Von Nina Willborn

Im Bremer Umland kann wieder in Diskotheken und Clubs gefeiert werden – wenn auch mit Maske auf der Tanzfläche, Testpflicht und begrenzter Gäste-Kapazität. In Bremen dagegen werden Partygänger wohl noch auf die Rückkehr in die Läden an der Diskomeile und anderswo warten müssen.

Der Senat wird am kommenden Dienstag über die Corona-Verordnung und damit voraussichtlich weitere Lockerungen auch für Veranstaltungen beraten. Aber selbst wenn sich die Regierung auf dieselben Disko-Regelungen wie in Niedersachsen einigen würde, bleibt die Skepsis bei den Betreibern groß. Dieser Tage hatten Vertreter der Veranstaltungsbranche in einer Videokonferenz unter anderem mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zusammengesessen, um sich über die Lage und Öffnungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Angebote auszutauschen.

"Unser Produkt ist Nähe. Das geht weder mit Maske noch mit Abstand", sagt Bülent Ünal, La-Viva-Betreiber und Vertreter eines Kollektivs der Bremer Diskotheken, darunter Eule, NFF, Römer, Treue, Modernes und Shagall. Ein Großteil kann sich laut ihm nicht vorstellen, unter den aktuell möglichen Bedingungen, also mit Test- und Maskenpflicht, zu öffnen. "Wir bräuchten darüber hinaus auch mindestens 50 Prozent Auslastung unserer Kapazitäten", sagt Ünal, "selbst damit ist ein Plus-Geschäft fraglich."

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Die Bremer warteten zwar sehnlichst darauf, wieder tanzen gehen zu können, sagt der La-Viva-Betreiber. "Seitdem die niedersächsischen Clubs und Diskos wieder öffnen dürfen, klingelt mein Handy dauernd", sagt Ünal, "die Leute wollen wissen, wann es auch hier wieder losgeht." So geht es auch Silvia Czaja, Besitzerin des Shagall. "Die Leute sagen mir, dass wir endlich wieder öffnen sollen", sagt sie. "Ich würde es auch für die Gäste gern tun, aber zu den aktuellen Bedingungen würde es keinen Spaß bringen." Das schlimmste Szenario aus ihrer Sicht: "Wenn wir öffnen würden, dann aber aufgrund eines Infektionsgeschehens nach wenigen Tagen wieder schließen müssten." Auch Ünal sagt: "Wir haben jetzt seit anderthalb Jahren geschlossen. Da wäre es wenig sinnvoll, jetzt etwas übers Knie zu brechen."

Ein Faktor seien auch die Kontrollmöglichkeiten – hinzu komme der Alkohol als enthemmender Faktor. "Ich kann nicht für jede Besuchergruppe einen Türsteher oder Aufpasser engagieren", sagt der Disko-Betreiber. "Und ganz ehrlich: Die Bilder, die ich von Veranstaltungen der niedersächsischen Kollegen gesehen habe, fand ich schon zum Teil befremdlich."

Fest steht für Ünal aber: "Es muss Angebote für Jugendliche geben." Deshalb planen ihm zufolge einige der Bremer Diskos Open-Air-Veranstaltungen, die in das vom Senat aufgelegte Förderkonzept passen. "Die muss man aber vorbereiten, kann sie nicht einfach aus der Schublade ziehen", sagt er.

Planungssicherheit wünscht sich auch der Verein Clubverstärker, Sprachrohr für rund 40 Bremer Musikspielstätten. "Für Konzerte brauchen die Clubs oft einen Vorlauf von mindestens einem halben Jahr", sagt Victor Frei, Leiter der Geschäftsstelle. "Deshalb pochen wir schon lange darauf, dass wir einen Stufenplan für sinnvoll halten, in dem klar geregelt ist, was bei welcher Inzidenz gilt. Wir müssen jetzt schon an den Herbst denken." Ein aus Sicht der Szene sinnvoller nächster Lockerungsschritt wäre die Aufhebung der auf Personen bezogenen Beschränkungen bei Außen-Veranstaltungen und stattdessen eine Anpassung der erlaubten Personenzahl an die Größe der Fläche. "Das würde uns helfen", sagt Frei.

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Welche Regelungen tatsächlich demnächst gelockert werden, steht noch nicht fest. Gemäß den aktuellen Infektionszahlen entfällt ab Montag zumindest die zunächst bis zum 13. Juni eingeführte Testpflicht für Veranstaltungen in Innenräumen. Die gilt dann nur noch bei einer Inzidenz von über 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. "In diesem Sommer haben wir auch aufgrund des Impffortschritts eine andere Situation als im vergangenen", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts.

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