Die etwas andere Mittagspause Bremer Foodtrucks - Essensvielfalt auf Rädern

Die Mittagspause ist im Wandel. Essen soll schnell gehen, aber auch gesund und lecker sein. Rollende Restaurants erobern die Republik.
30.12.2016, 00:00
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Bremer Foodtrucks - Essensvielfalt auf Rädern
Von Ina Schulze

Die Mittagspause ist im Wandel. Essen soll schnell gehen, aber auch gesund und lecker sein. Rollende Restaurants erobern die Republik.

„Eat the Rainbow“ steht feinsäuberlich auf einer Tafel an der Wand geschrieben. Die Gläser auf der Theke sind reich gefüllt mit Nüssen, Datteln, essbaren Blumen oder selbstgemachtem Müsli. Hinter der Theke begrüßen zwei gut gelaunte Verkäufer die Gäste auf dem Domshof. Bei Nora‘s Deli ist alles bunt, neu und mit seinem Essenangebot sicherlich auch etwas ungewöhnlich.

In dem lilafarbenen Anhänger, dem Trailer, vermischt Inhaberin Nora Hildebrandt Rohkostschokolade, Datteln, Avocado, Bananen und selbst gemachte Mandelmilch zu einem cremigen Smoothie. Bis zu drei Mal die Woche stehen sie seit Anfang 2016 auf dem Wochenmarkt in der Bremer Innenstadt mit einer wechselnden Speisekarte. Mal ist es ein Quinoasalat mit Linsenbällchen, ein anderes Mal stehen Kürbiswürfel im Fokus. Hauptsache gesund. „Wir beide sind von Health Food absolut begeistert“, sagt die Namensgeberin des Foodtrucks, „Wir wollen gesundes Essen anbieten, das fit für den Tag macht und leistungsfördernd ist.“ Außerdem sollen die Gerichte alle „richtig gut aussehen“. Diese Begeisterung sei ein Grund dafür gewesen, warum sie sich gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Malte Wunnenberg selbstständig gemacht hat.

Vor einem Supermarkt in der Vahr bereitet Maik Hembluck ebenfalls alles für die Gäste vor. Sein Gefährt, mit dem plattdeutschen Namen "Biten", sei Bremens erster echter Bio-Foodtruck. Er steht regelmäßig im Europahafen, aber auch auf dem Ökomarkt am Berliner Platz im Bremer Steintor hat er einen neuen Standort für sich entdeckt. Die Standorte und Mittagsangebote posten die Betreiber regelmäßig über die Sozialen Medien oder über ihre eigene Website. Gerade bei schlechtem Wetter werden die Pläne von Hembluck auch mal umgeworfen. Doch bei den Lebensmitteln gibt es keine Kompromisse.

„Unsere Produkte sind frei von jeglichen Zusatzstoffen und auf natürliche Weise entstanden. Wir sind komplett biozertifiziert“, so der Betreiber des Biten-Mobils. Während man bei Nora’s Deli vor allem auf vegetarische und vegane Gerichte setzt, gibt es bei Maik Hembluck Pfannen-Pasta aus dem traditionellen Wok, saisonale Eintöpfe und Pizza aus dem Steinofen.

Mittagessen im Wandel

Essen in der Mittagspause unterliegt einem Wandel. Schnell soll es gehen, aber auch gesund und lecker soll es sein. Rollende Restaurants, sogenannte Foodtrucks, erobern Deutschlands Straßen und kommen mit innovativen Gerichten daher. Mit einem Truck oder Trailer gehen Ideengeber ein relativ kleines Risiko ein. „Wir wollten unser gastronomisches Konzept ausprobieren und flexibel bleiben“, sagt Malte Wunnenberg. Mit einem festen Laden binde man sich über längere Zeit an einen Mietvertrag unabhängig davon, wie das Konzept bei den Kunden ankäme. Bei einem eigenen Laden sei der Standort für Erfolg oder Misserfolg ganz entscheidend.

Foodtrucks dienen daher ideal als Testballon für ein Restaurant oder Geschäft. So kommt es auch, dass Maik Hembluck einen Platz vor einem Supermarkt in der Vahr ausprobierte und sich schließlich gegen diesen entschied. Die Passanten fanden offenbar zu wenig Zeit zum Essen. Die Betreiber von Nora’s Deli haben auf dem Wochenmarkt auf dem Domshof hingegen einen idealen Standort für sich entdeckt, an dem sie festhalten. Das Paar denkt noch über ein zusätzliches festes Geschäft nach.

Foodtrucks heben sich von herkömmlichen Imbissen in vielerlei Hinsicht ab. Das Angebot ist kreativ, häufig experimentell und fast immer kulinarisch gehoben. Nachhaltigkeit und Regionalität stehen bei den meisten Unternehmen im Fokus. So auch bei den Bremer Vertretern, wie der Burger Brutzelbude, Nora‘s Deli, dem Currykitchen oder Biten.

Dennoch: Bremen hinkt dem Foodtruck-Trend, der aus den USA stammt, hinterher. Während in Hamburg und anderen Großstätten schon dutzende Trucks vor allem zur Mittagszeit durch die Straßen rollen, sind es in Bremen nur eine Handvoll Anbieter.

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Von Clean-Eating bis pestizidfrei

Auf einem Segelschiff hat der gelernte Maschinenbauer Hembluck angefangen zu kochen. In seinem Truck setzt er auf biologisch produzierte Lebensmittel. „Meine Produkte müssen frei von Pestiziden sein. Ich bin sicher, dass viele Zivilisationskrankheiten den vielen Zusätzen geschuldet sind“, so Hembluck. „Außerdem schmecken die Sachen besser und ich will das die Kunden das Essen genießen.“

Bei Nora‘s Deli basiert das Angebot überwiegend auf dem Clean-Eating-Trend. Dabei achten die Konsumenten darauf, keine Fertigprodukte zu verwenden. Auf den Teller kommen frische und vor allem unverarbeitete Lebensmittel. „Ich gucke mir die Zutatenliste ganz genau an“, so die 28-jährige Hildebrandt. Natürlich stehen auch sogenannte Superfoods auf der Speisekarte. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass ihnen besonders viele Nährstoffe und Vitamine zugesprochen werden. Besonders exotisch müssten diese bei Nora's Deli allerdings nicht sein, wie Acai-Beeren aus Südamerika, die dennoch auf der Karte stehen. Walnüsse seien laut Nora Hildebrandt ebenfalls ein tolles Produkt für den Kopf. Denn diese Superfoods aktivieren mit ihren Inhaltsstoffen die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Ein Geheimnis ihrer Rezepte sei auch der hohe Anteil an Nährstoffen. „Durch wenige Mengen wird der gesamte Nährstoffbedarf gedeckt“, so ihr 35-jährige Partner. „Daher benötigt man nicht so großen Mengen von dem Leistungsfood, der Körper wird durch die Verdauung nicht so belastet.“

Während Maik Hembluck seine Gerichte alle auf wenigen Quadratmetern zubereitet, setzen die gelernte Fitnesskauffrau und der Betriebswirt auf eine externe Küche. Denn gerade in Deutschland gibt es viele Vorschriften, die es zu beachten gilt. „Speisen, die für den Verkauf bestimmt sind, dürfen nur in einer Gewerbeküche produziert werden“, so Wunnenberg. Eine Gewerbeküche wiederum definiert sich unter anderem dadurch, dass in ihr kein Essen für den privaten Verzehr hergestellt wird. Darüber hinaus müssen die Flächen leicht zu reinigen und auch die Wände bis zu einer bestimmten Höhe leicht zu säubern sein.

In Nora’s Deli stehen nur wenige Quadratmeter Arbeitsfläche zur Verfügung. In der Kulturküche auf dem Teerhof haben sie mehr Platz und viele Gerätschaften, wie Kühlmöglichkeiten und eine Gastrospülmaschine, die Arbeit abnimmt. Dort haben sie sogar einen eigenen Kühlschrank, der mit dem Logo und einem Vorhängeschloss versehen ist. Drei Mal die Woche sind die beiden dort vor Ort und bereiten die Komponenten für ihre Salate und Smoothies vor. Das Anrichten geschieht dann erst am Tag des Verkaufes im Trailer.

Klimafreundlich transportierter Kaffee in Bremen

Kaffee, das Lieblingsheißgetränk der Deutschen, steht ebenfalls im Fokus der beiden Foodtrucks. Nora’s Deli setzt auf Cross Coffee, eine kleine Kaffeerösterei in Bremen. Maik Hembluck hat hingegen einen anderen Ansatz: „Wir werden Anfang 2017 eine Ladung biologischen und fair gehandelten Honduras-Kaffee einzigartig und erstmals CO2-frei mit dem Segelfrachter "Avontuur" importieren.“ Für dieses Projekt hat er die "biten - Gesellschaft für gesegelten Kaffee mbH" gegründet. Die "Avontuur" bringt den klimafreundlichen Kaffee im April 2017 nach Bremen. Der Kaffee einer Cooperative mit einigen kleinen Kaffee-Farmern, wird in Zentralamerika verladen.

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Foodtrucks wie Biten und Noras’s Deli schlagen auch in Sachen Müll in eine Trend-Kerbe. „Da heutzutage bei 'To Go' Verpackungen sehr viel unnötiger Plastikmüll entsteht, war es uns wichtig, von Anfang an ausschließlich biologisch abbaubare Verpackungen zu verwenden“, sagt Nora Hildebrandt. „Frei von Müll sind wir nicht, aber wir versuchen es, wo es möglich ist.“

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Und dieser Versuch, ein innovatives Mittagsangebot zu schaffen, geht auf. Denn Foodtrucker reagieren auf das neue Qualitätsbewusstsein der Menschen und sind örtlich unabhängig. Bleibt nur abzuwarten, wann noch mehr dieser Restaurants auch durch Bremens Straßen rollen. Dass es sich um ein Trend-Thema und nicht um einen Hype handelt, davon ist Daniel Bendl von der Internetseite Foodtrucks Deutschland überzeugt. Auf der Seite und der dazugehörigen App werden unter anderem die Tourdaten der Trucks gesammelt. Und die Datenbank wächst stetig. Dieser positive Trend hänge laut Bendl auch mit der ganzen Bewegung zum Thema Essensqualität zusammen. Es gebe immer mehr nachhaltige und hochqualitative vegane Produkte. Aber auch klassische Burger-Trucks, die sich klar von den klassischen Fastfood-Ketten abheben würden, rollen durch das Land. „Denn Kern der Sache ist die Qualität des Essens und das Bewusstsein für gesunde Ernährung, für Dinge die regional und nachhaltig hergestellt sind“, so Daniel Bendl.

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