Vermeiden statt recyceln

Bremer Nabu gibt Tipps gegen die Müllflut

In Deutschland wird so viel Verpackungsmüll produziert, wie in keinem anderen Land in Europa. Der Naturschutzbund Bremen gibt Tipps, wie sich Verpackungsmüll im Alltag vermeiden lässt.
25.11.2018, 19:53
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Nabu gibt Tipps gegen die Müllflut
Von Christian Hasemann
Bremer Nabu gibt Tipps gegen die Müllflut

Jessica Wildner (links) und Lena Rönn gaben Tipps wie sich Müll vermeiden und Geld sparen lässt.

Petra Stubbe

In keinem Land Europas entsteht so viel Verpackungsmüll wie in Deutschland: 18,6 Millionen Tonnen, das sind 220 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Trotz oder gerade wegen der Trennung in Gelbe Säcke und Gelbe Tonne geht der Verbrauch an Verpackungsmaterial nicht zurück. Der Naturschutzbund (Nabu) Bremen zeigte in einer Diskussionsrunde, wie sich Müll vermeiden lässt. Ein Gewinnspiel des Nabu-Bundesverbandes soll außerdem auf die absurdeste Verpackung hinweisen.

An Beispielen überflüssiger Verpackungen mangelt es nicht. Gekochte und gepellte Eier in Plastikbehältern, Bananen eingeschweißt unter Plastik in einer Plastikschale oder ein Beispiel aus Japan: Eine Getränkedose, die noch mal eingeschweißt in einer Plastikschale liegt. Oder die Bio-Zitrone – eingepackt in einem Plastikbecher. „Dabei ist die Banane schon perfekt verpackt“, sagte Jessica Wildner vom Nabu. „Die Eier waren in der Schale hygienisch verpackt, dann wurden sie geschält, mussten haltbar gemacht werden und dann wieder verpackt werden“, wunderte sich die Naturschützerin.

Lesen Sie auch

Zwar seien diese skurrilen Verpackungen auf den ersten Blick lustig, aber „das hat Folgen, die man erst einmal nicht mehr loswird.“ Sprich: Nur wenig wird tatsächlich recycelt, vieles landet im Ofen und anderes im Meer und wandert dann über den Nahrungsmittelkreislauf in den menschlichen Magen. Österreichische Forscher haben zuletzt im Oktober Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der sie in Stuhlproben von Menschen Plastik nachweisen konnten. Welche Auswirkungen dieses auf den menschlichen Organismus hat, ist völlig offen. In anderen Studien wurde bei Tieren Mikroplastik auch in Leber, Lymphen und Blut nachgewiesen.

Beim Lebensmitteleinkauf Müll vermeiden

Gerade beim Lebensmitteleinkauf lässt sich aber viel Müll vermeiden, sagt Lena Rönn, die ehrenamtlich für den Nabu arbeitet. „In dem man zum Beispiel Netze mitnimmt, in die man das Gemüse oder das Obst tut.“ Quasi zum Anfassen hatte sie ihre eigenen Einkaufsnetze mitgebracht – hergestellt aus alten Gardinen. Fleisch, Aufschnitt und Käse könne man als Kunde zunehmend auch in eigene mitgebrachte Dosen packen lassen.

Wiederverwenden, das ist ein anderes Stichwort der Müllvermeiderinnen des Nabus. „Grundsätzlich gilt, alles so lange wie möglich zu nutzen“, sagt Jessica Wildner. „Und alles Plastik im Haushalt zu entsorgen, ist auch nicht beste Lösung, sondern es weiter zu benutzen bis es kaputt ist oder es umnutzen.“

Lesen Sie auch

Alte Joghurt-, Marmeladen- oder Senfgläser können wiederverwendet werden, um zum Beispiel Marmelade einzukochen. Eine alte Konservendose wird zum Stiftehalter, Stofflappen aus rauer Baumwolle ersetzen den Küchenschwamm aus Plastik. „Die kann man einfach mit der Wäsche bei 60 Grad waschen“, sagt Lena Rönn. Daneben gebe es Bürsten aus Holz und mit Naturborsten, Baumwolltücher ersetzen dir Küchenrolle.

Der Kampf gegen den Müll ist auch ein Kampf gegen die eigene Bequemlichkeit. „Man muss sich umorganisieren, spontan einkaufen, das geht nicht, man muss sich vorher überlegen, was man einkaufen will“, sagt eine Frau, die von ihrer Erfahrung beim Einkaufen mit mitgebrachten Tupperdosen berichtet.

Viel Müll entsteht im Bad

Neben der Küche sei das Bad ein Bereich, wo viel Plastik eingespart werden könne, meint Lena Rönn. Für Shampoo, Duschgel und Zahnpasta aus der (Plastik-)Tube gebe es inzwischen Ersatz. Statt Zahnpasta könnten auch Zahnputztabletten genutzt werden. Und: „Es gibt inzwischen Zahnbürsten aus Bambus, die finde ich ziemlich cool.“

Ein Stück Seife ersetzt bei Lena Rönn den Seifenspender, eine Duschseife das Shampoo. „Und aus Essigessenz mache ich Putzmittel.“ Insgesamt habe sie viele Dinge ausprobiert, einiges verworfen. „Am Anfang ist es etwas aufwendig, bis es sich eingespielt hat“, gibt sie zu. „Aber man kann so auch Geld sparen und ich freue mich, wenn ich sehe, dass wir nur einen halb vollen Gelben Sack im Monat an die Straße stellen.“

Ob bewusstes Einkaufen in jedem Fall auch etwas Gutes bewirkt, ist allerdings nicht immer klar. Und auf manche Fragen, gibt es keine leichte Antworten. Ein Mann im Publikum brachte mit seiner Frage das Dilemma auf den Punkt: „Was ist der richtige Weg? Die Milch aus Bayern im Glas oder die Bio-Milch im Tetrapack aus der Region?“ Eine Frage, die sich nicht ohne weiteres beantworten lässt.

Weitere Informationen

Informationen zu Müllvermeidung und dem Nabu-Gewinnspiel zur absurdesten Verpackung gibt es auf der Internetseite: www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/alltagsprodukte/25280.html.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+