Laut "TomTom Traffic Index" Bremer stehen immer länger im Stau

Staubedingte Verkehrsbehinderungen haben in Bremen zugenommen. Das geht aus einer Analyse der Navigations-Firma TomTom hervor. Demnach belegt Bremen im Ranking der deutschen Städte Platz vier.
04.06.2019, 08:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Vanessa Ranft Justus Randt

Staubedingte Verkehrsbeeinträchtigungen haben in Bremen zugenommen. Das geht aus einer Analyse des Navigationsgeräte- und Softwareherstellers Tom-Tom hervor. Demnach liegt Bremen im Ranking der deutschen Stau-Städte auf Platz vier von 25 genannten. Eine Autofahrt dauerte hier laut der Studie 2018 im Tagesdurchschnitt 30 Prozent länger als bei ungehindertem Verkehrsfluss. Sprich: Eine halbstündige Fahrt durch die Stadt verzögerte sich im Schnitt um neun Minuten. 2017 betrug die zusätzliche Reisezeit in Bremen noch 25 Prozent, also fünf Prozentpunkte weniger.

Damit liegt Bremen direkt hinter Hamburg (33 Prozent), Berlin (31 Prozent) und Nürnberg (30 Prozent). Der Anstieg um fünf Prozentpunkte ist bundesweit sogar der höchste Wert. Der aktuelle Tom-Tom-Index umfasst 403 Städte in 56 Ländern auf sechs Kontinenten. Weltweit landet Bremen auf Platz 106, im Jahr zuvor war es noch 157. Weltweiter Spitzenreiter ist die indische Metropole Mumbai, wo eine Fahrt im Durchschnitt 65 Prozent länger dauerte.

Vor allem im Feierabendverkehr gab es Stau

Negative Spitze in Europa ist Russlands Kapitale Moskau mit 56 Prozent. Die Daten basieren auf GPS-Messungen aus der Verkehrsdatenbank der Navigationsfirma. Allein für Bremen wurden die 2018er Daten von 80 197 108 gefahrenen Kilometern ausgewertet. Davon rund 58 Millionen Kilometer, die auf Autobahnen zurückgelegt wurden.

Insbesondere im Feierabendverkehr standen Bremer in 2018 im Stau. Hier verloren sie durch Verkehrsbehinderungen im Schnitt 18 Minuten bei einer halbstündigen Fahrt. Zur Stoßzeit am Morgen brauchten sie durchschnittlich zwölf Minuten länger auf gleicher Strecke. Als Spitzenwert verlängerte sich die Fahrzeit freitags gegen 15 Uhr um 70 Prozent. Abseits von Autobahnen lag die zusätzlich benötigte Fahrzeit im Vergleich der Jahre 2017 und 2018 gleichbleibend bei 31 Prozent, bei Autobahnfahrten erhöhte sich der Wert allerdings von 20 auf 29 Prozent.

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Dies kann als Hinweis auf den Einfluss gelten, den die vielen Autobahnbaustellen – die zum Teil noch immer bestehen – auf die gemessene Fahrzeit hatten: Betroffen waren die Autobahnen 1 und 27, aber auch die Bundesstraße 75. Der staureichste Tag in Bremen war 2018 der 9. Mai, Mittwoch vor Christi Himmelfahrt – zu Beginn eines leicht verlängerbaren Wochenendes.

Durchschnittlich waren Autofahrer an diesem Tag 65 Prozent länger unterwegs, als es für ihre gefahrene Strecke üblich ist – auf dem Alltagsniveau der 18,4-Millionen-Einwohner-Stadt Mumbai. Bei einer Fahrt, die an normalen Tagen ohne Beeinträchtigungen eine halbe Stunde dauert, brauchten Fahrer in Bremen knapp 50 Minuten. Das lag am Feiertagsverkehr, der auf zahlreiche Langzeitbaustellen traf. Am ersten Januar dagegen floss der Verkehr im Bremer Stadtgebiet am besten.

Die Ursachen sind vielfältig

Die Stau-Studie nimmt auch Bezug auf Mietpreissteigerungen in den Städten: „Die Trennung von Wohnort und Arbeitsstätte spielt dabei eine wichtige Rolle.“ Demnach sind Städte in Deutschland mit besonders hohen Mietpreissteigerungen auch überdurchschnittlich von staubedingten Verkehrsproblemen betroffen. Der „Tom-Tom Traffic Index“ ergab für diese Städte, zu denen Hamburg, Berlin, Stuttgart, München und Frankfurt am Main zählen, „ein erkennbares Pendlerverhalten mit ausgeprägten Spitzen im Verkehrsaufkommen am Morgen und am Abend sowie Schwerpunkten auf Ein- und Ausfallstraßen“.

Die Ursachen für eine wachsende Verkehrsbelastung vieler deutscher Städte seien vielfältig, erklärte Tom-Tom seine Ergebnisse. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Stadtplaner auf das Auto als wichtigstes Fortbewegungsmittel gesetzt. „Heute zeigt sich dieses Erbe unter anderem an mehrspurigen Stadtringen und Ringautobahnen, riesigen Kreuzungen, Schnellwegen und gigantischen Parkflächen für Autos.“

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In Deutschland gehörten die meisten Innenstädte auch heute noch überwiegend den Autos. Das Straßennetz sei nicht für eine so hohe Zahl obendrein immer größer werdender Fahrzeugen konzipiert worden. Auch deswegen stoße der Verkehr vielerorts an Grenzen. Die mobile Zukunft liege in autonomen, elektrisch betriebenen Fahrzeugen, die idealerweise von Fahrgemeinschaften genutzt würden – oder in flexibleren Arbeitszeiten.

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