Teilumzug der Bremer Universität

Grüne dämpfen die Erwartung der Uni

Zeitschiene und Finanzierung sind noch völlig ungewiss - für die Grünen muss zum geplanten Teilumzug der Bremer Universität in die Innenstadt zunächst eine Grundsatzentscheidung her.
04.08.2021, 19:46
Lesedauer: 3 Min
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Grüne dämpfen die Erwartung der Uni
Von Jürgen Hinrichs
Grüne dämpfen die Erwartung der Uni

So könnte der Campus auf dem ehemaligen Sparkassengelände am Bremer Brill aussehen.

SAR Schröder Architekten

Geht es nach dem Rektor, kann das Tempo gar nicht hoch genug sein. Im Mai hatte Bernd Scholz-Reiter darauf gehofft, dass es bereits in zwei Jahren soweit sein könnte – Teilumzug seiner Universität auf das ehemalige Sparkassengelände am Brill. Die Grünen-Fraktion dämpft diese Erwartung und sieht es so: eine Grundsatzentscheidung noch in dieser Legislaturperiode, also bis Mitte 2023, und dann die konkrete Bauplanung. Vorher könnte allenfalls eine Vorhut der Studierenden und Wissenschaftler vom Campus im Blockland in die Innenstadt kommen. Das war am Mittwoch Tenor einer Pressekonferenz der Grünen.

"Wir appellieren, nicht zu kurz zu springen", sagte Robert Bücking, stadtentwicklungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Es gehe bei dem geplanten Teilumzug um einen strategischen Baustein, der weit größer sei als alles, was Bremen sich bislang für die Innenstadt vorgenommen habe. Bücking sprach von bis zu 9000 Studierenden, die mitsamt des Lehrkörpers am Brill Platz nehmen könnten. Eine ähnliche Zahl hatte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) genannt. Er gilt zusammen mit der Wissenschaftsbehörde als Treiber des Projekts.

Der Grünen-Abgeordnete macht sich keine Illusionen: "Das wird uns Jahre kosten", sagte Bücking. Erforderlich sei eine enorme planerische Leistung, die bis tief in die nächste Legislaturperiode des Parlaments hineinreichen werde. Auch finanziell gehe es um einen Kraftakt mit "gespenstischen" Dimensionen. 

Bislang wird grob mit mindestens 80 Millionen Euro spekuliert, die benötigt werden, um der Universität eine angemessene Unterbringung zu garantieren. Das alte Sparkassenareal ist gespickt mit Gebäuden, die eigentlich abgerissen werden müssten. "Energetisch unterirdisch", meint Bücking, "die Schapiras haben auf Abbruch gekauft."

Samuel und Pinchas Schapira, zwei Brüder aus Israel, sind die Investoren. In ihren Händen liegt die Entscheidung, was mit der Fläche und den Häusern darauf passiert. Sicher ist nur, dass die denkmalgeschützte Kassenhalle erhalten bleibt. Alles andere wollten die Schapiras eigentlich verschwinden lassen, um neu zu bauen. Das scheiterte aber an den Verhandlungen mit der Stadt. Nun wird in einem Bestand geplant, dem niemand so recht etwas zutraut.

Die Stadt hatte anfangs einen Mietvertrag über 30 Jahre und einen monatlichen Zins von zehn Euro für den Quadratmeter angeboten, sollte sie die Sanierungskosten allein übernehmen. Das wäre nach Bückings Meinung aber ein "aberwitziges" Risiko gewesen, denn keiner wisse, was für das Projekt tatsächlich an Geld fällig werde. Für ihn stehe deshalb fest, dass der Eigentümer des Geländes in irgendeiner Weise an der Finanzierung beteiligt werden müsse. Bücking wirbt dafür, clever zu verhandeln, "wir sind in einer vergleichsweise guten Position, weil es in der Innenstadt für die Uni weitere Optionen gibt". Beispiele seien Immobilien der Nord/LB, das C&A-Gebäude oder der Komplex Kaufhof, Parkhaus Mitte und Karstadt.

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"Das ist eine einmalige Chance, weil neben dem Gelände am Brill weitere Flächen zur Verfügung stehen", ergänzte Solveig Eschen, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Für sie sei entscheidend, den Blick zu weiten und auf den Bedarf der Universität zu schauen, also nicht nur darauf, was die Interessen der Investoren sind und was Bremen plant, um die City zu beleben. "Das gesamte Vorhaben darf kein Selbstzweck sein und wäre grundsätzlich missverstanden, wenn es auf die Rolle eines ökonomisch bedeutsamen Frequenzbringers reduziert würde", heißt es in einer Mitteilung der Grünen.

Eschen wünscht sich eine stärkere Vernetzung der Universität mit dem Leben in der Stadt. Der Standort im Blockland sei ein eigener Kosmos. In der City könne besser mit den anderen Hochschulen kooperiert werden. "Ich stelle mir das zum Beispiel mit den Fachbereichen Medien, Kultur und Wirtschaft vor", so die Abgeordnete. Von der Universität gab es am Mittwoch Zustimmung: "Wir begrüßen grundsätzlich weiterhin diese Idee", sagte Uni-Sprecherin Meike Mossig.

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