Bremer Weihnachtsmarkt Der letzte Glühwein vor dem Fest

Rund drei Millionen Besucher sind auch in diesem Jahr zu Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber gekommen, viele von ihnen aus dem Ausland. Schausteller und Polizei ziehen eine positive Bilanz.
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Von Nina Willborn und Elke Hoesmann

Leise rieselt der – nein, leider rieselte er nicht, der Schnee. Schneeflocken hätten die meisten der Innenstadtbesucher am Sonnabend wesentlich lieber gesehen als die vielen Tropfen, die auf sie herabregneten beim Bummel über den Weihnachtsmarkt oder beim Last-Minute-Geschenke-Kauf. Und so war Bremen nachmittags zwischen Brill und Dom zwar gut gefüllt, aber doch leerer, als es hätte sein können zum Finale der Einkaufszeit vor den Feiertagen.

Am heutigen Sonntag zwischen elf und 20.30 Uhr gibt's die letzte Chance in diesem Jahr, dem neuerdings beliebtesten Weihnachtsmarkt Deutschlands – diesen Titel hatte das Internetportal „Testberichte“ dem Bremer Budenzauber kürzlich verliehen – einen Besuch abzustatten. Danach werden die Stände und Buden abgebaut, das gilt ebenso für den Schlachtezauber mit seinem Mittelalterdorf. Auch Anja Fürst wird dann die Urkunde an der Tür ihres Öl- und Essig-Häuschens abnehmen, die es als schönsten der knapp 180 Stände mit Kunsthandwerk ausweist. „Ich habe so viele Glückwünsche bekommen, das war Wahnsinn“, sagt sie. „Viele Leute sind auch extra wegen der Auszeichnung zu meinem Stand gekommen.“ Im nächsten Jahr will sie auf jeden Fall wieder dabei sein.

Wenig Straftaten, viele Besucher

Auch die Bremer Polizei und Wolfgang Ahrens ziehen ein positives Fazit. Insgesamt haben Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber voraussichtlich wieder um die drei Millionen Besucher gehabt, schätzt der Geschäftsführer des Schausteller-Verbandes. Viele von ihnen kommen aus den Niederlanden und Großbritannien, Ahrens sind diesmal auch besonders viele Besucher aus Skandinavien aufgefallen. „Es war außerordentlich friedlich“, sagt eine Polizeisprecherin, „es gab abgesehen von den üblichen Taschendiebstählen keine nennenswerten Straftaten.“ Nach dem Anschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt waren die Beamten in Bremen präventiv mit mehr Kollegen vor Ort, allerdings habe laut Polizei zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Gefährdungslage vorgelegen.

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Wer auch nach den Feiertagen noch Weihnachtsmarkt-Atmosphäre sucht, findet sie zum Beispiel vor dem Hauptbahnhof. Dort halten einige Schausteller ihre Büdchen länger offen, der Weihnachtsmarkt in der Lloyd-Passage bleibt bis zum 29. Dezember, auch die Glühwein-Fässchen im Viertel schenken noch einige Tage aus. Das Winterdorf am Schlachthof hat sogar bis Mitte Januar geöffnet. Auch den „großen“ Weihnachtsmarkt sähen manche gerne über das Fest hinaus ausgedehnt. Es wird aber dabei bleiben, dass spätestens am 23. Dezember Schluss ist. „Der Schaustellerverband hat kein Interesse an einer Verlängerung des Weihnachtsmarkts“, sagt Ahrens. Ein Grund sei, dass die Standbetreiber in dieser Frage nicht einig seien.

"Wir sind insgesamt zufrieden, aber es hätte noch besser sein können"

Ziemlich einig dagegen sind die Händler der Innenstadt, was ihre Bewertung des Weihnachtsgeschäfts angeht: geht so. Traditionell sind die Tage vor Weihnachten die im Jahr, an denen sie den höchsten Umsatz erzielen. Der Handelsverband Nordwest erwartet für Bremen 773 Millionen Euro – das ist zwar viel Geld, aber weniger als angepeilt. „Wir sind insgesamt zufrieden, aber es hätte noch besser sein können“, sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Hans-Joachim Rambow.

Das sieht auch Inna Pulin so, Filialleiterin im Kosmetik-Shop L’Occitane en Provence. „Es läuft mäßig, viele Leute sind wegen des Regens wohl zu Hause geblieben.“ Auch in der Buchhandlung Storm hätten sie sich insgesamt, aber auch an diesem Sonnabend, mehr Kunden gewünscht. „Das Weihnachtsgeschäft war nicht so gut, wie wir uns das erhofft hatten“, sagt Buchhändlerin Anne Matern. „Entweder hat sich das Einkaufsverhalten tatsächlich verändert, oder die Bremer sind einfach nicht in Weihnachtsstimmung.“

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Das trifft zumindest auf Frank Rathjen und Birgit Twarock nicht zu. Entspannt lächelnd ließen die beiden den Strom der mit Tüten und Taschen beladenen Menschen in der Lloydpassage an sich vorbeiziehen. „Ich mache das traditionell so, dass ich ein oder zwei Tage vor Weihnachten in die Innenstadt fahre, einfach, um mir den ganzen Trubel und die gestressten Leute anzugucken“, sagt Rathjen. „Ich habe alle Besorgungen so früh erledigt, dass ich jetzt keinen Druck mehr habe.“

Und noch etwas gehört für den Bremer unbedingt zur Vorweihnachtszeit: Ein Ausflug zu einem Weihnachtsmarkt, der nicht in Bremen ist, des besseren Vergleiches wegen. „Dieses Jahr war ich in Lübeck. Den Weihnachtsmarkt dort finde ich vielleicht noch einen Tick schöner. Aber das kann auch daran liegen, dass dort für mich alles neu war, während ich den Weihnachtsmarkt in Bremen ja gewohnt bin“, sagt er.

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