Kommentar über das Alte Sportamt Die Negation des Staates

Seit mehr als zwei Jahren halten linke Aktivisten das Alte Sportamt in Bremen besetzt. Jetzt sollen sie einen Vertrag erhalten. Warum das eine zwiespältige Entwicklung ist, schreibt Moritz Döbler.
20.09.2017, 07:05
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Die Negation des Staates
Von Moritz Döbler

Das Alte Sportamt, einen Steinwurf vom Weserstadion entfernt, wäre eigentlich kaum der Rede wert. Ziemlich bunt und trotzdem eher unscheinbar präsentiert es sich von außen. Doch als Zentrum der linken Szene hat es Bedeutung für Bremen und die ganze Region. Seit gut zwei Jahren ist das Gebäude besetzt, zu den angedrohten Zwangsräumungen kam es aber nie – und nun soll mit den Besetzern ein Vertrag geschlossen werden.

Deren Selbstdarstellung im Internet liest sich harmlos. Ein „selbstorganisierter und unkommerzieller Raum“ solle das Alte Sportamt sein, der „frei ist von aggressiven Leistungserwartungen, sexistischem Rollenverhalten, Rassismus, Homo-/Transphobie und Antisemitismus“. Ein Solikonto „für Gerichts- und Repressionskosten“ im Namen der Roten Hilfe Bremen lässt etwas tiefer blicken. Es liegt nahe anzunehmen, dass die gewalttätigen G 20-Proteste von Peterswerder aus unterstützt wurden. Ansprechpartner gibt es nicht – die Aktivisten handeln stets im Kollektiv und anonym.

Lesen Sie auch

Bestärkt von ihrer Partei möchte Finanzsenatorin Karoline Linnert diesen Zustand festschreiben. Kai Wargalla, die Grünen-Landeschefin und Abgeordnete, die in der außerparlamentarischen linken Szene aktiv ist, hat den Vertrag angebahnt.

Es gibt Beispiele für diese Strategie der Einbindung, etwa die Hafenstraße und die Rote Flora in Hamburg. Dort hat sich gezeigt, was sich hier andeutet: Wer einen Vertrag mit Hausbesetzern schließt, schafft zwar einen neuen rechtlichen Status. Aber die Probleme enden damit nicht von selbst. Denn offensichtlich sehen die Bremer Aktivisten das Alte Sportamt auch künftig als einen Ort, an dem ihre eigenen Gesetze gelten. Wenn aber der Staat rechtsfreie Räume zulässt, negiert er sich selbst. Das sollte er nicht tun, auch in Bremen nicht.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+