Altes Sportamt in Bremen Vom Behördendomizil zum Punkquartier

Bis 2006 nutze die Behörde das Alte Sportamt auf dem Peterswerder: Nach dem Umzug stand das Gebäude lange leer. Es folgten eine Zwischennutzung, die Besetzung und viele Gespräche. Eine Chronologie.
19.09.2017, 21:50
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Vom Behördendomizil zum Punkquartier
Von Pascal Faltermann

Mehr als 30 Jahre hatte das Bremer Sportamt seinen Sitz in der Pauliner Marsch. Behördenmitarbeiter statt Mitglieder des Vereins Klapstul saßen in der Immobilie an der Weser. Dort, wo es nach gut zweieinhalb Jahren Besetzung und langen Diskussionen nach einer Einigung und einem Leihvertrag zur Nutzung des Gebäudes aussieht, boten früher Beamte ihre „sportlichen“ Dienstleistungen für Bremer Bürger an.

Bis zum Jahr 2006 steuerte die Behörde vom Peterswerder aus die Zusammenarbeit mit den Sportverbänden und -vereinen, koordinierte die Förderung des Bremer Sports und den Betrieb der städtischen Spielflächen. Dann verlegte das Amt seinen Sitz aus der Nachbarschaft des Weserstadions in das Gebäude beim Senator für Inneres und Sport an der Contrescarpe 22/24.

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Nach dem Umzug hatte Werder Bremen ein Auge auf das bisherige Behörden-Domizil geworfen. Der Fußballverein konnte sich vorstellen, die Immobilie zu nutzen, das bestätigte der damalige Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer im April 2006 gegenüber dem WESER-KURIER. Die Idee: Das in der Ostkurve des Weserstadions untergebrachte Jugendinternat sollte um das ehemalige Amtsgebäude erweitert werden.

Während des Stadionumbaus 2008 wurde das Gebäude kurzzeitig mal als Planungsbüro genutzt. Ansonsten blieben die Räume des mittlerweile mehr als 40 Jahre alten Bürogebäudes aber seit dem Auszug leer. Erst 2011 stellten die Verantwortlichen der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) ein Konzept für eine Zwischennutzung vor, dass sie zusammen mit Bremer Kulturschaffenden erarbeitet hatten. Das Gebäude wurde vom städtischen Liegenschaftsverwalter Immobilien Bremen verwaltet und bis Ende Oktober 2011 zur vorübergehenden Nutzung angeboten.

Vertragspartner der Stadt war der Verein zur Förderung unkommerzieller Kunst und Kultur „Klapstul – Ist das Kunst oder kann das weg?“, der sich aus diesem Grund gegründet hatte. Der Verein nutzte das Alte Sportamt für Konzerte, Kulturveranstaltungen oder einen Umsonstladen während der Sommermonate.

Revolte der Linksalternativen

Im April 2015 folgte die Revolte: Weil die Linksalternativen das Alte Sportamt nicht mehr weiter benutzen durften, besetzten rund 100 Personen das Gebäude, tauschten Schlösser aus und drängten auf eine politische Lösung zur dauerhaften Nutzung. Immer wieder gab es Diskussionen und Verhandlungen zwischen der Stadt und den Besetzern. Doch eine Lösung zeichnete sich nicht ab. Stattdessen wurde die Besetzung mehr oder weniger geduldet. Immer wieder kursierte auch das Gerücht, dass Werder Bremen Interesse an der Immobilie habe und dies für ein Sportgerätelager verwenden wolle.

Im Juni 2016 drohte die Situation zu eskalieren. Die Besetzer sollten das Gebäude bis zum 31. Juli verlassen. In einem Schreiben der Anwaltskanzlei Castringius, die von der zuständigen Finanzsenatorin Karoline Linnert beauftragt worden war, wurde den jungen Leuten aus dem linksalternativen Spektrum die Nutzung der Immobilie untersagt. Ab August drohte eine Räumungsklage. Zahlreiche Vereine wie Kulturzentrum Schlachthof, Kulturzentrum Lagerhaus, Schwankhalle oder das Zuckerwerk solidarisierten sich daraufhin mit den Besetzern. In vielen Stadtteilen Bremens hingen Aufkleber und Plakate.

In den Wintermonaten wurde es ruhiger um das Alte Sportamt, worauf im April 2016 bekannt wurde, dass es erneut Gespräche zwischen den verschiedenen Parteien gibt. Treibende Kraft waren die Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla (Grüne) und einige Parteikollegen, die den Kontakt zu den Besetzern suchten. Beide Seiten signalisierten Kompromissbereitschaft und ein fast vergessener Leihvertrag wurde überarbeitet. Den Sommer 2017 über gab es Punkkonzerte und Programm im Alten Sportamt und Ende August lag dann auch der Vertrag vor, den die Besetzer veröffentlicht hatten.

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