Exzellenzuniversität Ein bitterer Tag für Bremen

Bremen kann den Titel der Exzellenz-Universität nicht halten. Der Uni-Rektor glaubte zuerst an ein Versehen, als er die Nachricht erfuhr, Bremer Politiker äußern sich zum Teil geschockt.
29.09.2017, 20:39
Lesedauer: 3 Min
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Ein bitterer Tag für Bremen
Von Sara Sundermann

Bernd Scholz-Reiter konnte es am Freitagvormittag nicht fassen, als er die Nachricht erfuhr: „Ich habe gedacht, das ist ein Druckfehler, der da passiert ist. Aber dann wurde mir klar, dass so ein Fehler bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft wohl nicht passiert.“

So schilderte ein sichtlich betrübter Uni-Rektor seine Reaktion darauf, dass die Uni Bremen keine Chance mehr hat, ab 2019 den Titel und die Förderung als Exzellenzuniversität zu behalten. Der Grund: Nur ein Bremer Forschungsbereich hat es in die Endrunde geschafft und könnte weiter gefördert werden. Um den Titel als Exzellenzuni zu verteidigen, bräuchte die Uni aber zwei geförderte Forschungsbereiche.

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Der Uni-Rektor hatte nach eigenen Worten damit gerechnet, dass es mindestens drei von fünf Bremer Anträgen in die nächste Runde schaffen: „Wenn die Welt schlecht ist, und alle sind gegen uns, dann vielleicht auch nur zwei – aber mit nur einem Antrag, der weiterkommt, hätte ich nicht gerechnet.“

Allein in den Materialwissenschaften, mit denen Bremen sich ebenfalls beworben hatte, lehren drei Leibniz-Preisträger, darauf verwies der Rektor: „Es gibt hier drei Sonderforschungsbereiche und zwei Graduiertenkollegs – mehr als hier geht in den Materialwissenschaften eigentlich nirgends in Deutschland.“ Dennoch schaffte es auch dieser Bereich nicht in die nächste Runde.

Mit fünf Anträgen ins Rennen gegangen

Hätte Bremen möglicherweise auf eine gemeinsame Bewerbung mit benachbarten Universitätsstandorten wie Hamburg oder Oldenburg setzen müssen? Viele der Unis, die nun in die zweite Runde kamen, hatten sich im Verbund beworben. „Wir haben Gespräche mit den benachbarten Universitäten geführt, aber wir haben kein Forschungsgebiet gefunden, für das eine gemeinsame Bewerbung Sinn gemacht hätte. Wir sind überzeugt, dass wir es nicht besser hätten machen können“, sagte der Rektor.

Die Bremer Uni war mit fünf Anträgen ins Rennen gegangen: Sie bewarb sich mit Forschungsclustern aus den Meeres-, Umwelt-, Sozial- und Materialwissenschaften sowie aus der Informatik. Die Meereswissenschaften werden auch derzeit durch die Exzellenzinitiative gefördert.

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Dieses Förderprogramm läuft aber nun aus und wird durch ein neues Programm mit anderen Regeln abgelöst: Auf die Exzellenzinitiative folgt die Exzellenzstrategie. Und dabei ist Bremen nun als Spitzenstandort schon in der ersten Runde ausgeschieden: „Es besteht keine Chance auf einen direkten Anschluss der Förderung durch ein solches Bund-Länder-Programm ab 2020“, stellte Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) klar.

„Wir sind heute traurig, aber wir werden uns schütteln und dann daran arbeiten, die Stärken der Universität weiter zu stärken.“ Betroffen reagierten auch Vertreter verschiedener Parteien in Bremen: „Ich bin geschockt“, sagte CDU-Wissenschaftspolitikerin Susanne Grobien: „Wir hatten in Bremen bislang die einzige Exzellenzuniversität im Norden, und jetzt hat sich Hamburg mit gleich vier Anträgen durchgesetzt und Bremen nur mit einem.“

"Jetzt ist ein Plan B gefragt"

Der Senat müsse nun zusammen mit der Universität schnellstmöglich ein Konzept vorlegen, wie Bremer Spitzenforschung aus eigener Anstrengung abgesichert werden solle, forderte Grobien. Bremer Wissenschaftler hätten Großartiges geleistet, sagte die CDU-Politikerin. Dennoch verwundere es sie, wie Bremen plötzlich von Städten wie Hamburg, Hannover und Göttingen so massiv überholt werden konnte.

Als Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses will sie diese Frage in der nächsten Sitzung des Gremiums zum Thema machen. „Jetzt ist ein Plan B gefragt, um die wegbleibenden Fördermittel zu kompensieren“, kommentierte Magnus Buhlert, stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender.

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Es gelte nun, die Uni so auszustatten, dass sie in der nächsten Runde des Exzellenzprogramms wieder oben mitspielen könne. „Ich fordere die Wissenschaftssenatorin auf, schnell tätig zu werden und bleibenden Schaden für die Universität abzuwenden.“ Es sei eine gute Nachricht, dass sich die Meereswissenschaften erneut durchsetzen konnten, sagte Arno Gottschalk, Wissenschaftssprecher der SPD-Fraktion.

„Doch dass dies nicht auch in einem zweiten Cluster gelang, ist ein herber Schlag.“ Gottschalk ist sicher: „Die Universität hat im Rahmen der Exzellenzinitiative ihr Bestes gegeben. Aber wir müssen auch feststellen: Die Konkurrenz schläft nicht und konnte sich dieses Mal offenbar erfolgreicher durchsetzen.“

Bremen müsse nun alles tun, um die Uni dabei zu unterstützen, dass zumindest die Meereswissenschaften weiter gefördert würden. „Der Verlust des Exzellenz-Status ist bitter für die beteiligten Wissenschaftler, die Uni und Bremen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Henrike Müller. Die Exzellenz-Uni habe Bremen gut getan und Studierende und Spitzenwissenschaftler angelockt.

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