Restaurantbesprechung

Ein lauer Sommerabend mit Höhen und Tiefen

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mauserte sich die Küche im Landgut Horn stetig, um beim Dessert noch einmal alles zu geben.
25.04.2018, 21:34
Lesedauer: 3 Min
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Ein lauer Sommerabend mit Höhen und Tiefen
Von Marcel Auermann
Ein lauer Sommerabend mit Höhen und Tiefen

Astrid Roolfs präsentiert die Genüsse im Restaurant des Landguts Horn.

Frank Thomas Koch

Bevor am Abend ein Gewitter aufzog, ließen es die Temperaturen an diesem Abend zu, dass wir den reservierten Tisch im Innern des Landguts Horn gegen ein luftigeres Plätzchen auf der Terrasse tauschten. Der Service gewährte uns diesen Wunsch sofort. Mit einem Merlot vom Pfälzer Landgut Herrenberg-Lergenmüller in der Hand genossen wir den Blick auf den großzügig angelegten Garten und vergaßen darüber den üppigen Preis von 8,30 Euro für das 0,25-Liter-Glas.

Das fruchtige Bouquet, der voluminöse Geschmack und die dezente Würze im Abgang stimmten uns zudem milde und überraschten uns zugleich. Ein so vollmundiger Merlot aus deutschen Gefilden. Nicht schlecht! Die Entscheidung, den südafrikanischen Shiraz einmal links liegen zu lassen, erwies sich als gut.

Trockene Appetizer

Unsere Laune hatte sich allerdings noch nicht dieser Beschwingtheit angenähert, dass es uns egal erschien, dass als Appetizer ausgetrocknete und bereits stellenweise hart gewordene Brotscheiben kamen, zu der die Küche einen Kräuterquark reichte, der noch eine gute Portion Salz und Pfeffer aus den Mühlen auf dem Tisch vertrug. Umso mehr freuten wir uns auf die Vorspeisen.

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Die gebratene Lachsforelle (12,50 Euro) hätte aber durchaus glasiger sein dürfen und ich hätte sie gerne mit dem passenden Besteck gegessen. Dass der Fisch zu lange in der Hitze verbrachte, zeigten die ausgetrockneten Ingwerstückchen, die darauf lagen. Der darüber gestreute Mohn sah interessant aus, hob den Geschmack aber leider nicht auf die nächste Ebene.

Überhaupt überlagerte das Salatbett alles, weil die Gurken zu viel Wasser zogen – und das sicher nicht erst auf dem Weg zum Gast –, weshalb die Lachsforelle fast in einer Suppe schwamm. Zum Mango-Tomatensalat (10,50 Euro) stellte sich meine Begleitung ein bedeutend fruchtigeres Dressing vor und die laut Karte versprochenen Datteln suchten wir beide vergeblich. Dafür sparte der Koch nicht am Schafskäse, der allerdings recht geschmacksarm über die Zunge glitt.

Bemüht und freundlich

Die lukullischen Genüsse lenkten uns also nicht so sehr ab. Wir konnten genau beobachten, was sonst noch so auf der Terrasse passierte. Dabei bemerkten wir, dass die Kellnerinnen sehr bemüht und freundlich waren. Aber dennoch agierten sie hin und wieder verpeilt, brachten Gerichte an Tische, die dort nicht hingehörten und merkten sich nicht, wer was bestellt hatte.

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Der Burger vom U.S. Bison (26,50 Euro) meiner Begleitung und meine Rinderfiletscheiben (25,50 Euro) trug die Dame erst einmal an den Nebentisch, bevor sie wieder von dannen zog und sie dann ihre Kollegin darauf aufmerksam machte, die Teller doch bei uns abzustellen. Und das Warten lohnte sich. Der üppige Burger mit Speck, Avocado, Cheddarkäse, grünem Spargel, leichter Chilimayonnaise und Süßkartoffelpommes schmeckte toll.

Die einzelnen Komponenten waren gut aufeinander abgestimmt. Das Fleisch tat sich durch seine nussige Note hervor. Die Rinderfiletscheiben mit Wasabisauce besaßen eine schöne Würze, wobei das Pakchoigemüse etwas zu salzig war und ich mir das Pilz-Kartoffelgratin eleganter angerichtet gewünscht hätte. Zumal für diese Preise. Dieser beschwingte Sommerabend bestand also aus einigen Aufs und Abs, ehe zum Ende noch einmal ein Höhepunkt folgte.

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Die Dessertvariationen (9,50 Euro) meiner Begleitung stellten sich als perfekte Wahl heraus, weil von allem etwas auf dem langen, rechteckigen Teller lag: Eine herrlich pfiffige Chai-Tea-Panna-Cotta, die im Abgang eine angenehme Schärfe hinterließ, ein zart schmelzendes Mousse au Chocolat, Eis, Früchte und Apfelkompott. Als geniale und neuartige Idee empfand ich meinen gerösteten Honigkuchen, der überhaupt nicht trocken und dennoch knusprig war. Daneben lagen zwei Kugeln Sahnekaramelleis, die luftig-leicht auf der Zunge zergingen.

Fazit: Nach anfänglichen Schwierigkeiten und – ja, doch – Enttäuschungen mauserte sich das Angebot auf den Tellern von Gang zu Gang, um beim Dessert noch einmal alles zu geben. Wenn nun noch etwas konzentrierter am Gast gearbeitet wird und die Küche eine Schippe drauflegt, lassen sich im Landgut Horn viele angenehme Sommerabende nur wenige Minuten außerhalb der Stadt verbringen.

Weitere Informationen

Hotel Landgut Horn, Leher Heerstraße 140, 28357 Bremen, Telefon (0421) 2589 666, teilweise barrierefrei, Öffnungszeiten von 12 bis 14.30 Uhr und von 18 bis 22.30 Uhr, Internet: www.landgut-horn.de

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