Bremer Klinikverbund Geno baut Personal ab

Erst im Juni soll endgültig über strategische Weichenstellungen beim kommunalen Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord entschieden werden. Ein Zukunftskonzept ist in Arbeit.
04.05.2018, 20:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Geno baut Personal ab
Von Jürgen Theiner

Wie geht es weiter mit den städtischen Krankenhäusern, wie sollen sich die vier Häuser in Nord, Ost, Mitte und Links der Weser zukunftsfähig aufstellen? Auf diese Frage hat die außerordentliche Aufsichtsratssitzung des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) am Freitag noch keine endgültigen Antworten geliefert. Wie berichtet, lagen dem Gremium zwei Papiere vor: ein längerfristiges Konzept mit dem Horizont 2025 und ein Ad-hoc-Programm, das noch dieses Jahr erste Verbesserungen beim Unternehmensergebnis bewirken soll, damit der Klinikverbund nicht erneut ein so verheerendes Defizit einfährt wie zuletzt.

Im Anschluss an die Sitzung sagte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) dem WESER-KURIER, konkrete Beschlüsse werde es erst im Juni geben. An der Sitzung hätten auch Vertreter der Münchner Beratungsfirma WMC Healthcare teilgenommen. "Deren Botschaft war: Unsere Probleme sind lösbar", so Quante-Brandt. Auch der Bestand der vier Häuser sei von den Fachleuten nicht infrage gestellt worden.

Lesen Sie auch

Konsens bestand nach Darstellung der Senatorin darüber, dass der Geno-Verbund derzeit zu viel Personal beschäftige, gemessen an den Wachstumsraten, die im vergangenen Jahr erzielt wurden. Tatsächlich war die Geno bei ihren Planungen für 2017 von einer deutlichen Steigerung der Behandlungsfälle ausgegangen. Dementsprechend hatte sie insbesondere im ärztlichen Bereich personell aufgerüstet.

"Das war ein wesentlicher Grund für das Defizit, das wir im vergangenen Jahr erwirtschaftet haben", so Quante-Brandt. Um diese Unwucht zu beseitigen, soll nun im ärztlichen, aber auch im Verwaltungsbereich Personal abgebaut werden. "Das gilt aber ausdrücklich nicht für den pflegerischen Bereich", fügte die SPD-Politikerin hinzu.

Auf diesem Sektor hatte die Geno erst vor Kurzem eine Werbekampagne gestartet, um qualifiziertes Personal für ihre Häuser zu gewinnen. Verbesserungen strebt der Klinikverbund laut Quante-Brandt beim wirtschaftlichen Controlling sowie im Einweisungsmanagement an. "Insgesamt brauchen wir für die Geno eine straffe Führung, da ist noch Luft nach oben", mahnte die Gesundheitssenatorin.

Lesen Sie auch

Am Zukunftskonzept 2025 wird derweil noch gearbeitet. Auf Expertenebene besteht Einigkeit darüber, dass Effizienzgewinne vor allem durch die Konzentration bestimmter medizinischer Leistungen an den einzelnen Standorten des Verbundes zu erreichen wären. Schon länger im Gespräch ist beispielsweise, die Chirurgie des Klinikums Ost zu verkleinern oder ganz an den Standort Mitte zu verlagern und in Ost vor allem die Altersmedizin und die Psychiatrie zu stärken.

Das Problem ist, dass größere Veränderungen des medizinischen Angebotes einzelner Geno-Häuser in aller Regel sogleich den geharnischten Widerstand von Stadtteilpolitikern auslösen, oft unterstützt durch die Arbeitnehmervertreter der betroffenen Standorte. Gegen solche Allianzen ist die Politik schon häufig eingeknickt.

Die konkrete Ausgestaltung des Zukunftskonzepts ist zudem davon abhängig, wie viel Geld auf mittlere Sicht für Investitionen zur Verfügung steht. Gesetzlich geregelt ist eigentlich, dass die Bundesländer den Investitionsbedarf ihrer Kliniken aus Haushaltsmitteln decken. Bremen ist dieser Aufgabe in den vergangenen Jahren wegen seiner Finanzschwäche nicht mehr ausreichend nachgekommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+