Therapieberufe

Geno übernimmt Logopädie-Schule

Der Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord übernimmt die Fachschule für Logopädie Bremen von der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer. Der Verbund verhandelt noch und nennt keine Details.
20.01.2019, 20:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Elke Hoesmann
Geno übernimmt Logopädie-Schule

Logopäden befassen sich mit Störungen von Sprache und Stimme sowie mit Krankheiten der Sprech- und Stimmorgane. Für die Ausbildung sollen Schüler nicht mehr zahlen müssen. Das soll auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Jens Kalaene /dpa

Der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) übernimmt die Fachschule für Logopädie Bremen von der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer (Wisoak). Dies geschehe im gegenseitigen Einvernehmen und auf Wunsch der Schule, sagte ein Geno-Sprecher auf Anfrage. Alle Lehrer und Schüler sollen übernommen werden. Die genauen Rahmenbedingungen der Übernahme würden derzeit verhandelt, so die Geno, ein konkreter Termin stehe noch nicht fest.

Zum Hintergrund: Für die Ausbildung in den Therapieberufen Logopädie, Physio- und Ergotherapie sollen Schüler nicht mehr zahlen müssen. Das wollen alle Beteiligten erreichen, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im Gespräch ist zudem eine Ausbildungsvergütung. Anders als einige andere Bundesländer übernimmt Bremen nur knapp die Hälfte der Ausbildungskosten; der Rest soll von den Krankenkassen gestemmt werden. Die aber verweisen auf rechtliche Hürden: Eine Kostenübernahme per Krankenhausfinanzierungsgesetz sei nur möglich, wenn die Therapieschulen mehrheitlich von Kliniken getragen werden.

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Deshalb müssen die vier Fachschulen in Bremen neue Wege gehen. Sie müssen einem Krankenhaus oder Klinikverbund die Trägerschaft komplett oder zumindest mehrheitlich überlassen.

Schule in Hastedt hat ersten Schritt gemacht

Den ersten Schritt in diese Richtung hat die Logopädie-Schule in Hastedt gemacht. Logopäden befassen sich mit Störungen von Sprache und Stimme sowie mit Krankheiten der Sprech- und Stimmorgane. Die Schule existiert seit mehr als 25 Jahren, die Ausbildung ist nach eigenen Angaben dreizügig, mit jeweils rund 20 Studierenden pro Klasse. Eine Stellungnahme der Wisoak-Geschäftsführung zur geplanten Übernahme ihrer Ausbildungsstätte wurde mit Hinweis auf die Verhandlungen abgelehnt.

Bei der praktischen Ausbildung kooperiert die Logopädie-Schule bereits mit der Geno. Solche Praxiseinsätze könnten nach einer Übernahme noch besser geregelt, die Schülerzahlen gesteigert werden, sagte Geno-Sprecher Rolf Schlüter. Dem Klinikverbund gehe es eher um die „Sicherstellung und Fortführung der sehr guten Arbeit als um einen Vorteil“. Ziel der Übernahme sei, „dass die Schule unter das Krankenhausfinanzierungsgesetz fällt“. Dieses regelt, wie die Budgets für die Ausbildungsstätten zwischen Kliniken und Kassen ausgehandelt werden.

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Auch die Bremer Heimstiftung verhandelt mit der Geno über eine Mehrheitsbeteiligung an ihren Schulen für Physiotherapie und Ergotherapie. „Schweren Herzens“ habe sich die Stiftung für diesen Weg entschieden und die Lehrer überzeugt, mitzugehen, sagte Seniorvorstand Alexander Künzel. Geplant sei eine neue Firma, in der der Klinikverbund 51 Prozent halte. Finanziell würden außer den Schülern auch die Lehrer profitieren. Verhandlungsdetails stehen laut Geno noch nicht fest.

Blipht befürchtet abgehängt zu werden

Für die vierte Therapieschule im Bundesland ist jedoch keine Lösung in Sachen Schuldgeldfreiheit in Sicht: Das private Bremer Lehrinstititut für Physiotherapie (Blipht) in der Neustadt befürchtet nun, abgehängt zu werden, weil Schüler an kostenfreie Einrichtungen wechseln könnten. „Für uns ist die Situation existenzbedrohlich“, schreibt das Institut, das seit 1995 in Bremen ausbildet.

Die Schule habe mit mehreren Krankenhäusern verhandelt, um eine Trägerschaft durch eine Klinik zu erreichen, so Sprecherin Karin Rahmann. Doch die Kliniken reagierten zurückhaltend, zumal der gesetzliche Rahmen noch ungewiss sei. Für Schulgeldfreiheit hätten sich alle Privatschulen eingesetzt, betonte Rahmann in einer Presseerklärung. „Wenn sie kommt, sollte sie für alle gelten und nicht davon abhängen, ob ein Krankenhaus bereit ist, ad hoc die Trägerschaft zu übernehmen“, sagt Rahmann.

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Derzeit zahlen angehende Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten in Bremen durchschnittlich 200 bis 240 Euro Schulgeld pro Monat. Seit Oktober 2018 übernimmt Bremen einen Anteil, inzwischen liegt er laut Gesundheitsbehörde bei 47 Prozent, für dieses Jahr stehen insgesamt 620 000 Euro bereit. An der Mischfinanzierung werde festgehalten, hieß es, die Gespräche mit den Kassen liefen weiter. Eine komplette Übernahme, wie sie unter anderem die CDU verlangt, würde das Land nach diesen Angaben jährlich 1,5 Millionen Euro kosten.

Verstärkung des Ungleichgewichts in der Ausbildung

Kerstin Haupt leitet die Fachschule für Physiotherapie der Bremer Heimstiftung und erinnert daran, dass sich auch die Bundesregierung die Abschaffung des Schulgelds vorgenommen hat. Eine Bund-Länder-Kommission arbeite an einem Konzept, wie die Ausbildungsgebühren für Therapieberufe in allen Bundesländern gekippt werden könnten, auch an Privatschulen. Statt darauf zu warten, gingen die Beteiligten unterschiedliche Wege. So werde das Ungleichgewicht in der Ausbildung verstärkt, kritisiert sie: Neben Einrichtungen, die Schulgeld verlangen, gebe es einige, die kostenfrei ausbilden, aber durchaus auch Schulen, die eine Ausbildungsvergütung zahlen.

Diese Vergütung ist ein Novum, vereinbart wurde sie Ende Oktober von der Gewerkschaft Verdi, der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) und der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL). Davon profitieren Schüler in Ausbildungsstätten, die an tarifgebundene Krankenhäuser der VKA oder TdL angeschlossen sind und der Gewerkschaft angehören. Die monatliche Vergütung ist laut Verdi fast so hoch wie im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege: Demnach erhalten künftige Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten im ersten Ausbildungsjahr 965,24 Euro pro Monat.

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Die Gesundheit Nord will die Ausbildungsvergütung zahlen, wenn die Therapieschulen unter das Krankenhausfinanzierungsgesetz fallen, also die Frage der Gegenfinanzierung geklärt ist. Geno-Sprecher Schlüter erklärte, nur durch die Finanzierung der Krankenkassen könne die angestrebte Vergütung realisiert werden.

Eine weitere Bedingung, bevor Geld fließt: Es muss ein direktes Ausbildungsverhältnis mit einem tarifgebundenen Krankenhaus bestehen; ein Vertrag mit der Fachschule in Trägerschaft einer kommunalen Klinik reicht nicht. Für private oder kirchliche Krankenhäuser und für Lernende an Privatschulen gilt der Tarifabschluss ebenfalls nicht.

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