Interview mit Bremer Märkte-Chef „Wir sind das Original“

Seit drei Jahren ist Hans Peter Schneider in Bremen nicht mehr nur für die Messe zuständig, sondern kümmert sich auch um die Wochenmärkte. „Wir sind besser als die Discounter“, sagt der 60-Jährige.
07.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Wir sind das Original“
Von Jürgen Hinrichs

Herr Schneider, Sie sind für Ihre zupackende Art bekannt. Bei den Wochenmärkten hat sich, seitdem Sie zuständig sind, aber noch nicht viel getan, oder schauen wir nicht genau genug hin?

Hans Peter Schneider: Ja.

Was ja?

Ja, Sie schauen nicht genau genug hin. Wenn Sie es täten, würden Sie entdecken, dass es bereits etliche Veränderungen gegeben hat, auf den Märkten in Vegesack, Borgfeld und Findorff zum Beispiel.

Okay, mag sein, aber bei einem der Wochenmärkte springt einem das Elend doch förmlich ins Gesicht. Der Markt auf dem Domshof mitten in der Stadt ist an vielen Tagen ein Trauerspiel. Seit Jahren wird daran herumgedoktert, und auch Sie scheinen kein richtiges Rezept zu haben.

So schwarz wie Sie das Bild malen, ist es nicht. Der Markt auf dem Domshof schwankt: im Winter wenig, im Frühjahr viel, wenn die Erdbeeren und der Spargel kommen. Er gehört zu den wenigen Märkten in Deutschland, die sechs Tage in der Woche geöffnet sind. Montags und dienstags geht es schleppend los, freitags und sonnabends macht der Markt sich ordentlich. Es gibt dabei aber ein grundsätzliches Problem . . .

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. . . nämlich?

Anders als zum Beispiel in Findorff gibt es rund um den Domshof kaum Anwohner. Das macht es so schwierig. Wir müssen die Nachfrage stimulieren und können das am besten bei den Menschen in den Büros, davon gibt es in der Innenstadt ja viele.

Wie soll das gehen?

Indem wir die Firmen- und Behördenleitungen ansprechen, auch die Betriebs- und Personalräte, sie informieren und ihnen Angebote machen. Die Händler könnten ihre Ware in die Büros liefern. Oder wir locken die Kunden auf den Platz, machen Kochvorführungen, bieten Erlebnisse, die mit Genuss zu tun haben, ein bisschen Glamour. Und das zielt dann auf alle, wir müssen die Menschen zurückholen, weg von Rewe, Lidl und Aldi.

Bei so einer Konkurrenz ist das ein ambitioniertes Ziel. Die Supermärkte und Discounter haben bei Gemüse, Obst und anderer Frischware gewaltig nachgelegt.

Trotzdem glauben wir immer noch, besser zu sein. Den Rosenkohl gibt‘s bei Lidl nur einmal, auf dem Wochenmarkt bekommen sie sechs Sorten oder acht. Das ist eine ganz andere Bandbreite, da sind wir klar überlegen. Bei uns müssen Sie auch nicht gleich einen ganzen Sack Äpfel kaufen, es dürfen auch nur zwei oder drei sein. Und die Ware steckt nicht in Plastik. Kurzum: Wir sind das Original.

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Hat Corona die Situation auf den Wochenmärkten verändert?

Auf jeden Fall, das sagen uns die Händler. Es gibt eine gewisse Renaissance der Märkte. Die Menschen besinnen sich zurück, sie kochen mehr und lieben das Einkaufen unter freiem Himmel. Das hat übrigens auch eine soziale Funktion, man trifft sich, redet miteinander. Die Wochenmärkte sind wichtig für den jeweiligen Stadtteil, deswegen bin ich froh, dass wir so viele davon haben und nicht nur über Findorff und den Domshof reden. Nehmen Sie den Markt in Huchting, am Sodenmatt, der ist klein und fein und dient der Bevölkerung.

Sie haben sich in der Republik umgeschaut, eine Runde über die Wochenmärkte. Was ist Ihnen aufgefallen?

Die Märkte in Mainz und Kaiserslautern zum Beispiel, die sind sehr unterschiedlich, haben aber beide Erfolg. Märkte leben weniger von der Ästhetik, von dem, wie sie aussehen, sondern mehr vom Angebot. Ein großes Thema ist dabei die Geselligkeit. In Mainz und Kaiserslautern gibt es keinen Fleischer, der an seinem Stand nicht auch einen Stehtisch hat, damit die Leute bei ihm essen können. Ich war auch in München, auf dem Viktualienmarkt, aber wissen Sie was: Den Findorffmarkt toppt nur ganz wenig.

Weil Sie‘s sagen – der Viktualienmarkt mit seinen Pavillons: Wäre so etwas nicht auch was für den Domshof?

Ja, das kann ich mir vorstellen. Nicht so viele davon, aber ein Pavillon vielleicht, mit sechs oder sieben Händlern, um die sich die anderen Stände gruppieren. Warum nicht? Das könnte gut werden.

Das Gespräch führte Jürgen Hinrichs

Info

Zur Person

Hans Peter Schneider (60) kommt aus dem Saarland und ist seit 2001 Messe-Chef in Bremen. Vor drei Jahren bekam er als Geschäftsführer des neuen Unternehmens M3B den Großmarkt mit den Wochenmärkten und den Ratskeller dazu.

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