Unterschiedliche Angaben Hospitalisierungsinzidenz: Welcher Wert gilt nun in Bremen?

Sowohl das RKI als auch die Bremer Gesundheitsbehörde geben eine Hospitalisierungsinzidenz für Bremen an – beide Werte unterscheiden sich deutlich. Welcher Wert gilt nun für neue Maßnahmen?
19.11.2021, 12:30
Lesedauer: 2 Min
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Hospitalisierungsinzidenz: Welcher Wert gilt nun in Bremen?
Von Patrick Reichelt

Sie ist nun der zentrale Maßstab in der Pandemie: Die Hospitalisierungsinzidenz, also die Neueinweisung von Corona-Kranken in eine Klinik pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Steigt der Indikator über festgelegte Schwellenwerte, erfolgen neue Maßnahmen bis hin zu Kontaktbeschränkungen.

In Bremen lag der Wert laut der Bremer Gesundheitsbehörde am Donnerstag bei 1,94; in Bremerhaven bei 2,64. Wie kommen die Werte zustande? "Die Hospitalisierungsinzidenz umfasst in Bremen die stationären Neuaufnahmen der Bremerinnen und Bremer, die wegen Covid-19 behandelt werden müssen", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin. Doch auch Patienten aus den umliegenden Gemeinden in Niedersachsen kommen mitunter in Bremer Kliniken unter – also sind die Krankenhausaufnahmen tendenziell höher als es der Wert suggeriert. "Mit unserem Indikator können wir das Infektions- und Krankheitsgeschehen in Bremen messen. Zur Beurteilung der Lage in den Kliniken müssen andere Indikatoren herangezogen werden", sagt Fuhrmann dazu.

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Auch das Robert Koch-Institut (RKI) weist eine Hospitalisierungsinzidenz für Bremen aus, allerdings nur für das gesamte Bundesland. Dort lag der Wert am Freitag bei 4,56, wodurch nach den Beschlüssen von Bund und Länder bereits die flächendeckende 2G-Regelung in Kraft treten müsste. Das bedeutet: Nur Geimpfte und Genesene haben Zugang zu Restaurants, Sport- oder Kulturveranstaltungen. 

Das RKI berechnet die Hospitalisierungsinzidenz aber anders: "Die Zahlen des RKI nehmen auch die Neuaufnahmen derer mit auf, die mit einer Corona-Infektion aber nicht einer Covid-Erkrankung in die Kliniken kommen", sagt Fuhrmann. Wenn also etwa ein Patient wegen einer Operation ins Krankenhaus muss und positiv auf das Coronavirus getestet wird, fließt er mit in die Statistik ein –ob er Symptome hat oder nicht. 

Es gibt also mehrere Werte von verschiedenen Quellen, die unterschiedlich zustande kommen – wie schon bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Welche Zahl ist am Ende rechtlich bindend für Einschränkungen oder Lockerungen? Laut Fuhrmann wird das derzeit noch abgestimmt.

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Kritik an Hospitalisierungsinzidenz

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen übte schon im September Kritik an der Hospitalisierungsinzidenz. Aufgrund des Meldeverzugs seien die Werte nicht tagesaktuell, für das Funktionieren der Indikatoren müssten aber entsprechende Daten vorliegen. Seitdem hat sich wenig geändert, noch immer gibt es Nachmeldungen, die erst Wochen später eingehen, schreibt das Science Media Center auf Twitter.

„Von entscheidender Bedeutung bleibt die Impfquote. Je höher die Quote ist, desto unproblematischer der Verzicht auf andere Maßnahmen. Und so sollte eine Impfstrategie – angepasst auf die jetzt noch verbleibende Gruppe der Ungeimpften – wichtigster Bestandteil aller Strategien sein", so Zeeb im September.

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