Polizeipräsident Lutz Müller über die Baustellen-Attacke

"In dieser Ausprägung ist das für uns neu"

Bremen. 30 Angreifer gingen am Donnerstag auf eine Gruppe Bauarbeiter los. Matthias Lüdecke hat mit Polizeipräsident Lutz Müller über den Ermittlungsstand, die mögliche Beteiligung einer polizeibekannten Großfamilie und das weitere Vorgehen gesprochen.
10.08.2013, 05:00
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"In dieser Ausprägung ist das für uns neu"

Polizeipräsident Lutz Müller

Photo, Christina Kuhaupt

Bremen. 30 Angreifer gingen am Donnerstag auf eine Gruppe Bauarbeiter los – dabei wurde ein Messer eingesetzt. Matthias Lüdecke hat mit Polizeipräsident Lutz Müller über den Ermittlungsstand, die mögliche Beteiligung einer polizeibekannten Großfamilie und das weitere Vorgehen gesprochen.

Wie ist der aktuelle Ermittlungsstand?

Lutz Müller: Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst und bearbeiten ihn mit einem entsprechend hohen Personaleinsatz. Deswegen haben wir mittlerweile auch eine Ermittlungsgruppe gegründet. Es ist schwierig, den einzelnen Personen, die am Donnerstag beteiligt waren, konkrete Tathandlungen zuzuordnen. Das ist ein generelles Problem bei Vorfällen, an denen viele Menschen beteiligt sind. Deswegen müssen wir die weiteren Ermittlungen abwarten.

Bei der Angreifergruppe war die Rede von einem speziellen Migrationshintergrund. Um welche Gruppe handelt es sich?

Ein Teil der von uns festgestellten Personen hat einen kurdisch-libanesischen Hintergrund.

Die Großfamilie M. gehört auch zu dieser Gruppe – und soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Können Sie das bestätigen?

Wir haben in der Tat Personen aus dem erweiterten Kreis dieser Großfamilie identifiziert. Wir können derzeit aber noch nicht sagen, ob und wie sie sich an dem Vorfall beteiligt haben.

Ist ein Vorfall wie der am Donnerstag schon einmal vorgekommen?

In dieser Ausprägung ist das für uns auch neu. Größere Personenansammlungen und das Zeigen von Drohgebärden gehören regelmäßig zum Auftreten solcher Gruppierungen. Dass es dann aber zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt oder sogar Waffen eingesetzt werden, kennen wir eigentlich nur bei Milieustreitigkeiten oder innerfamiliären Konflikten.

Wie gehen Sie jetzt damit um?

Ein solches Verhalten ist für uns vollkommen inakzeptabel. Wir fahren im Umgang mit diesen Familienclans eine Null-Toleranz-Strategie und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Wenn wir als Rechtsstaat zeigen, dass wir konsequent und mit einer klaren Linie vorgehen, werden die Spielregeln auch eingehalten. Es geht uns auch darum, deutlich zu machen, dass wir das als Rechtsstaat nicht so stehen lassen können. Deswegen wenden wir uns an die relevanten Personen aus diesem Kreis und erklären ihnen, wie das weitere Vorgehen ist und welches Verhalten wir erwarten.

Es gab diesen Null-Toleranz-Ansatz ja schon gegenüber einschlägig bekannten Mitgliedern der Familie M.. Zu den Vorfällen kam es am Donnerstag trotzdem. Muss man die Strategie noch einmal überdenken?

Nein. Man muss sehr genau differenzieren. Von den circa 2700 Menschen, die zum erweiterten Kreis dieser Familie zu zählen sind, ist nur ein Teil hochkriminell. Bestimmte Personen, die wir als sogenannte Intensivtäter bezeichnen, können sich einer erhöhten Aufmerksamkeit der Polizei sicher sein. Aber das heißt nicht, dass jedes – und schon gar nicht jedes unbescholtene – Familienmitglied damit rechnen muss, unter polizeilicher Beobachtung zu stehen. Und man muss sagen: Ein Teil der Gruppe, die an den Vorfällen am Donnerstag beteiligt war, hat bisher relativ wenig Kontakt zur Polizei gehabt.

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