Badeunfall beschäftigt Sportamt Jedes Jahr ein tödlicher Unfall im Achterdieksee

Erneut ist ein Mensch im Achterdieksee ertrunken. Wie der 18-jährige Syrer im August 2015 hat es am Samstag auch ein 23-jähriger Iraner nicht geschafft, die Badeplattform in der Mitte des Sees zu erreichen.
31.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann

Erneut ist ein Mensch im Achterdieksee ertrunken. Wie der 18-jährige Syrer im August 2015 hat es am Samstag auch ein 23-jähriger Iraner nicht geschafft, die Badeplattform in der Mitte des Sees zu erreichen.

In beiden Fällen konnten Taucher nur noch ihre leblosen Körper bergen. Und auch 2014 ging ein junger Mann in dem knapp acht Hektar großen Baggersee unter: Der 24-Jährige, der dort seinen Geburtstag feierte, wollte ebenfalls zur Badeinsel schwimmen und ertrank. Nun beraten Sportamt und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bremen, ob eine Herausnahme des Pontons angebracht ist.

Mit der Plattform hätten die Badenden ein direktes Ziel vor Augen, sagte Oliver Paust, Sprecher der DRLG Bremen-Stadt. Das verleite auch unerfahrene Badegäste dazu, noch „die paar Meter weiter“ bis zum Ponton zu schwimmen. So überschätzten immer wieder ungeübte Schwimmer ihre Fähigkeiten. Hinzu komme manchmal auch der Druck von Freunden und Bekannten, die mit zum Ponton unterwegs seien. Mit Warnhinweisen würde man diese Risikogruppen nicht erreichen, glaubt Paust. Auch das Versperren der Plattform mit Ketten wäre wenig hilfreich, findet der DLRG-Sprecher. Nach seinen Angaben hat auch der Sodenmattsee in Huchting eine solche künstliche Badeinsel. Die Pontons seien auf dem Boden verankert, könnten aber jederzeit herausgenommen werden.

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Das Sportamt befasst sich derzeit mit dem Thema Badeinsel, bestätigte Bernd Schneider, Sprecher von Sozial- und Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne), am Montag. Er betonte, die Plattformen seien häufig auf Wunsch der Beiräte eingerichtet worden und bei Badegästen beliebt. Zudem gebe es in den Seen klar voneinander abgetrennte Bereiche für Schwimmer und Nichtschwimmer. Man müsse deshalb auch auf die Einsichtsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Badenden setzen.

Besonders Flüchtlinge unterschätzen eigene Schwimmfähigkeit

Die DLRG glaubt, dass besonders Flüchtlinge ihre Schwimmfähigkeiten überschätzten. „Viele kennen die Risiken in deutschen Gewässern nicht“, sagte ein Sprecher des DLRG-Bundesverbandes auf Anfrage. „Wie tief Seen oft sind, dass das Wasser dort blitzartig kalt werden kann und wie gefährlich Strudel oder Strömungen sind, das wissen sie meist nicht – woher auch?“ Baden sei ein günstiges Freizeitvergnügen in Deutschland, und daran wollten auch Flüchtlinge teilhaben, obwohl viele das Schwimmen nicht gelernt hätten. Vor allem Muslime aus dem nordafrikanischem Raum gingen in ihren Heimatländern traditionell selten ins Wasser.

Im vergangenen Jahr verloren laut DLRG bundesweit 27 Flüchtlinge in Badeseen ihr Leben. Und erst am vergangenen Sonntag sind zwei junge Syrer in der Elbe ertrunken, die in der Nähe in einer Asylbewerberunterkunft gewohnt hatten. Die Lebensretter befürchten weitere Opfer in diesem Sommer. Sie fordern deshalb mehr Aufklärungskampagen auch der Kommunen und deren Unterstützung bei Schwimmkursen für Flüchtlinge. Die DLRG habe nicht die Kapazitäten, diese Kurse flächendeckend anzubieten, sagte ein Bundessprecher.

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Für Flüchtlinge in Bremen gebe es zwar DRLG-Schwimmkurse, betonte Ressortsprecher Schneider. Allerdings habe man den Eindruck, dass die Angebote bislang nicht besonders gut angenommen würden. Auch sei in den Bremer Flüchtlingsunterkünften bereits über die Gefahren beim Baden informiert worden, das solle jetzt jedoch noch einmal geschehen. So könnten etwa Informationstafeln in zentralen Räumen mehrsprachig vor den Risiken warnen.

Die Lebensretter wollen außerdem allen deutschen Kommunen Info-Material in mehreren Sprachen per pdf zur Verfügung stellen. Auch Piktogramme seien darunter, erläuterte ein Sprecher. Doch auch damit würden längst nicht alle Flüchtlinge erreicht, gab Bernd Schneider zu bedenken. So seien in Bremen viele Geflohene inzwischen in eigene Wohnungen gezogen.

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