Keine neue Betreuungsplätze für Bremen

Kita-Investor fühlt sich abgewiesen

Bremen mangelt es an Kita-Betreuungsplätzen. Hilfsangebote privater Investoren werden von der Bildungsbehörde dennoch abgelehnt.
10.08.2016, 00:00
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Kita-Investor fühlt sich abgewiesen
Von Jürgen Theiner

Bremen mangelt es an Kita-Betreuungsplätzen. Hilfsangebote privater Investoren werden von der Bildungsbehörde dennoch abgelehnt.

Die Bildungsbehörde sieht sich erneut dem Vorwurf ausgesetzt, trotz akuter Engpässe bei Kita-Betreuungsplätzen zu zögerlich auf Hilfsangebote von Investoren und freien Trägern von Kindertagesstätten zu reagieren.

Der Immobilienunternehmer Philip Nitzsche hat nach eigener Darstellung im Januar gegenüber der Behörde seine Bereitschaft erklärt, auf städtischen Grundstücken vier bis fünf Kita-Gebäude zu errichten und gemeinsam mit der bundesweit tätigen Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH zu betreiben.

Er schätzt, dass auf diese Weise 400 bis 500 Betreuungsplätze hätten entstehen können – wenn denn das Bildungsressort des Senats auf die Offerte eingegangen wäre. Doch die Resonanz sei sehr ernüchternd gewesen. „Da kam gar nichts“, so Nitzsche.

Mehrere geeignete Standorte für Kitas

Der Geschäftsführer des Schwachhauser Projektentwicklers und Investors Rhein-Group führte nach eigenen Angaben zu Jahresbeginn drei Gespräche mit einem Vertreter des Bildungsressorts, der dort für die Immobilienplanung und -bewirtschaftung zuständig ist. Die städtischen Grundstücke, deren Bebauung dabei erörtert wurde, waren laut Nitzsche zum Teil nur eingeschränkt für Kindertagesstätten geeignet.

„Einiges in der Liste war nicht durchdacht. Da tauchte zum Beispiel ein Spielplatz auf, der zwischen zwei Wohnblocks liegt. Da hätte es sicher Widerstände gegeben“, so Nitzsche. Unterm Strich hätten sich jedoch mehrere geeignete Standorte herauskristallisiert. Für diese Flächen gab die Hamburger Regionalleitung von Fröbel in Abstimmung mit der Rhein-Group am 14. Januar eine schriftliche Interessenbekundung für den Betrieb von Kindertagesstätten ab.

Die entsprechenden Unterlagen liegen dem WESER-KURIER vor. Im Gespräch waren demnach Grundstücke unter anderem in der Nähe des Klinikums Bremen-Ost, in der Neustadt, in Hemelingen und dem künftigen Hulsberg-Quartier auf dem Gelände des Klinikums Mitte. Auch den ungefähren finanziellen Bedarf für Erstausstattung und Inneneinbauten hatte Fröbel in den Angeboten bereits beziffert. „Und was ist passiert? Nichts“, kritisiert Philip Nitzsche. Das Bildungsressort sei auf Tauchstation gegangen.

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Bis 2020 zusätzlicher Bedarf prognostiziert

In einem Fall hat sich Nitzsche vor kurzem eine ganz konkrete Absage der Behörde eingehandelt. Sie betrifft ein Grundstück an der Dobbheide in Vegesack. Dort stet seit Jahren eine ehemalige Tennishalle leer – ein städtebaulicher Missstand, der auch den Vegesacker Beirat schon mehrfach beschäftigt hat. „Wir hätten Zugriff auf das Grundstück. Deshalb boten wir der Bildungsbehörde an, dort eine Kita zu errichten“, so Nitzsche. Beim Bauamt Bremen-Nord habe er sogar eine entsprechende Bauvoranfrage eingereicht.

„Aber dann bekamen wir im Juni eine Absage der Bildungsbehörde“, bedauert der Immobilienunternehmer. Warum das Haus von Senatorin Claudia Bogedan (SPD) die Offerte ausschlug, obwohl für Vegesack bis 2020 ein zusätzlicher Bedarf von 63 Krippen- und 65 Elementarplätzen prognostiziert ist, darüber könne man nur rätseln. Möglicherweise gehe es darum, den städtischen Anbieter Kita Bremen vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen.

Eine solche Haltung könne sich Bremen angesichts der hohen Fehlzahlen bei Betreuungsplätzen jedoch nicht leisten, findet Nitzsche. Aus der Bildungsbehörde war zu dem Vorgang am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

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