Frederike Oberheim

Klimaaktivistin zu Bremer Frau des Jahres gewählt

Es gebe einige Ansätze für eine feministische Klimapolitik und durchaus gute Gründe, Klimaschutz und Feminismus zusammen zu denken, sagt Bremens Frau des Jahres 2020, Frederike Oberheim.
06.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Thomas Walbröhl
Klimaaktivistin zu Bremer Frau des Jahres gewählt

Andrea Buchelt, erste Vorsitzende des Bremer Frauenausschusses, mit der Klima-Aktivistin Frederike Oberheim, die zur Bremer Frau des Jahres gewählt wurde.

Louis Kellner

Im Foyer des Kleinen Hauses des Theaters am Goetheplatz sitzen am Donnerstagvormittag zwei durchaus verschiedene Frauen mit ähnlichen Zielen und beantworten gemeinsam Pressefragen. Da wäre Andrea Buchelt, die erste Vorsitzende des Bremer Frauenausschusses, im petrolfarbenen Mantel und – wie sie es selbst ausdrückt – „Mehlmütze“, also grauem Haar. Neben ihr sitzt Frederike „Fritzi“ Oberheim, Gesicht der Bremer Fridays-for-Future-Proteste, mit ihrer kupferfarbenen Mähne, grünem Pulli und Goldrandbrille. Die eine ist 62 Jahre alt, die andere 20. Frauen aus zwei Generationen, die nach Meinung beider enger zusammenarbeiten müssen, damit eine bessere Zukunft machbar wird.

Frederike Oberheim ist nun Bremer Frau des Jahres 2020. „Ich war schon etwas überfordert“, erzählt sie über den Moment, als sie das erfuhr. „Es war eine Mailboxnachricht und dann noch eine Mail.“ Vorbereitet sei sie allerdings schon gewesen, gibt sie zu. „Wir sehen das auch strategisch als Chance, am 8. März präsent zu sein. Das ist ein sehr wichtiger Tag.“ Mit „Wir“ meint sie ihre Mitstreiter und die Steuerungsgruppe für die Fridays-for-Future-Proteste. Sie wird die Chance nutzen, wenn sie am Sonntag im Rathaus als Bremer Frau des Jahres reden wird. Die Rede stehe noch nicht, sagt sie. Aber Argumente hat sie schon versammelt, schon länger.

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Es gebe einige Ansätze für eine feministische Klimapolitik und durchaus gute Gründe, Klimaschutz und Feminismus zusammen zu denken, sagt Oberheim, auch mit Blick auf den „globalen Süden“. Zum einen hätten Frauen oft das Nachsehen, was die Folgen des Klimawandels angehe, weil sie weniger Mittel haben, den Folgen zu entkommen und häufiger in der Landwirtschaft arbeiteten. Außerdem müsse Frauen die Teilhabe an Bildung erleichtert werden, da diese für Klimaschutz essenziell sei. Dazu gehört auch bessere Bildung in Sachen Familienplanung.

Nur so könnten Frauen auch in entsprechende Positionen kommen, in denen sie auch Entscheidungen treffen können. Sie spricht von Studien, die vorrechnen, dass man mit entsprechenden Veränderungen einiges an Kohlendioxid-äquivalenten einsparen könnte. Nicht zuletzt gebe es auch Untersuchungen, die nahelegen, „dass Frauen die nachhaltigeren Entscheidungen treffen“, sagt Oberheim. Es gehe ihr nicht nur um Frauen, aber ohne feministische Klimapolitik werde es keine bessere Zukunft geben.

Vernetzung, Bündelung und Stärkung von Bremer Frauenorganisationen

Dass die Gesellschaft erst besser werden kann, wenn Frauen ihre Potenziale voll ausschöpfen können, davon ist auch Andrea Buchelt überzeugt, die von sich sagt, dass sie schon ein Leben lang Feministin sei, sich schon lange frauenpolitisch engagiere und seit einem halben Jahr als erste Vorsitzende mehr Verantwortung im Bremer Frauenausschuss übernommen hat. Die Organisation ist der Dachverband von 38 Frauenverbänden im Land Bremen, der nach eigenen Angaben die Interessen von Frauen im Land durch Vernetzung, Bündelung und Stärkung von Bremer Frauenorganisationen vertritt. „Wir stehen für 210 Tausend Frauen“, sagt Andrea Buchelt.

Seit 1999 wird jährlich zum Internationalen Frauentag am 8. März die „Bremer Frau des Jahres“ gewählt. Dabei ging es oft darum, nachzuholen, was bei Frauen häufiger versäumt wird: langjähriges Engagement und Verdienste mit einem Festakt zu würdigen. In diesem Jahr geht es auch noch darum, für das Klimathema zu trommeln und nicht zuletzt auch, mehr Jüngere zu erreichen. Und dazu gehört Kommunikation, die in der Generation der Fridays-for-Future-Aktivistin Oberheim eben anders läuft – digitaler und schneller. „Das ist bei uns manchmal etwas altertümlich“, gibt Andrea Buchelt zu. „Es ist ein Problem, dass sich jüngere und ältere nicht erreichen.“

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Bei der Bremer Frau des Jahres will man in diesem Jahr neue Wege gehen. Die Jury ist um zwei Mitglieder aufgestockt worden, die nicht aus dem Vorstand des Frauenausschusses kommen, wie Buchelt berichtet. Jetzt sind es neun. Auch soll die Rede der Gewählten selbst mehr Gewicht erhalten. Nicht zuletzt ist die 20-jährige Oberheim nun die jüngste Bremer Frau des Jahres. Offener soll es also werden und jünger.

Und doch ist die Verbandsarbeit eine andere als die basisdemokratische Arbeit der Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future, erläutert Andrea Buchelt. „Durch die Vorstandsstruktur können wir schnell Entscheidungen treffen. Das dauert in basisdemokratischen Prozessen, in denen Frederike arbeitet, deutlich länger.“ Mit Organisationen wie Verbänden und Gewerkschaften hätten auch die Fridays-for-Future-Aktivisten Erfahrungen gemacht, berichtet Oberheim. „Wir haben in der Debatte in der Regel einen guten Überblick, da wir viele Meinungen schon gehört haben.“

Überzeugt, viel voneinander lernen zu können

Beide Frauen zeigen sich überzeugt, dass man viel voneinander lernen kann. „Wir müssen auch sehen, dass manche Themen nicht mehr relevant sind, die wir in langen Kämpfen beackert hatten“, sagt Andrea Buchelt. „Das Thema Castor-Transporte zum Beispiel.“ Oberheim berichtet, dass bei ihr im Hausflur nun auch gerade wieder ein Plakat hängt, das auf den nächsten Castor-Transport aufmerksam machen soll.

Ob sie Vorbilder habe, also Frauen, die sie beeindruckt haben, will jemand wissen. „Meine Grundschullehrerin. Auch Rosa Luxemburg ist eine große Inspiration“, sagt Oberheim, „Rosa Parks, Judith Butler, Virginia Woolf, und natürlich meine Mama.“

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Am Sonntag wird die Bremer Frau des Jahres Frederike Oberheim nun also im Rathaus sprechen. „Für mich schließt sich da der Kreis“, sagt Oberheim. „Ich habe vor einem Jahr auch schon öffentlich zum Thema Feminismus und Klimawandel reden dürfen.“

Und dann findet sie zuletzt noch ein paar kämpferische Worte, die sich eben auch an die Frauen richten – ruhig gesprochen, deutlich, auch ohne Megafon: „Kommt mit auf die Straße! Informiert euch und tragt es weiter! Die Politik kann sich nicht länger sträuben, sich zu verändern, wenn die Gesellschaft sich verändert hat!“ Ihre Nebenfrau ergänzt: „Es wird Zeit, dass wir diese SUVs und Riesenautos aus der Stadt verbannen“, sagt Andrea Buchelt, nicht minder kämpferisch.

Weitere Informationen

Am Internationalen Frauentag, Sonntag, 8. März, gibt es ab 11 Uhr in der Oberen Rathaushalle einen Festakt, bei dem auch die Bremer Frau des Jahres Frederike Oberheim reden wird. Interessierte müssen sich per Email an info@bremer-frauenausschuss.de anmelden.

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