Schauspiel, Oper und Tanz

Theater Bremen mit abwechslungsreicher Spielzeit 2019/2020

Im Musiktheater geht es Ende September mit dem „Rosenkavalier“ los, das Schauspiel startet mit einer Uraufführung: Am Freitag wurde der Spielplan des Theaters Bremen vorgesellt.
26.04.2019, 17:03
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Theater Bremen mit abwechslungsreicher Spielzeit 2019/2020
Von Iris Hetscher

Fünf Uraufführungen hat sich das Schauspiel des Theaters Bremen für die Spielzeit 2019/20 vorgenommen. Von „großen Stoffen“ und „dringlichen Themen“ sprach am Freitag bei einer Pressekonferenz zur Spielzeitvorstellung die geschäftsführende Dramaturgin der Sparte, Simone Sterr. Dazu zählt dem Vernehmen nach auch das Stück, das am 13. September im Kleinen Haus die Saison eröffnet: „Attentat oder frische Blumen für Carl Ludwig“ handelt von der Ermordung des Dramatikers August Friedrich Ferdinand von Kotzebue durch den Burschenschafter Carl Ludwig Sand vor 200 Jahren. Das Stück von Mehdi Moradpour inszeniert Pınar Karabulut, Jahrgang 1987.

Ein neues Genre konnte Simone Sterr für die zweite Uraufführung avisieren: eine „Replikantenoper“: Unter dem Titel „The End“ verhandelt Jan Eichberg Chancen und vor allem Schrecken der Künstlichen Intelligenz (Premiere: 26. September). Es inszeniert Felix Rothenhäusler, der bereits mehrfach mit dem Autor arbeitet hat. Ebenfalls neu ist ein Stück, das am 22. November auf die Bühne kommt – und von Hausautor Akın Emanuel Şipal stammt. „Mutter Vater Land“ lautet der Titel des Spiels um Migration und Identität. Regie: wiederum Rothenhäusler.

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Ebenfalls als Uraufführung gehandelt wird John von Düffels Adaption des Jugendromanklassikers „Die rote Zora und ihre Bande“ aus dem Jahr 1941. Selen Kara inszeniert den Stoff als Familienstück; Premiere ist am 24. November.

Zweimal Bertolt Brecht

Auch jenseits der Uraufführungen locken spannende Stoffe: Die leitende Regisseurin Alize Zandwijk, die laut Intendant Michael Börgerding trotz einer verführerischen Vakanz „noch ein bisschen bleiben“ werde, inszeniert am Goetheplatz ein Stück von Wajdi Mouawad, einem Kanadier libanesischer Herkunft. „Vögel“ kreist in Gestalt einer Familiengeschichte um den israelisch-palästinensischen Konflikt (Premiere: 28. September). Gleichfalls noch ein bisschen bleibt Armin Petras, der sich mit Henrik Ibsens „Schloss Rosmersholm“ befasst (Premiere: 8. November). Mit Mietwucher und Ängsten vor sozialem Abstieg beschäftigt sich Anke Stelling in dem mit dem Leipziger Buchpreis belobigten Roman „Schäfchen im Trockenen“, den Nina Mattenklotz für den Brauhauskeller adaptiert (ab 18. April 2020).

Gleich zweimal steht Bertolt Brecht auf dem Spielplan: Klaus Schumacher realisiert am Goetheplatz „Die Dreigroschenoper“ (22. Februar 2020), Alize Zandwijk kümmert sich ebenda um „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ (ab 9. April 2020). Einen weiteren Klassiker bringt der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek auf die Goetheplatz-Bühne: Tschechows „Drei Schwestern“ (Premiere: 29. Mai 2020).

In eine womöglich etwas schwülere Abteilung fällt der von Anne Sophie Domenz besorgte Liederabend „In Bed With Madonna“ (musikalische Leitung: Maartje Teussink), der erstmals am 6. Dezember im Kleinen Haus präsentiert wird. Mit Pornografie und Käuflichkeit befassen sich in „Nana bekommt keine Pocken im Pro Sex Feminismus“ Monika Gintersdorfer und Franck Edmond Yao nach Virginie Despentes (20. Februar 2020). Ebenfalls libidinös unterfüttert ist die Produktion „Die Marquise von O. ... – Faster, Pussycat! Kill! Kill!“, die Kleist und den Sexploitation-Regisseur Russ Meyer verschneidet (Premiere: 30. April 2020).

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Eine weitere seiner ausgewiesenen „Lieblingsopern“ stellte Generalmusikdirektor Yoel Gamzou als erste von acht Premieren der Musiktheatersparte vor. Am 20. September wird Frank Hilbrichs Inszenierung von „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss zum ersten Mal gezeigt, am Pult steht natürlich Gamzou, der eine „stark gekürzte Version“ ankündigte und sich freute, dass man alle Partien aus dem Ensemble besetzen konnte und nicht auf Gastsolisten zurückgreifen muss. Inhaltliche Parallelen vom „Rosenkavalier“ zu Georg Friedrich Händels Barockoper„ Alcina“ (Premiere: 10. November 2019, Regie: Michael Talke, Dirigent: Marco Comin) zog Brigitte Heusinger, leitende Musiktheaterdramaturgin. In beiden Werken gehe es um Frauen, die verzichten müssten, um verlorene Liebe und ums Altern.

Zwischen diesen beiden Premieren ist „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart platziert, für dessen Inszenierung Tatjana Gürbaca ans Theater Bremen zurückkehrt. Gürbaca, eine der gefragtesten deutschen Opernregisseurinnen, ist den Bremer Musiktheaterfreunden noch gut durch ihre bildstarke Inszenierung von Karl Amadeus Hartmanns „Simplicius Simplicissimus“ im Gedächtnis. Nun widmet sie sich im Verein mit Dirigent Hartmut Keil Mozarts Oper um den ewigen Verführer, Premiere ist am 20. Oktober.

Eine weitere tragische Figur steht im Mittelpunkt der Premiere am 1. Februar 2020, bei der ebenfalls Hartmut Keil am Pult zu erleben sein wird. Aufgeführt wird „Jakob Lenz“, zeitgenössisches Musiktheater des Komponisten Wolfgang Rihm (Text: Michael Fröhling nach der Erzählung von Georg Büchner), das sich um den Sturm-und-Drang-Dichter dreht, der langsam den Verstand verliert. Eingerichtet wird die Oper von Marco Štorman, für die Titelrolle kehrt Claudio Otelli nach Bremen zurück.

Marko Letonjas erste Bremer Oper

Verdis großes Alterswerk „Falstaff“ komplettiert das Terzett der drei unterschiedlichen, auf ihre jeweilige Art extremen Männerfiguren, die in dieser Spielzeit im Musiktheater Rollen spielen. Die Shakespeare-Figur Falstaff pfeift auf Konventionen, ist ein Störenfried in einer kleinbürgerlichen und engen Welt, die ihn mit Argwohn und seine Missgeschicke mit Schadenfreude beobachtet. Bei der „Commedia lirica“ wird zum ersten Mal der neue Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker, Marko Letonja, am Goetheplatz eine Oper dirigieren, Regie führt Paul-Georg Dittrich, Premiere ist am 15. März 2020.

Leos Janáčeks „Jenufa“ um ein mährisches Bauernmädchen und sein uneheliches Kind wiederum ist die dritte Frau im Reigen der Opernheldinnen und -helden der kommenden Saison. Die erfolgreichste Oper des tschechischen Komponisten (mit einem Text von Gabriela Preissová) wird am 9. Mai 2020 zum ersten Mal aufgeführt. Regie führt Armin Petras, die musikalische Leitung liegt erneut bei Yoel Gamzou.

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Zwei weitere Produktionen komplettieren das Angebot der Musiktheatersparte. Gute Tradition ist die Silvestergala am Theater, die nach einem Ausflug nach Italien am 31. Dezember 2018 dieses Mal „Pariser Leben“ präsentieren wird. Zu spüren sein soll das spezielle Lebensgefühl zwischen Moulin Rouge und Surrealismus, Croissants und Eiffelturm, zu hören sein werden unter anderem Ausschnitte auf Operetten sowie Chansons von Edith Piaf und Jacques Brel.

Die musikalische Leitung hat Killian Farrell, Regie führt Lennart Hantke. Die Spielzeit im Musiktheater endet mit einer „interaktiven Gabelstapler-Oper über Ordnung und Unordnung“ namens „Chaosmos“, die am 20. Juni 2020 zum ersten Mal in Bremen aufgeführt wird und zuvor, als Teil der Initiative „NOperas“ schon in Wuppertal und Halle zu sehen gewesen sein wird (wir berichteten).

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