Therapiemöglichkeiten Medizinischer Nutzen von Cannabis ist beschränkt

Cannabis als Medizin: Für die einen Unsinn, für andere eine echte Hoffnung. In welchen Fällen kann Hanf laut aktuellem Forschungsstand Beschwerden lindern?
18.02.2022, 18:49
Lesedauer: 2 Min
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Medizinischer Nutzen von Cannabis ist beschränkt
Von Katia Backhaus

Vor Kurzem hieß es, Cannabis könne bei der Corona-Abwehr helfen – eine Studie der Oregon State University in der USA habe gezeigt, der Eintritt des Virus werde durch zwei im Hanf enthaltene Säuren verhindert. Allerdings bezog sich diese Aussage lediglich auf Zellkulturen im Labor, und auch nur auf die Alpha- und Beta-Variante des Virus. Wer sich also mit Kiffen Omikron vom Leib halten will, kann sich nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen.

Überhaupt: Was ist der medizinische und therapeutische Nutzen von Cannabis? Diese Frage hat sich unter anderem der Bremer Arzneimittelexperte Gerd Glaeske gestellt. Er kritisierte Anfang 2021 anlässlich der Veröffentlichung einer Studie des Forschungszentrums Socium an der Universität Bremen, an der er mitgewirkt hatte, in vier von fünf Fällen würden Cannabis-basierte Arzneimittel außerhalb gut geprüfter und zugelassener Anwendungsgebiete verschrieben. Glaeske zufolge ist ein Nutzen vor allem in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung von Krebspatienten und bei neurologischen Leiden oder Appetitlosigkeit zu sehen.  Cannabis, erklärte er, sei schließlich kein Wundermittel.

Grundsätzlich sind es die beiden Inhaltsstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), die beim Menschen eine Reaktion auslösen: THC wirkt berauschend, entspannend und kann Brechreiz dämpfen, CBD wirkt angstlösend und kann Entzündungen hemmen. Diese Informationen gibt das Internetportal Patienten-Information.de, eine Initiative von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Hinweise auf eine beschwerdenlindernde Wirksamkeit von Cannabis, heißt es dort, gebe es bei dauerhaften Schmerzen, Muskelkrämpfen bei multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie oder ungewolltem Gewichtsverlust, etwa bei AIDS. Studien zufolge sei die Wirkung gering.

Medizinisches Cannabis kann in unterschiedlichen Varianten dargereicht werden, verarbeitet in Kapseln, Spray oder Tropfen oder unverarbeitet in Form von getrockneten Blüten. Diese müssen erhitzt werden, um eine Wirkung zu entfalten, zum Beispiel mit einem Verdampfer. 2020 wurden rund 350.000 Verordnungen für medizinisches Cannabis für gesetzlich Versicherte bewilligt, gab die Bundesapothekerkammer an. 2017, im ersten Jahr, in dem die Verschreibung erlaubt war, wurden 80.000 Verordnungen ausgestellt.

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