Koalitionsvertrag Mehr Geld für Bremer Forschung

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD könnte Bremen einen Geldsegen bescheren. Von den zusätzlichen Bundesmitteln könnte besonders der Wissenschaftsstandort profitieren.
06.03.2018, 22:42
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Mehr Geld für Bremer Forschung
Von Katharina Frohne

Die Koalitionsvereinbarungen von CDU, CSU und SPD könnten der Bremer Forschung einen Geldsegen bescheren. Etwa zwei Milliarden Euro mehr Bundesmittel als bisher sollen laut Koalitionsvertrag bis 2025 in Forschung und Entwicklung fließen. Bremen als starker Wissenschaftsstandort könnte davon besonders profitieren. Schon bislang sei Bremens Anteil mit 2,2 Prozent doppelt so hoch, wie es die übliche Finanzverteilung zwischen Bund und Ländern vorsieht, sagt Arno Gottschalk (SPD), der als stellvertretender Vorsitzender im Wissenschaftsausschuss der Bremischen Bürgerschaft sitzt. „Die Zahlen der Vergangenheit stimmen uns deshalb optimistisch.“

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Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) freut sich über den Vertrag. Er begreife die Wissenschaft als wichtiges Zukunftsthema. „Ich bin überzeugt, dass der Koalitionsvertrag den Wissenschaftsstandort Bremen stärken und die Bremer Spitzenforschung voranbringen wird.“ Viele Bereiche, die in Bremen vertreten seien, würden in dem Papier explizit angesprochen, sagt die Senatorin. Etwa die Künstliche Intelligenz, die Materialwissenschaften und die Gesundheitsforschung.

Außerdem soll die Küsten-, Polar- und Meeresforschung laut Koalitionsvertrag noch stärker gefördert werden. Unter anderem ist vorgesehen, die Forschungsflotte weiter zu erneuern und eine Deutsche Allianz für Meeresforschung zu gründen. Antje Boetius, Leiterin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts, wertet das als „klares Bekenntnis der Politik zu den Ozeanen als wichtiges Thema“. Besonders erfreulich sei die gemeinsame Unterstützung von Bund und Ländern. „Nur so können wir weltweite Meeres- und Polarforschung auf höchstem Niveau betreiben, um für alle Menschen relevante Fragen zu beantworten, etwa zu den Auswirkungen des Klimawandels.“

Auch die Künstliche Intelligenz – laut Vertrag „technologische Basis und Triebfeder der Digitalisierung“ – bewerten die Koalitionsparteien als zentrales Forschungsgebiet. Deutschland solle „zu einem weltweit führenden Standort bei der Erforschung von künstlicher Intelligenz“ werden, heißt es. Das könnte auch Bremer Einrichtungen ­zugute kommen, etwa dem Deutschen ­Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, dem Zentrum für Technomathematik oder dem Technologie-Zentrum für Informatik und Informationstechnik der Uni­versität Bremen.

Bremen braucht gemeinsame Projekte

Einen weiteren Fokus legt der Vertrag auf die Gesundheitsforschung. Für Iris Pigeot, Direktorin des Bremer Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie, ein bedeutender Schritt. Sie freut sich besonders darüber, dass noch bessere Voraussetzungen für die Kooperation verschiedener Forschungseinrichtungen geschaffen werden sollen. Gerade für den Wissenschaftsstandort Bremen sei die Zusammenarbeit wichtig, sagt Pigeot. „Bremen kann es sich nicht leisten, Einzelkämpfer zu haben.“ Um sich als Wissenschaftstandort international positionieren zu können, brauche es gemeinsame Projekte. Sie freue sich darüber, künftig noch stärker mit der Universität zusammenarbeiten zu können.

Auch die Bremer Werkstoff- und Materialwissenschaften könnten profitieren. Die „Entwicklung neuer Werkstoffe und intelligenter, programmierbarer Materialien“ solle ausgebaut werden, heißt es im Vertrag. Als besonders wichtig wird dabei die Bionik erachtet – jene noch junge Wissenschaft, die Prinzipien aus der Pflanzen- und Tierwelt technisch nachzuahmen versucht. Zugute kommen könnte das etwa dem Bremer Fraunhofer-Institut für angewandte Materialwissenschaften und dem Bionik-Innovations-Centrum der Hochschule Bremen.

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Weiterhin werden die Luft- und Raumfahrt genannt. Für den „Hightech-Standort Deutschland“ sei ihre Weiterentwicklung von zentraler Bedeutung. Auch das könnte Bremer Einrichtungen nützen, etwa dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) an der Universität Bremen. Der erhöhte Etat sei eine gute Nachricht, sagt Marc Avila, Institutsdirektor des Zarm. „Ich hoffe, dass wir so noch mehr Ideen und Forschungsprojekte umsetzen können und dass es uns gelingt, noch mehr exzellente Wissenschaftler für Bremen zu gewinnen.“

„Das Geld wird nach wie vor im Wettbewerb vergeben“

Die erhöhten Bundesmittel für die Forschung seien generell sehr positiv zu bewerten, sagt auch Andreas Breiter, Konrektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Bremen. „Alles, was wir an Mitteln mehr bekommen, ist gut.“ Auch die im Vertrag verankerte Fortführung des Pakts für Forschung und Innovation, eine Förderinitiative des Bundes, die den Einrichtungen mehr finanzielle Planungssicherheit bieten soll, sei daher zu begrüßen. Er betont aber auch: „Das Geld wird nach wie vor im Wettbewerb vergeben.“ Die Universität konkurriere mit anderen Einrichtungen um die Fördermittel des Bundes. Dabei rechne er der Uni zwar gute Chancen aus, dennoch bleibe abzuwarten, wie viel Geld am Ende tatsächlich für die verschiedenen Projekte und Einrichtungen abfalle.

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Auch für die Lehre verspricht der Koalitionsvertrag deutliche Verbesserungen. Nachdem bislang unklar war, ob der Bund über Hochschulpakt und Qualitätspakte die Unterstützung der Grundfinanzierung der Hochschulen nach 2020 weiterführen würde, heißt es nun, der Hochschulpakt werde verstetigt. Sechs Millionen Euro jährlich sollen dann zur Verfügung gestellt werden. Eine hervorragende Nachricht, sagt Thomas Hoffmeister, Konrektor für Studium und Lehre. Um der hohen Studienplatznachfrage weiterhin gerecht werden zu können, sei die Unterstützung durch den Bund „sehr, sehr wichtig“. Doch auch er fügt an: „Wie sehr die Etaterhöhung uns tatsächlich nützt, lässt sich erst beurteilen, wenn klar ist, an welche Bedingungen die Vergabe geknüpft ist.“

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