Blumenthal Museum muss Woll-Kämmerei räumen

Der Förderverein Kämmereimuseum muss sofort sein Material aus dem Sortiergebäude 43 auf dem Gelände der früheren Bremer Woll-Kämmerei räumen.
25.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Der Förderverein Kämmereimuseum muss sofort sein Material aus dem Sortiergebäude 43 auf dem Gelände der früheren Bremer Woll-Kämmerei räumen.

Das Dach des historischen Baus ist in einem so schlechten Zustand, dass es durchbrechen könnte. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hat mit einer schriftlichen Räumungsaufforderung die Mitglieder des Fördervereins „kalt erwischt“ und bei ihnen Stress verursacht.

Dennoch ist der Vorsitzende Detlef Gorn gar nicht so traurig über die Nachricht: „Jetzt ist der Druck da, dass die Stadt das Gebäude sanieren muss.“ Er geht davon aus, „dass sich nun etwas tut“. Das sei höher zu bewerten, als die Unannehmlichkeiten für den Förderverein BWK-Museum.

Mit seiner Einschätzung zu kommenden Aktivitäten liegt er richtig. Juliane Scholz, Sprecherin der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) bestätigt. „Die Sanierung des Gebäudes wird nun konkret vorbereitet.“ Sie wird nach ihren Ausführungen das Dach und die Hülle des Gebäudes betreffen, die Strom- und Wasseranschlüsse, die Treppenhäuser und den Brandschutz. Dazu gehört die Ermittlung der konkreten Kosten, die Abstimmungen mit dem Wirtschaftsressort und den politischen Gremien. Das sei aber auch für dieses Jahr so geplant gewesen.

Noch keine konkrete Nutzung

Als mögliche künftige Mieter stellt sich die WFB junge Unternehmen aus der Kreativwirtschaft vor, Firmen und Existenzgründer aus Branchen wie Werbung, Filmproduktion oder Web-Dienstleistungen. Die konkrete Nutzung sei aber noch nicht festgezurrt. Zunächst solle die Infrastruktur sichergestellt werden. Danach, so die WFB-Vorstellung, sollen Musterräume hergerichtet werden, damit sich mögliche Interessenten, einen Eindruck verschaffen können. „Wir gucken dann, wer in das Gebäude einziehen möchte und richten es bedarfsgerecht her.“ Jetzt ginge es zuerst um den baulichen Rahmen, nicht um die Nutzung.

Die WFB-Sprecherin geht auf Nachfrage davon aus, dass auch der Wunsch und Beschluss des Beirates Blumenthal, dass 20 Prozent der Flächen für kulturelle Zwecke reserviert werden sollen, in der Machbarkeitsstudie berücksichtigt worden sind.

Dass der Verein nun von einem Tag auf den nächsten ausziehen muss, war nicht geplant. Der Auszug war für September abgesprochen worden. Ein Fachplaner aber hatte sich für die geplante Sanierung das Gebäude noch einmal genau angeschaut. Er entdeckte das Malheur, beurteilte Einsturzgefahr der Dachkonstruktion, und laut WFB-Sprecherin musste aus Sicherheitsgründen sofort gehandelt werden.

Detlef Gorn und seine Mitstreiter sind zwar ins Rotieren gekommen. Der Vorsitzende des Fördervereins ist aber zuversichtlich, die Kartons mit Material bei den Vorstandsmitgliedern unterbringen zu können. Er will sowieso nur das Nötigste mitnehmen, denn die Unterlagen über die Bremer Woll-Kämmerei sind nach seinen Worten alle digitalisiert oder wurden ans Staatsarchiv gegeben. „Was wir nicht mehr brauchen, möchten wir dalassen“, sagt er. Er geht davon aus, dass die Stadt sowieso reichlich Container anfahren lassen muss, um das Haus zu entkernen.

"Alles andere macht keinen Sinn"

Den Auszug empfindet er als Großreinemachen und Neustart. Gorn hofft, dass im Gebäude auch ein Kulturzentrum entsteht, an das das Kämmereimuseum angegliedert werden kann. „Alles andere macht keinen Sinn“ sagt er. Das Kämmereimuseum müsste am Ort des Geschehens bleiben. Dass das Gebäude nun saniert wird, ist für ihn unabdingbar. Es könne nicht sein, dass Privatleute gedrängt werden, ihre Häuser zu sanieren und die Stadt ihre Gebäude verfallen lasse.

Seit dem Ende der Bremer Woll-Kämmerei 2009 steht das markante Gebäude, 80 Meter lang, fast 6000 Quadratmeter Nutzfläche leer. Einst wurden dort Wollpartien geprüft und klassifiziert. Zuletzt wurde der 1915 erbaute Backsteinbau von dem Unternehmen für Büro- und Forschungsarbeiten und als Lager genutzt. Nach dem Ende der BWK wurde der Dornröschenschlaf des Gebäudes nur selten unterbrochen. 2012 nutzten Kulturschaffende das Haus für das zeitlich begrenzte Projekt „Palast der Produktion“. Vier Wochen lang war es Produktionsstätte für Künstler, Kreativarbeiter und exotische Handwerker. Es gab Theater, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Installationen.

In diesem Zusammenhang stellte sich auch der Förderverein im Erdgeschoss mit einer umfangreichen Sammlung von Fundstücken aus der industriellen Vergangenheit der Firma vor, die einst auf dem Gelände produziert hatte – und blieb. Der Traum: ein Kämmereimuseum in dem Gebäude. Aufgrund des schlechten Gebäudezustandes durfte die Sammlung aber nur einmal im Jahr am „Tag des Denkmals“ Besuchern gezeigt werden.

Nachdem der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) bei einem Ortstermin im März 2014 die grundsätzliche Absicht des Senats bekundet hatte, das Gebäude zu einem Gewerbestandort mit kulturellen Anteilen zu entwickeln, sollte die Wirtschaftsförderung das Projekt vorantreiben. Sie plant einen etappenweisen Umbau des Gebäudes. Die Etagen sollen dabei als größere, zusammenhängende Flächen in der Art sogenannter Lofts hergerichtet werden, die dann von den Nutzern individuell zu gestalten sind. Mit dem ersten Bauabschnitt soll nun begonnen werden.

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