Bremen hinkt bei Digitalisierung hinterher Niedersachsen will Schulen mit Smartphones ausstatten

Niedersachsen will elektronische Geräte in den Unterricht integrieren. In zwei Jahren sollen Tablets und Smartphones zum Klassenrauminventar dazugehören. Bremen dagegen hinkt bei Computern hinterher.
21.08.2018, 21:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch Sara Sundermann

Tablet-Computer und Smartphones sollen in zwei Jahren für jeden Schüler in Niedersachsen zur Pflichtausstattung gehören. „Mobile Endgeräte werden zu ganz natürlichen Bestandteilen des Unterrichts von morgen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Dienstag in Hannover. Dabei brauche sich niemand Sorgen zu machen, dies sich nicht leisten zu können, betonte der Ressortchef bei der Präsentation des „Masterplans Digitalisierung“ der SPD/CDU-Landesregierung. Schon heute verfügten 80 bis 90 Prozent der Schüler über Tablets oder Smartphones, diese sollten selbstverständlich genutzt werden können, versprach der Minister.

Für finanzschwache Eltern und deren Kinder sei zudem eine „soziale Komponente“, also ein entsprechender Zuschuss, vorgesehen. Im Übrigen könnten solche digitalen Endgeräte andere teure Lernmittel wie grafikfähige Taschenrechner oder auch Schulbücher ersetzen, erklärte Althusmann und wies auf einen angenehmen Nebeneffekt hin: Schulranzen könnten deutlich leichter werden.

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Bremen hat sich dagegen bislang nicht durch flächendeckende Mittel für Computer an Schulen hervorgetan. Zwar sind einzelne Schulen – auch durch Kooperationen mit Firmen – gut ausgestattet mit Hardware, aber an vielen Schulen klagen Schulleiter und Lehrer über zu wenig und zu alte Rechner. Als eines der ersten Bundesländer hat Bremen einen Masterplan Medienbildung als Orientierung für Schulen aufgestellt, zudem können Lehrer und Schüler die digitale Lernplattform „Ist learning“ für den Unterricht nutzen.

Keine digitale Schule ohne Breitbandversorgung

Aber auch und gerade in Niedersachsen gilt: „Ein Tablet bringt gar nichts, wenn die Schule keine Breitbandversorgung hat“, meinte Althusmann und verwies auf die in seinem milliardenschweren Fahrplan formulierten ehrgeizigen Ausbauziele. Bis 2025 soll danach jeder Bürger Niedersachsens über einen superschnellen Internetanschluss mit einer Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde verfügen. Laut Masterplan sind im Landkreis Cuxhaven 17.000 Haushalte beim Internet unterversorgt, im Kreis Osterholz sind es 7000, in Verden 7000 und in der Wesermarsch 1800. Besondere Priorität beim Netzausbau gilt den Seehäfen, den Gewerbegebieten, den Universitäten und den Schulen.

Sie alle sollen schon 2021 in den glasfaser-gestützten Gigabit-Genuss kommen. Davon wolle man mindestens eine Milliarde Euro an zusätzlichen Bundesmitteln einwerben, kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an. Das Land selbst hat in dieser Höhe ein Sondervermögen angelegt, wovon bereits 850 Millionen Euro im Haushalt abgedeckt sind. Superschnelles Internet sei gerade für die niedersächsische Automobilwirtschaft mit Blick auf Vernetzung und autonomes Fahren unabdingbar, meinte VW-Aufsichtsratsmitglied Weil.

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Tempo will die Große Koalition auch für ein lückenloses Mobilfunknetz machen. Bis 2021 soll laut Althusmann „flächendeckend bis in die entlegensten Regionen“ Telefonieren im 4G- oder LTE-Standard möglich sein. Wo die Anbieter weiße Flecken ließen, werde das Land mit einem eigenen 20-Millionen-Euro-Programm einspringen. „Das ist nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“, kritisierte FDP-Fraktionsvize Jörg Bode. Die Ziele seien richtig, die Umsetzung unzureichend, schimpfte der ehemalige Wirtschaftsminister.

„Der Masterplan bleibt ein Desasterplan.“ Während die 128 Seiten starke Broschüre bei den Unternehmerverbänden Niedersachsen auf große Zustimmung stieß, vermisste der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Strategie für „gute digitale Arbeit“. Antworten auf die Angst der Beschäftigten vor Jobverlust oder höheren Belastungen seien darin nicht zu finden, meinte DGB-Landeschef Mehrdad Payandeh. „Mehr Glasfaserkabel zu verbuddeln ist das eine, in die Köpfe der Menschen zu investieren das andere.“

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte forderte für den Schulbereich, dass es neben den technischen Voraussetzungen auch die praktischen vorhanden sein müssten: „Dazu gehören vor allem gut ausgebildete und genügend Lehrkräfte.“ Althusmann erklärte, dass die Einzelheiten zum Einsatz von Tablets und Smartphones in Abstimmung mit dem Kultusministerium seines SPD-Kollegen Grant Hendrik Tonne umgesetzt würden. „Natürlich wollen wir dabei die Lehrkräfte mitnehmen.“

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