Weniger Züge ab August Nordwestbahn will Takt verringern

Weil es wiederholt zu Ausfällen wegen Personalmangels kommt, will das Unternehmen jetzt reagieren: mit weniger Fahrten. Für Blumenthals Ortsamtschef ist das ein Skandal – und Grund, die Behörde zu kritisieren.
12.07.2019, 21:57
Lesedauer: 4 Min
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Nordwestbahn will Takt verringern
Von Christian Weth

Eigentlich soll die Nordwestbahn künftig häufiger im Norden fahren. So will es das neue rot-grün-rote Regierungsbündnis – und im Grunde auch der Verkehrsbetrieb. Sagt jedenfalls Firmensprecher Steffen Högemann. Doch statt den Takt zu erhöhen, will das Unternehmen ihn jetzt verringern. Es spricht von „weiteren Maßnahmen zur Stabilisierung der Zugverkehre“. Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack nennt das anders: einen Skandal.

Was die Nordwestbahn plant, hat sie am Freitag mitgeteilt – zwei Tage, nachdem der Ortsamtschef mehr gefordert hat als einen höheren Takt: ein drittes Gleis. Firmensprecher Högemann weiß davon nichts. Er weiß nur, was ab 10. August vorgesehen ist: Am Wochenende sollen die Züge nicht mehr alle 30 Minuten fahren, sondern nur noch jede Stunde. Högemann sagt, dass allein die Strecke zwischen Farge und Vegesack betroffen ist. Von Vegesack zum Hauptbahnhof geht es wie bisher im Halbstunden-Takt weiter. Auch der Fahrplan für die Werktage soll unverändert bleiben.

Zu viele Zugausfälle

Dass die Nordwestbahn jetzt genau das Gegenteil macht, was andere eigentlich von ihr erwarten, begründet der Unternehmenssprecher mit der hohen Zahl an Zugausfällen in der Vergangenheit. Und damit, dass die Bahngesellschaft mit dem verringerten Takt mehr Verlässlichkeit schaffen will. Er sagt aber auch, was nicht in der Mitteilung des Verkehrsbetriebs steht: dass er zu wenig Lokführer hat. So wenige, dass die Nordwestbahn laut Högemann keine andere Wahl hat, als den Takt zwischen Farge und Vegesack an den Wochenende quasi zu halbieren. Bis April nächsten Jahres soll das so bleiben. Dann geht die Bahngesellschaft davon aus, mehr Zugführer zu haben als jetzt.

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Högemann spricht von neuem Personal, das momentan ausgebildet wird. Und davon, dass ab nächsten Jahr die Zahl der Lokführer so groß sein wird, dass der Nordwestbahn eine personelle Reserve für den Fall der Fälle bleibt. Warum das Unternehmen nicht schon vorher damit begonnen hat, zusätzliche Kräfte zu bekommen beziehungsweise zu schulen, lässt der Firmensprecher offen. Weil Zugführer krank geworden sind, ist es in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen, dass Regio-S-Bahnen nicht gefahren sind. Zuletzt im Frühjahr: Nach der Statistik von Pendlern sind an manchen Tagen bis zu 16 Züge zwischen Vegesack und Hauptbahnhof ausgefallen.

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Nach Angaben des Unternehmenssprechers sind die Verkehrsverbände und die Verkehrsbehörde bereits vor Längerem darüber informiert worden, dass die Nordwestbahn ihr Pensum auf der Strecke zwischen Farge und Vegesack bis April nächsten Jahres herunterfahren wird. Was Blumenthals Ortsamtschef noch am selben Tag, an dem der Verkehrsbetrieb die Mitteilung über den verringerten Takt der Regio-Züge verschickte, veranlasst hat, eine E-Mail an Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) zu senden. Und ihn und sein Ressort scharf zu kritisieren. Nowack schreibt, dass ihm die Worte fehlen, um halbwegs emotionsfrei ausdrücken zu können, was gerade in ihm vorgeht.

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In der E-Mail, die der Redaktion vorliegt, beklagt der Ortsamtsleiter, dass die „Maßnahmen zur Stabilisierung der Zugverkehre“ ausschließlich zulasten des Bremer Nordens gehen. Für das niedersächsische Umland, wo die Nordwestbahn ebenso fährt, gibt es keine Einschränkungen. Nowack erwartet von Lohse und seinen Mitarbeitern, „dass es endlich mal eine Äußerung gibt, die nicht das Nachplappern der Pressemitteilungen der Nordwestbahn beinhaltet...“ Für Nowack ist den Nordbremer Bahnfahrern seit mehr als einem Jahr schon viel zu viel zugemutet worden. Durch die Verschlechterung des Taktes werden sie „in eine Zeit zurückversetzt“, die sie eigentlich seit Jahren überwunden glaubten.

Ressort prüft Strafzahlungen

Der Ortsamtschef erwartet, dass Lohse „mit aller Kraft“ gegen den Plan der Nordwestbahn vorgeht, damit nicht „die Menschen wieder in ihre Autos und damit durch die Baustelle der A 27“ getrieben und nicht von kulturellen Angeboten in der Innenstadt abgekoppelt werden. Weniger Züge fahren zu lassen, meint Nowack, darf kein Ergebnis einer ökologisch orientierten Verkehrspolitik sein. Ist es aus Sicht der Behörde auch nicht. Laut Jens Tittmann, Lohses Sprecher, ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Und hat der Senator längst erklärt, dass für ihn eine Taktänderung inakzeptabel ist. Tittmann zufolge werden momentan weitere Strafzahlungen geprüft, die Bremen dem Bahnunternehmen auferlegen kann, wenn es Absprachen nicht einhält.

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Inakzeptabel, sagt Tittmann, findet der Senator aber noch etwas anderes: Nowacks Tonfall in der E-Mail. Schließlich, meint der Sprecher, müsste auch der Ortsamtsleiter wissen, dass es einen Vertrag zwischen der Stadt und der Nordwestbahn gibt – und der nicht einfach umgestoßen werden kann.

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