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Nur wenige Menschen nutzen Tag der offenen Moschee in Bremen

Viele islamische Gotteshäuser haben am Mittwoch ihre Türen für Besucher geöffnet. In Bremen nahmen allerdings nur wenige Menschen die Chance wahr.
03.10.2018, 19:26
Lesedauer: 3 Min
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Nur wenige Menschen nutzen Tag der offenen Moschee in Bremen
Von Lisa-Maria Röhling
Nur wenige Menschen nutzen Tag der offenen Moschee in Bremen

In der Fatih-Moschee in Gröpelingen ist Imam Ali Yildiz tätig. Viele Gemeinde-Mitglieder stehen am Tag der offenen Moschee den Besuchern Frage und Antwort.

Christina Kuhaupt

Schon an der Tür zur Fatih-Moschee an der Stapelfeldstraße in Gröpelingen schlägt den Besuchern der Geruch von frischem Gebäck entgegen. Im Eingangsbereich stehen die Türen zu verschiedenen Büros offen, Gespräche sind aus allen Ecken zu hören, Kaffee und Kuchen stehen bereit. Wer gleich am Eingang der Treppe nach oben folgt, kommt direkt zu dem Schild, auf dem ein Paar Schuhe abgebildet ist, das durchgestrichen ist.

Denn dort sind auch die beiden Flügeltüren zum prunkvollen Gebetsraum der Moschee geöffnet – für jeden, der ihn betreten möchte. Zahlreiche Mitglieder der Gemeinde im Bremer Westen sind an diesem 3. Oktober in der Moschee erschienen, um mit interessierten Besuchern ins Gespräch zu kommen.

So wie 15 weitere islamische Gotteshäuser in Bremen und Bremerhaven laden sie am Tag der offenen Moschee zum Blick hinter die Kulissen ein. Ömer Coban hat gerade ein Gespräch mit einem Ehepaar beendet, das nun noch einmal durch den Gebetsraum der Moschee schlendert. Coban nimmt am Rand des Gebetsraums Platz, im Schneidersitz auf dem Boden, und nickt den beiden noch einmal zu.

"Unsere Offenheit sorgt auch für offene Fragen"

Viele der Besucher, sagt Coban, kämen am Tag der offenen Moschee her, um das Gemeindeleben zu verstehen, das muslimische Selbstverständnis. „Da gibt es einen unglaublichen Informationsdurst. Die Menschen wollen einfach verstehen“, sagt der 29-Jährige. Die aktuellen politischen Debatten rund um den Islam und Deutschland spiegelten sich allerdings nicht in den Gesprächen wieder. Sicher, kritische Fragen gebe es immer.

Doch sei es der Erdogan-Besuch in Köln oder der Umgang mit Fremdenfeindlichkeit im Alltag – auf jedes Thema lässt Coban sich ein. „Unsere Offenheit sorgt auch für offene Fragen.“ Er hofft, dass er und andere Mitglieder der Gemeinde durch die Gespräche mehr Akzeptanz für Muslime schaffen können: „Unsere Zukunft ist hier. Wir sind ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft.“

Kurz vorm Mittagsgebet sind allerdings nur wenige Besucher in der Moschee, die das Gesprächsangebot annehmen. Vereinzelt laufen kleine Grüppchen durch die Räumlichkeiten, immer begleitet von einem der Freiwilligen, der jedes Detail der Moschee erklärt. Um 13.19 Uhr beginnt der Muezzin mit seinem Gebetsruf.

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Während sich die Muslime in der Mitte des Gebetsraums sammeln, stehen nur wenige Besucher am Rand, um sich ein Bild von dem Gebet zu machen. Doch wer da ist und sich etwas verwirrt umschaut, wird sofort begrüßt und um Nachfragen gebeten. Am anderen Ende der Stadt, direkt an der Hemelinger Bahnhofsstraße, hat auch die Quba-Moschee ihre Türen geöffnet.

300 Mitglieder gehören zu der Gemeinde, viele sind heute in die Moschee gekommen, um Besucher in Empfang zu nehmen. Die Frauen haben Süßigkeiten und Backwaren bereit gestellt, in den Gemeinschaftsräumen gibt es Tee und Kaffee. Den Prunk der Fatih-Moschee sucht man hier vergeblich: Wenige Stufen führen hinab in den Keller, der für die Gebete mit Teppich ausgelegt ist.

Es ist klein und eng, beim Freitagsgebet müssen einige Gemeindemitglieder sogar auf die Straße oder in die Gemeinschaftsräume und Klassenzimmer ausweichen. An einem Tisch eine Etage über dem Gebetsraum wartet Ebubekir Kilinc. Der 25-Jährige ist seit knapp zwei Jahren im Vorstand der Quba-Gemeinde. Viele Besucher habe es heute nicht gegeben, sagt er. Das sei schade: „Es ist wichtig, dass die Leute kommen und uns kennen lernen.“

Fragen sind negativ behaftet

Gerade, weil in der Gemeinde ein Bauprojekt anstehe, seien sie wieder mehr in die Öffentlichkeit gerückt: Direkt neben der jetzigen Quba-Moschee hat die Gemeinde ein Baugrundstück erworben, auf dem eine neue Gebetsstätte entstehen soll. In fünf Jahren, hofft Kilinc, wird dort mehr Platz für Gebete sein. Doch nicht nur der Moschee-Neubau habe bei manchen Menschen Ängste geschürt.

Auch durch die Diskussionen um Islam und Migration sei es schwieriger geworden, auf die Menschen zuzugehen. „Auf einmal hat jeder eine vorgefertigte Meinung“, sagt Kilinc. „Fast-Food-Meinungen“ nennt er das. Damit meint er Vorurteile über seine Religion, die einfach absurd seien: Muslime könnten kein Deutsch sprechen, arbeiteten nicht oder seien nicht erfolgreich, so etwas. Meistens könne er darüber lachen, sagt er. Mehr als den Menschen das Gegenteil zu beweisen, könne er nun einmal nicht.

Doch auch die Fragen, die ihm über den Islam gestellt werden, haben sich laut Kilinc geändert: Früher seien der Verzicht auf Schweinefleisch oder die Gebetszeiten Themen gewesen – Verständnisfragen eben. Heute seien schon die Fragen negativ behaftet, es gehe weniger um Religion als um Politik. Zudem sei das Interesse am Tag der offenen Moschee früher größer gewesen, sagt Kilinc. In diesem Jahr hätten manche Menschen schon die Einladung vehement abgelehnt: „Das sei ihnen zu gefährlich, davon wollten sie nichts wissen, haben sie gesagt.“ Er zuckt mit den Achseln, zeigt auf die anderen Menschen, die an Nebentischen Tee trinken und sich unterhalten. „Wir sind sehr gern für Gespräche bereit.“

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