Personalengpass Feuerwehr Bremen: Wenn von zehn Kräften vier beim Dienst fehlen

Wenn zehn Personen zum Dienst eingeteilt sind, davon aber nur sechs tatsächlich anwesend sind, kann es zu sogenannten "Problemlagen" kommen. Bei der Feuerwehr Bremen ist dies derzeit kein Einzelfall.
23.05.2022, 17:09
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Feuerwehr Bremen: Wenn von zehn Kräften vier beim Dienst fehlen
Von Ralf Michel

Die Bremer Berufsfeuerwehr hat zu wenig Personal, die Innenbehörde spricht in diesem Zusammenhang von einem strukturellen Problem. Wohin dies führen kann, zeigte sich unlängst an einem Wochenende, an dem den sechs Feuerwehrwachen nach Informationen des WESER-KURIER insgesamt rund 40 Prozent des eigentlich vorgesehenen Personals fehlte.  

Die Sollstärke der Feuerwehr im Lösch- und Hilfeleistungsdienst wird in "Funktionen" ausgedrückt, sie beträgt täglich inklusive der Führungsfunktionen 76. Ohne die Führungskräfte sollen es täglich 68 sein. Im Jahresdurchschnitt unterschreitet die Feuerwehr Bremen diese Sollstärke nach Angaben des Innenressorts um fünf Funktionen.

Dass die Sollstärke der Feuerwehr an einem der Märzwochenenden bei gerade 60 Prozent des eigentlich vorgesehenen Personals lag, bestätigt die Innenbehörde. Dies sei korrekt, man habe "immer wieder mal personelle Engpässe". Grundsätzlich sei die Feuerwehr jedoch einsatzbereit.

"Grundsätzlich einsatzbereit"

Für die aktuellen Engpässe gibt es laut Behördensprecherin Rose Gerdts-Schiffler unterschiedliche Gründe: Zu den generellen personellen Defiziten komme aktuell ein relativ hoher Krankenstand, der auch, aber nicht nur, auf Corona zurückzuführen sei. Zudem fänden derzeit zwei parallel laufende Lehrgänge im Rettungsdienst statt.  Und es sei zu verzeichnen, dass das System der freiwilligen Mehrarbeit insgesamt nicht mehr so angenommen werde, wie in den vergangenen Jahren.

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Bei derartig starken Unterschreitungen sei die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Bremen für die Grundaufgaben in der alltäglichen Gefahrenabwehr zwar eingeschränkt, aber dennoch grundsätzlich gegeben, betont die Innenbehörde. Außerdem würden die Freiwilligen Feuerwehren schneller und niedrigschwelliger in Einsätze einbezogen.

Allerdings könnten die ehrenamtlichen Einheiten nicht die Erreichungsgrade des "ersten Schutzzieles" auffangen. Dieses erste Schutzziel fordert, dass in höchstens zehn Minuten Fahrzeit mit sechs Einsatzkräften mit einem Löschfahrzeug und mit zwei weiteren Einsatzkräften mit einem Hubrettungsfahrzeug der Notfallort erreicht werden soll. Die zehn Minuten der Berufsfeuerwehr bis zum Einsatzort könnten nicht analog auf die Freiwillige Feuerwehr angewendet werden. Bei den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten müsse schließlich noch die Fahrt zu ihrem Feuerwehrhaus hinzugezählt werden, erläutert Gerdts-Schiffler. 

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Die Feuerwehr bereite "die Problemlagen" derzeit aber zusammen mit der Innenbehörde auf. Innensenator Ulrich Mäurer werde dem Senat in Kürze einen Vorschlag zur personellen Verstärkung der bremischen Feuerwehr vorlegen, verbunden mit der Fortschreibung des zurzeit geltenden Brandschutzbedarfsplanes. In diesem Konzept werde auch der Bedarf für die neue Wache 7 einfließen, die Anfang 2023 in Betrieb genommen werden soll.

CDU fürchtet "ernste Probleme"

Für Marco Lübke ein längst überfälliger Schritt. Die CDU mahne den Innensenator seit Jahren an, mehr Personal auszubilden und fachfremden Abordnungen entgegenzuwirken. "Wir haben aber seit Jahren insgesamt viel zu wenig hauptamtliches Personal in den Wehren. Herr Mäurer fährt auf Verschleiß, das muss endlich ein Ende haben", sagt der innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Wenn an manchen Tagen bis zu 40 Prozent der Einsatzbereitschaft fehlen, kann das bei einem Großereignis zu ernsten Problemen führen." Es gehe aber nicht nur um die Sicherheit in der Stadt, sondern auch um die Sicherheit und die Motivation der Feuerwehrbeamten, betont Lübke. 

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