Giftige Rückstände vom Flughafengelände

Plan für Bodensanierung an der Ochtum

Noch in diesem Jahr soll eine Boden- und Grundwassersanierung auf Teilen des Bremer Flughafengeländes anlaufen. Von dort waren Schadstoffe in die Ochtum gelangt. Die Sportfischer sehen die Behörden am Zug.
05.04.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Plan für Bodensanierung an der Ochtum
Von Jürgen Theiner

Die Belastung der Ochtum und ihrer Fauna und Flora mit einer gesundheitsschädlichen Chemikalie wird zu einem Thema für die Politik. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Frank Imhoff, hat einen umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung geschickt. Darin fordert er Aufklärung über Ursache und Wirkungen der Verunreinigung und erkundigt sich danach, wie die Schäden beseitigt werden sollen.

Vor wenigen Tagen hatte die Gesundheitsbehörde eine Empfehlung an Angler ausgesprochen, auf den Verzehr von Fisch aus der Grollander Ochtum und dem stromabwärts gelegenen Flussabschnitt zu verzichten. Hintergrund ist eine mögliche Kontaminierung des Flusswassers. Die Flughafenfeuerwehr hatte bei ihren regelmäßigen Übungen auf den Rollbahnen bis vor einigen Jahren Löschschäume verwendet, die heute als giftig eingestuft sind.

Bei der schädlichen Substanz handelte es sich um Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), die der Stabilisierung der Schaumfestigkeit dient. Auf solche Zusätze wird schon länger verzichtet. Gleichwohl haben sich im Erdreich des Flughafengeländes und im dortigen Grundwasser PFOS-Rückstände angereichert, die in die Ochtum gelangen können.

Keine Fische aus der Ochtum essen

Dass die Löschschaumrückstände problematisch sein können, hatte der Flughafen bereits 2017 öffentlich gemacht. 2018 ließ die Umweltbehörde probehalber einige Fische aus der Ochtum auf PFOS-Rückstände hin untersuchen. Die Gesundheitsbehörde wurde um eine Einschätzung gebeten, die nun allerdings auf der Grundlage gravierend veränderter EU-Richtwerte erfolgt ist.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte den Richtwert für die Aufnahme von PFOS vor vier Monaten auf 0,013 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht abgesenkt – ein winziger Bruchteil des zuvor als wissenschaftlicher Standard geltenden Wertes. Würde man dieser neuen Linie nun folgen, hätte ein durchschnittlicher Erwachsener von den Plötzen, die 2018 testhalber in der Ochtum gefangen wurden, nur 14 Gramm pro Woche zu sich nehmen dürfen, um unterhalb des Richtwertes zu bleiben. Daher die Empfehlung des Gesundheitsamtes, derzeit keine Fische aus der Ochtum zu essen.

Aber was heißt das Ganze für die Zukunft? „Ich finde, die Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltung lässt da wirklich zu wünschen übrig“, sagt Frank Imhoff. In seinem Schreiben an die Verwaltung fordert er unter anderem Auskunft zu der Frage, wer Verantwortung und Kosten für großräumigere Untersuchungen im Umfeld der Ochtum trägt.

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Schließlich gelange Ochtumwasser auch in das angrenzende Gräbensystem. Was sei darüber hinaus mit den Grollander Kleingärtnern, die ihre Parzellen mit möglicherweise schadstoffhaltigem Wasser gespeist hätten? Was komme auf die Landwirte zu, deren Vieh dieses Wasser getrunken haben? Fragen über Fragen, findet Imhoff, mit denen sich bisher niemand ernsthaft auseinandergesetzt habe.

Immerhin gibt es bereits einen Plan, wie mit den toxischen Rückständen auf dem Flughafengelände technisch umgegangen werden soll. „Wir stimmen uns mit dem Flughafen und anderen Senatsressorts über ein Sanierungskonzept ab“, sagt der Sprecher der Umweltbehörde, Jens Tittmann. Vorgesehen sei, belastetes Erdreich auf dem Flughafengelände auszubaggern und auch das dortige Grundwasser zu reinigen, das Problem also bei der Wurzel zu packen.

Konkret ist geplant, das Grundwasser über Brunnen an die Oberfläche zu fördern und dort durch eine mehrstufige Filteranlage laufen zu lassen, die aus Sand, Schlammfang, Kies und Aktivkohle besteht. Damit soll voraussichtlich Ende des Jahres begonnen werden. Parallel wird an einem Konzept gearbeitet, wie durch Regenwasser ausgespülte Perfluoroctansulfonsäure in den Drainageleitungen des Flughafens abgeschieden werden kann, sodass kein belastetes Wasser mehr in die Ochtum abfließt.

Die Behörden sind bemüht

Unterdessen erwarten die Sportfischer, die den betroffenen Ochtumabschnitt als Angelrevier nutzen, dass Politik und Verwaltung den Umweltschaden rasch und koordiniert aufarbeiten. „Gegenwärtig haben wir den Eindruck, dass die Kompetenzen zersplittert sind“, sagt der Vorsitzende des Sportfischervereins Bremen-Stuhr, Rolf Libertin. Für gesundheitliche Fragen und Belange von Boden und Wasser gebe es für die Sportfischer jeweils unterschiedliche Ansprechpartner auf Verwaltungsseite. Das sei misslich.

Allerdings seien die Behörden durchaus erkennbar bemüht, die Dinge voranzubringen. Nach Libertins Angaben umfasst der mutmaßlich von Schadstoffen beeinträchtigte Abschnitt der Ochtum rund ein Viertel des gesamten Angelreviers seines Vereins mit gegenwärtig rund 500 Mitgliedern. Die Verunreinigung sei auch wirtschaftlich ein Problem, weil die Sportfischer Bremen-Stuhr für einen Flussabschnitt, an dem nicht mehr geangelt werden kann, auch keine Gastkarten für Nicht-Mitglieder mehr herausgeben könnten.

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