Deutsch-chinesischer Autohersteller

Borgward baut Werk im Bremer GVZ

Borgward will sein angekündigtes Werk im Bremer Güterverkehrszentrum errichten. Darauf hat sich der Autobauer nun mit der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) geeinigt.
12.04.2017, 11:07
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Borgward baut Werk im Bremer GVZ
Von Stefan Lakeband
Borgward baut Werk im Bremer GVZ

Diese Aufnahme zeigt das Grundstück der Borgward Group AG im GVZ Bremen.

WFB_Studio B

Borgward will sein angekündigtes Werk im Bremer Güterverkehrszentrum (GVZ) errichten. Darauf hat sich der Autobauer nun mit der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) geeinigt, wie es in einer Mitteilung heißt.

Im Bremer Südwesten soll ab dem Jahr 2019 der Mythos Borgward wieder aufleben. Das Unternehmen und die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) haben einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, der die Eckpunkte regeln soll. Demnach wird der Stuttgarter Automobilkonzern auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums ein 140.000 Quadratmeter großes Grundstück kaufen.

Dort ist in der ersten Baustufe eine sogenannte SKD-/CKD-Fertigung geplant. Das bedeutet, dass die fertigen Bauteile dort zum Auto zusammenmontiert werden. „Die Fertigung dort soll so entstehen, dass wir je nach Bedarf und Nachfrage auch auf Vollproduktion umstellen können“, ­sagte Borgward-Sprecher Marco Dalan dem WESER-KURIER.

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„Den Ausschlag für das Gelände hat die verfügbare Größe gegeben sowie die Nähe zur Weser“, ergänzte der Unternehmenssprecher. Ob das bedeutet, dass die Teile für die Montage auf dem Seeweg über den Neustädter Hafen zum Werk kommen sollen, ist noch nicht klar. Dalan sagte: „Da kann alles möglich sein. Dazu werden wir erst weitere Gespräche führen müssen.“

Vor der Entscheidung war noch eine Fläche im Bremer Industriepark im Gespräch sowie im Gewerbegebiet Hansalinie. Auch die Stadt Bremerhaven hoffte auf die Ansiedlung von Borgward. Dazu sollte das Gelände der ehemaligen Carl-Schurz-Kaserne im Norden der Stadt dienen.

Faire Verlierer

Im Werben um den Autokonzern gaben sich die Verantwortlichen in Bremerhaven als faire Verlierer. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) bezeichnete die Entscheidung als eine gute Nachricht für das Land Bremen, für die Stadt Bremerhaven sei sie enttäuschend: „Unsere Angebote waren auch bis zum Schluss ernsthaft von der Borgward Group erwogen worden. Doch gegen den Mythos Borgward, der konkret mit der Stadt Bremen verbunden ist, hatte Bremerhaven letztlich keine Chance.“

Das zeige laut Grantz einmal mehr, dass allein Fakten nicht die entscheidende Rolle spielen, sondern auch Psychologie und Tradition. Der Oberbürgermeister lobte zudem das Engagement seiner Wirtschaftsförderung. Bereits zum Jahresanfang wurde bekannt, das Borgwardmehr Fläche benötigt als nur für eine Fertigung.

So sollen auf dem Gelände beim Güterverkehrszentrum auch eine Teststrecke, ein Auslieferungszentrum und ein sogenanntes Brand-Studio entstehen. In diesem Studio werde es wohl auch um die Geschichte der Firma Borgward gehen. Dazu hat Borgward bereits einen Architekturwettbewerb gestartet.

„Wir wollen auch architektonisch ein Signal setzen“, sagte Ulrich Walker, Vorstandsvorsitzender von Borgward. Alles zusammen solle eine vernünftige Einheit werden. Wie bereits angekündigt, sollen in Bremen zunächst rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sowie Plug-in-Hybrid-Modelle gefertigt werden. Zuerst soll der elektrische SUV Borgward BX7 das Werk verlassen.

Weltweites Kompetenzzentrum für Elektromobilität

Bei den Plug-in-Modellen geht es um die Baureihe BX5. Geplant sind bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr. „Unsere Fertigung in Bremen wird das weltweite Kompetenzzentrum für Elektromobilität“, sagte Walker. Die ­E-Fahrzeuge aus Bremen sind für Europa und weitere Märkte geplant.

Ob das auch mehr Arbeitsplätze bedeute, als ursprünglich geplant, dazu will sich das Unternehmen nicht äußern. Borgward-Sprecher ­Marco Dalan sagte: „Wir planen konservativ. Das bedeuten für uns erst einmal für Fertigung, Verwaltung und alles weitere insgesamt 100 Arbeitsplätze.“

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Bei der Fertigung soll es sich um eine smarte, digitalisierte Fabrik handeln. Sie soll systemtechnisch im Sinne der Industrie 4.0 arbeiten. Borgward investiert dafür laut Unternehmenssprecher einen zweistelligen Millionenbetrag im mittleren Bereich. Baubeginn soll Anfang kommenden Jahres sein.

Große Kompetenz in der Automobilbranche

Ab Mai werde auf dem Gelände mit notwendigen Sandaufschüttungen begonnen, was die Bremer WFB veranlassen wird. Als Zulieferer sollen unter anderem ­Continental und Schaeffler/SKF zum Zuge kommen sowie Bosch und LG für die Batterien.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) freute sich über die Standortentscheidung. „Das Land Bremen verfügt über eine große Kompetenz in der Automobilbranche und gewinnt mit Borgward eine starke Marke mit Ambitionen, im europäischen Markt eine wichtige Rolle zu spielen, hinzu“, betonte der Senator.

WFB-Chef Andreas Heyer ­sagte: „Wir heißen Borgward herzlich willkommen.“ Schon bis in die 1960er-Jahre wurden Autos unter der Marke Borgward in Bremen gebaut. Das Unternehmen meldete aber 1961 Insolvenz an.

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