Beteiligungsmodell ist vom Tisch Bremen verliert seine Landesbank

Die Bremer Landesbank (BLB) ist für Bremen verloren. Sie wird ganz und gar in die NordLB aufgehen. Das haben die Verhandlungen zwischen Bremen und Niedersachsen ergeben.
23.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremen verliert seine Landesbank
Von Jürgen Hinrichs

Offiziell hört man dazu zwar noch nichts, die Beteiligten verweisen auf die Übereinkunft, striktes Stillschweigen zu bewahren. Hinter verschlossenen Türen wird aber schon über das Ergebnis gesprochen.

Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) hat am Freitag die Mitglieder des Haushalts- und Finanzausschusses informiert. Demnach geht es nicht mehr darum, ob die Bremer Anteile an der BLB übernommen werden, sondern nur noch um die Frage, wie das geschehen soll und welchen Kaufpreis die Niedersachsen zu zahlen bereit sind.

Nach übereinstimmenden Berichten von Mitgliedern des Ausschusses hat in dem Gremium nach der Erklärung der Finanzsenatorin große Ernüchterung geherrscht. Immerhin waren zuvor noch zwei weitere Optionen auf dem Tisch: Ein Modell, das im Gegenzug zur Abgabe der 41 Prozent, die Bremen an der BLB hält, eine geringfügige Beteiligung an der NordLB vorsah. So hätte sich Bremen Einfluss auf die BLB bewahrt, was bei den Niedersachsen freilich auf Ablehnung stieß. Und ein anderes, das der BLB mit frischem Geld vom Land Bremen zu mehr Kapital verholfen hätte, um doch noch die Eigenständigkeit zu retten. Beide Varianten spielen keine Rolle mehr.

Sieling will sich nicht äußern

Dass Bremen noch einmal etwas zur BLB zuschießt, die Rede war von bis zu 180 Millionen Euro, hatte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ins Gespräch gebracht. Die Niedersachsen waren verwundert darüber, zumal so eine staatliche Beihilfe von der EU wahrscheinlich nicht genehmigt worden wäre und die Verhandlungen zwischen den Trägern der Bank auch längst eine andere Richtung genommen hatten – hin zur Verschmelzung, die Frage war nur noch, bis zu welchem Grad.

Lesen Sie auch

Wie ernst es Sieling mit seinem Vorstoß war und ob er ihn weiterverfolgt hat, war nicht zu erfahren. Der Bürgermeister wollte sich auf Anfrage zu den Verhandlungen nicht äußern. Auch das Bremer Finanzressort gibt bis heute keinerlei Informationen heraus, noch nicht einmal zum organisatorischen Rahmen der Gespräche.

Wenn die BLB nun komplett in der NordLB aufgeht, müssen die Niedersachsen dafür einen Preis zahlen. Was bisher angeboten werde, sei sehr mau, heißt es aus dem Bremer Haushalts- und Finanzausschuss. In den vergangenen Wochen machte ein Betrag von 200 Millionen Euro die Runde. Bremen hatte 480 Millionen Euro in die Bank gesteckt, bliebe also auf einem riesigen Verlust sitzen.

Schieflage durch faule Schiffskredite

Nicht klar ist, was mit den Beteiligungen der BLB an Bremer Unternehmen wie der Gewoba und der Bremer Lagerhausgesellschaft passiert. Fallen sie mit dem Verkauf der NordLB zu oder wird eine Lösung gefunden, die wenigstens in diesen Fällen garantiert, dass Bremen über die Geschicke dieser Unternehmen weiter mitbestimmen kann?

Lesen Sie auch

Die BLB ist wegen ihrer faulen Schiffskredite in Schieflage geraten. Sie hat dadurch einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 400 Millionen Euro und kann dies unmöglich selbst stemmen. Hinzu kommen die enormen Risiken bei einem Bestand von immer noch mehr als 600 Schiffen, die bei der BLB in den Büchern stehen. Eine Markterholung ist nach derzeitigem Stand allerdings nicht abzusehen, möglicherweise müssen deshalb weitere Forderungen gegenüber den Reedern in den Wind geschrieben werden.

Herber Schlag für den regionalen Kreditmarkt

Ein Verkauf der Bank wird Bremen einerseits von dieser Last befreien. Andererseits ist das ein herber Schlag für den regionalen Kreditmarkt: Eine BLB, die es nur noch dem Namen nach gibt und von Hannover aus gesteuert wird, ist weiter weg vom Kunden. Hinzu kommt, dass niemand weiß, was die NordLB mit der BLB vorhat. Sollten irgendwann ganze Geschäftsfelder wegfallen, wäre an den beiden Standorten Bremen und Oldenburg ein großer Teil der rund 1000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Die NordLB hatte sich in der Vergangenheit nicht nur über ihre BLB-Tochter bei Schiffsfinanzierungen engagiert, sondern ist in noch größerem Umfang auch selbst in diesem Markt unterwegs. Am Montag teilte die Bank mit, dass sie die Kredite für 100 Schiffe an einen Finanzinvestor verkauft hat. „Wir leisten damit einen bedeutenden Beitrag, unser Schiffsportfolio von 18 Milliarden Euro auf künftig zwölf bis 14 Milliarden Euro zu reduzieren“, sagte NordLB-Chef Gunter Dunkel.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+