Vor Bund-Länder-Gipfel

Debatte um FFP2-Pflicht im Bremer Nahverkehr

Die Verkehrsminister der Länder empfehlen dem Bund-Länder-Gipfel, dass das Tragen von FFP2-Masken im Nah- und Fernverkehr lediglich empfohlen werden soll. Auch eine Ausdünnung der Taktungen wollen sie nicht.
19.01.2021, 05:00
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Von Pascal Faltermann, Sabine Doll und Nina Willborn
Debatte um FFP2-Pflicht im Bremer Nahverkehr

Geht es nach den Länder-Verkehrsministern, soll das Tragen einer FFP2-Maske nicht zur Pflicht werden.

Jörg Carstensen / dpa

Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten an diesem Dienstag, ob der Lockdown über Ende Januar hinaus fortgesetzt und verschärft werden soll. Hintergrund sind die angespannte Infektionslage und die Sorge vor einer Ausbreitung von Mutationen des Virus. Diskutieren werden die Vertreter von Bund und Ländern dabei auch über Maßnahmen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), zum Beispiel über eine verschärfte Maskenpflicht für Fahrgäste.

Geht es nach dem Willen der Verkehrsminister der Länder, soll das Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen lediglich empfohlen werden - anders als in Bayern, wo es eine Pflicht gibt. Das hat am späten Montagnachmittag eine Vorbesprechung für den Bund-Länder-Gipfel ergeben. Auch der Bremer Senat beschäftigt sich seit mehreren Tagen mit dem Thema. Um eine FFP2-Masken-Pflicht im ÖPNV durchsetzen zu können, müssen zuvor nach Ansicht von Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), seit Anfang Januar Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, verschiedene Punkte geklärt werden. Unter anderem ist unklar, ob es genügend FFP2-­Masken gibt und ob der Staat die Finanzierung für bestimmte Bevölkerungsgruppen übernimmt.

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Aus Gründen des Infektionsschutzes seien FFP2-Masken im ÖPNV gegenüber anderen Modellen zu bevorzugen, sagt der Virologe Andreas Dotzauer. „FFP2-Masken oder KN95-Masken können besser als die anderen Maskentypen sowohl ausgeatmete Viren als auch Viren in der Einatmungsluft zurückhalten“ sagte er. Jede Reduktion der Virenzahl, die eingeatmet werden kann, reduziere auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion stattfinde.

Ein Ausdünnen der Taktungen im Nah- und Fernverkehr halten die Verkehrsminister für wenig sinnvoll. „Mobilität ist ein hohes Gut der Daseinsvorsorge“, sagte Maike Schaefer. „Deshalb haben wir uns gegen ein Herunterfahren oder ein Aussetzen von Fahrplänen ausgesprochen.“

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Sinnvoller wäre es aus Sicht der Fachpolitiker, wenn Unternehmen und Schulen durch Verlegungen von einerseits Schichtbeginn und andererseits Unterricht dazu beitragen würden, die Zahl der Fahrgäste zu Stoßzeiten zu reduzieren. Finanziell sollen die Angebote durch einen neuen Rettungsschirm entlastet werden. Darüber soll, so Schaefer, in einer Videokonferenz am Freitag, 22. Januar, mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gesprochen werden.

Aus Sicht der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und auch der Bremerhaven Bus AG ist es derzeit nicht möglich, weitere Fahrzeuge auf der Strecke einzusetzen. „Alles, was fahren kann, ist auf der Straße“, sagte BSAG-Sprecher Andreas Holling. „Wir haben keinen Hof mit herumstehenden Fahrzeugen und keinen Wartesaal mit unbeschäftigten Fahrern.“ Ähnlich äußert sich Bremerhaven-Bus-Vorstand Robert Haase: „In Abstimmung mit der Stadt haben wir alles auf der Straße, was geht. Wir haben das Angebot seit September um 30 Prozent erhöht.“

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Auch die BSAG hatte im Herbst reagiert, nachdem die Busse und Bahnen zu Stoßzeiten häufig überfüllt waren. Ins Güterverkehrszentrum werden seit November zehn zusätzliche Fahrten durch eine neue Schnellverbindung der Linie 63S eingesetzt. Nach Diskussionen folgte auf dieser Linie von Dezember an der Einsatz von privaten Reisebussen, die insgesamt 34 Fahrten am Tag übernehmen. Sie sollen bis Ende März im Einsatz bleiben.

Die engere Taktung auf der GVZ-Strecke entzerrt laut BSAG die Zahl der Pendler in den Bussen. Das zeigte sich auch am ­Montagmorgen: Mit Abstand, Maske und Platz lief der Berufsverkehr an den zahl­reichen Haltestellen im Güterverkehrszentrum und am Hauptbahnhof ab. „Die Situation hat sich extrem entspannt“, sagt Ralph Sandstedt, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft des Güterverkehrszentrums.

Bei der Nordwestbahn müssten für Änderungen in der Taktung zuvor die langfristig abgeschlossenen Verkehrsverträge mit dem Land und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen geändert werden. Laut Sprecher Steffen Högemann gibt es aber auch bei der Nordwestbahn im Moment keine zusätzlich verfügbaren Züge. Genaue Fahrgastzahlen erhebe die Nordwestbahn nicht, in und um Bremen seien aber vergleichsweise viele Pendler auf das Angebot angewiesen. „Wir sind dort bei 65 bis 75 Prozent Auslastung auf den Strecken“, sagt Steffen Högemann.

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