Frist läuft ab Bremer Wettbüros bleiben vorerst geschlossen – Kontrollen angekündigt

Alle Wettbüros in Bremen bleiben vorerst geschlossen – das teilte die Innenbehörde am Freitag mit. Für 19 Wettstellen wurden demnach Unterlagen zur Herkunft von Geldern nachgereicht, die nun geprüft werden.
05.08.2022, 13:21
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bremer Wettbüros bleiben vorerst geschlossen – Kontrollen angekündigt
Von Felix Wendler

Alle Wettbüros in Bremen bleiben vorerst geschlossen und illegal. Das teilte die Behörde von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Freitag mit. Die Wettstellen sind seit etwa einer Woche geschlossen, nachdem die Betreiber von der Innenbehörde für ihre laufenden Anträge sogenannte Versagungsbescheide erhalten hatten – die Behörde hatte zuvor Belege für die Herkunft des Geldes verlangt, mit dem die Büros betrieben werden. Damit will Mäurer laut eigener Aussage Geldwäsche vorbeugen. Die Nachweise konnten die Betreiber aus Sicht der Innenbehörde bislang nicht erbringen. 

Mäurers Ressort kündigt nun an, dass Ordnungsamt und Polizei in den nächsten Tagen kontrollieren würden, ob die Betreiber sich an das Verbot hielten. "Sollten weiter heimlich Sportwetten stattfinden, würde dies eine Straftat wegen illegalen Glücksspiels darstellen", lässt die Innenbehörde wissen. 

Nachgereichte Dokumente "positiv" bewertet

Eine Frist zum Nachreichen der Dokumente läuft an diesem Freitag um Mitternacht ab. 19 Sportwettstellen hätten "umfangreiche Unterlagen" nachgereicht, erklärte Mäurer am Freitagvormittag. Alleine am Freitag seien noch Dokumente für 15 Wettstellen eingegangen, heißt es weiter. Ein Veranstalter habe bereits vorher für drei seiner Betreiber Nachweise beim Ordnungsamt vorgelegt, die nun geprüft würden. Eine erste Bewertung falle positiv aus, so Mäurer. Ähnliches gelte für eine Wettstelle am Hauptbahnhof. Die Veranstalter befänden sich mit ihren nachgereichten Unterlagen in einem neuen Genehmigungsverfahren – solange müssten die Sportwettbüros geschlossen bleiben. Die Behörde kündigt eine schnelle Entscheidung an.

Lesen Sie auch

Geöffnet seien nach wie vor vier von fünf Wettbüros in Bremerhaven, weil die Anträge laut Innenbehörde dort noch nicht vollständig bearbeitet worden seien. Ein Büro habe schließen müssen, weil der Betreiber zeitgleich Sport- und Pferdewetten angeboten habe – das Bremische Glücksspielgesetz verbietet das. Aus diesem Grund habe schon vor längerer Zeit auch in Bremen ein Betreiber sein Geschäft einstellen müssen. 

Bislang fünf Klagen eingereicht

Die vier in Bremen aktiven Wettveranstalter Tipico, Happybet, Tipwin und XTip arbeiten größtenteils mit Franchiseunternehmen zusammen, die als Betreiber fungieren. Für eben diese Betreiber verlangt Bremen als einziges Bundesland einen Finanzierungsnachweis. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) kritisiert Mäurers Vorstoß und wirft Bremens Innensenator politische Absichten vor. DSWV-Präsident Mathias Dahms hatte jüngst im Gespräch mit dem WESER-KURIER von einer "Rufschädigung für die ganze Branche" gesprochen und Klagen angekündigt. Fünf Klagen seien bereits eingereicht worden, heißt es von der Innenbehörde.

Lesen Sie auch

Mäurer reagiert nun erneut auf die Vorwürfe des DSWV: "Wenn eine Branche nachweislich für das Waschen schmutziger Gelder aus Drogen- und Menschenhandel missbraucht wird, dann ist es nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig, vorzubeugen und genau hinzuschauen." Allerdings betont Mäurer auch, dass es derzeit in Bremen keine Hinweise auf Geldwäsche in diesem Bereich gebe. Trotzdem sei man gerüstet und richte in der Innenbehörde einen Koordinierungsstab ein. 

Deutliche Kritik am Bremer Sonderweg kommt aus Hessen, das für die Zulassung der Sportwettveranstalter zuständig ist – die Kontrolle ist allerdings Ländersache. Man beobachte die Bremer Initiative mit "Kopfschütteln", teilte ein Sprecher des hessischen Innenministeriums am Freitag mit. Bremen erwecke den Eindruck, bundesweite Kompromisse zu unterlaufen und eine "Parallelgesetzgebung auf tönernen Füßen" aufzubauen.

+++ Dieser Artikel wurde um 16.06 Uhr aktualisiert. +++

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+