Altkleiderentsorgung

Müllchaos am Kleidercontainer

Der Müll in und rund um die Altkleidercontainer stellt die Bremer Stadtreinigung vor ein Problem. Aber sie hält das Angebot aufrecht - aus Angst vor noch mehr illegalen Müllablagerungen.
10.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Müllchaos am Kleidercontainer
Von Ulrike Troue
Müllchaos am Kleidercontainer

Weil viele während der Pandemie Klamotten aussortieren und Sammelcontainerkapazitäten teilweise nicht ausreichen, wird die Kleidung einfach davor hingeworfen. Oft ist sogar Müll darunter – oder kommt rasch dazu.

Christina Kuhaupt

Der Kleiderschrank ist bei vielen als Erstes dran, wenn es ums Auf- und Ausräumen geht. Die freie Zeit durch Lockdown, Beschränkungen der Kontakte und Freizeitmöglichkeiten will sinnvoll genutzt sein. Während ausrangierte Klamotten in Privathaushalten richtig Luft geben können, türmen sie sich dann aber oft anderswo zum Problemberg auf: Sammelcontainer quillen über, mancherorts stapeln sich gefüllte Tüten daneben. Auch vermehrt im Hausmüll entsorgte Kleidung machen das Entsorgungsproblem sichtbar. Besonders bedenklich: Es ist immer mehr Müll darunter.

Viele andere Abfälle in den Containern

Die Kapazität der rund 220 über das Stadtgebiet verteilten Altkleidercontainer ist seit Monaten am Limit. „Die Container waren auf jeden Fall viel schneller voll als sonst“, bestätigt Antje von Horn, Pressesprecherin der Bremer Stadtreinigung. Seit 1996 ist die Stadtreinigung für die kommunale Sammlung von Textilien und Schuhen zuständig. „Während der Corona-Zeit in den letzten Monaten ließen sich bis zu 30 Prozent mehr Fehlwürfe beziehungsweise Störstoffe in den Containern für Textilien und Schuhe messen“, sagt die Sprecherin.

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Die Pandemie hat nach ihrer Ansicht den hohen Druck, der seit vielen Monaten auf der Textilsammlung liegt, weiter verstärkt. Auf den Containerplätzen werde Müll abgelagert oder direkt in Textilcontainer eingeworfen. Das sind Ordnungswidrigkeiten, die mit Bußgeld belegt werden.

Von einem Abzug der Container hält man wenig. Als Grund dafür nennt die Pressesprecherin Angst vor gegebenenfalls noch mehr illegalen Müllablagerungen. „Für eine wohnortnahe Erfassung von Wertstoffen sind die Textilcontainer auf den Containerplätzen derzeit nach unserer Einschätzung unverzichtbar“, sagt von Horn. Denn auch nach Abzug der Sammelbehälter müsse man davon ausgehen, dass Textilien in einer Gemengelage mit Restmüll auf den Plätzen abgelagert würden.

Qualität der Textilien nimmt ab

„Durch viele Störstoffe wie Restmüll und die sinkende Qualität der Textilien“ sei die kommunale Altkleiderentsorgung nicht mehr so rentabel wie früher, räumt Antje von Horn ein. Da dieser Bereich aber gerade erst ausgeschrieben und die Gesellschaft Abfalllogistik Bremen (ALB) damit für die nächsten zwei Jahre beauftragt worden ist, erwartet sie in diesem Zeitraum keine große Änderung.

Perspektivisch aber könne man sich eine Veränderung des Sammelsystems für Textilien und eine Konzentration zum Beispiel auf den Recyclingstationen vorstellen. Antje von Horn: „Das Sammelsystem in Bremen wird deshalb vor einer Neuausschreibung auf den Prüfstand gestellt.“

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Hamburg hat sich dagegen im vergangenen Jahr aus der kommunalen Altkleiderentsorgung ganz zurückgezogen, in Dortmund soll dieser Ausstieg im ersten Quartal dieses Jahres vollzogen sein. Auf diese Konsequenz aus der Zunahme von Müll in Sammelcontainern, die dadurch die Kleidung verschmutzen, und wegen minderer Qualität der Textilien durch immer mehr Billigmode weist Roland Lindner hin. Er ist Geschäftsführer der Bremerhavener Firma Textrade. Das Unternehmen handelt mit Secondhand-Kleidung und verarbeitet täglich rund 50 Tonnen gebrauchte Kleidung. „Da ist Müll dazwischen“, bestätigt auch er.

Die Bremer Recyclingstationen sind wieder geöffnet

Um der gestiegenen Menge an aussortierten Klamotten irgendwie Herr zu werden, leert die seit dem 1. Februar dieses Jahres mit der Sammlung und Verwertung der Textilien beauftragte ALB nun „immer bedarfsgerecht“ die Container. Das kann nach Auskunft von Antje von Horn bei einigen sehr stark frequentierten Standorten wie „Am Dobben“ mehrfach, bei anderen nur einmal pro Woche, sein. Seit 1. Februar sind auch die 15 Bremer Recyclingstationen wieder geöffnet und nehmen Textilien und Schuhe an. Zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln gibt es dort Einlasskontrollen, die zu langen Wartezeiten führen können, heißt es auf der Website. Daher sollten Bremerinnen und Bremer nur in Ausnahmefällen darauf zurückkommen.

Ein einziger Sammelcontainer hat schon dem DRK-Kreisverband Bremen nichts als Ärger eingebracht. Er war laut Pressesprecher Lübbo Roewer nur für den „Eigenbedarf“, die Kleiderkammer in Hastedt, gedacht und stand hinter der Geschäftsstelle an der Wachmannstraße 9.

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Mit dem Lockdown wurde er verschlossen, dann wurden immer mehr Plastiktüten und -säcke daneben oder davor gelegt. Außerdem stellte das DRK nach Auskunft von Roewer beim Öffnen fest, dass unter der obersten Schicht „entweder sehr verschlissene und unbrauchbare Kleidung oder normaler Müll“ verborgen war. Daher hat das DRK den Behälter inzwischen abtransportieren lassen.

Übrigens wandern die Spenden, die ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Kleiderkammern aussortieren und nicht an bedürftige Menschen weitergeben, auch an Textilverwertungsgesellschaften. Diese Sachen sind laut DRK-Pressesprecher Roewer verschlissen, von schlechter Qualität oder kaputt. Auch andere Bremer Verbände verfahren so und verwenden die Einnahmen daraus für karitative Zwecke.

Info

Zur Sache

Textilrecycling

Die derzeit rund 2500 Tonnen in Bremen über Container gesammelten Textilien und Schuhe gehen nach Information von Antje von Horn an ein Textilrecycling-Werk nach Wolfen, wo sie nach Materialien sortiert und vermarktet werden. Rund 60 Prozent der gesammelten Textilien und Schuhe können nach diesen Angaben zur weiteren Verwendung verkauft und etwa 30 Prozent als Recyclingmaterial zum Beispiel in der Automobilindustrie (Füllmaterial für Autositze) eingesetzt werden. Die rund zehn Prozent textiler Restmüll werden thermisch verwertet.

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