Teilsperrung der Lesumbrücke

Reportage: Der Verkehr auf der A27 stockt

Die Teilsperrung der Lesumbrücke macht die A27 zum Nadelöhr, ein Verkehrschaos bleibt bis auf einen Unfall aus. Das Protokoll eines Autofahrers am Montagmorgen im Berufsverkehr.
17.12.2018, 19:08
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Reportage: Der Verkehr auf der A27 stockt
Von Pascal Faltermann

Zu sehen sind nur Hunderte rot leuchtende Bremslichter. Die Autos schlängeln sich am Montagmorgen über die A 27 zwischen den Anschlussstellen Bremen Industriehafen und Bremen-Nord. Durch die Teilsperrung der Lesumbrücke sind in beiden Richtungen nun nur noch jeweils zwei Fahrspuren frei. Die Brücke ist marode, Stahlproben hatten ergeben, dass das Bauwerk nicht mehr ausreichend tragfähig ist. Ein Stau, bei dem gar nichts mehr geht, bleibt an diesem Morgen zwar aus. Aber immer wieder stockt der Verkehr, die Autofahrer drosseln die Geschwindigkeit.

Offenbar haben sich viele Pendler auf Umwege eingestellt, auch die Zahl der Autos, die mit der Fähre in Blumenthal, Farge und Vegesack über das Wasser setzen, ist laut Fährgesellschaft zuletzt um 30 Prozent gestiegen. Pendler berichten außerdem, dass die Züge in Richtung Innenstadt voller sind, als noch vor ein paar Wochen. Die nahenden Weihnachtsferien tun ihr Übriges und sorgen für weniger Verkehr auf den Straßen. Das Protokoll eines Autofahrers im Berufsverkehr.

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7.20 Uhr: Start in Findorff. Im Radio laufen die ersten Warnungen im Verkehrsfunk: Fünf Kilometer Stau in Richtung Bremen, es sei mit 25 Minuten Verspätung zu rechnen.

7.28 Uhr: Rauf auf die Autobahn 27 in Richtung Bremerhaven. Die Fahrspuren sind zwar voll, aber der Verkehr fließt. Es ist diesig, leicht nebelig. Auf der Windschutzscheibe sammelt sich der Schmutz der anderen Fahrzeuge an.

7.38 Uhr: Kurz vor der Lesumbrücke bremsen die ersten Autofahrer. Aus drei Fahrspuren werden zwei. Reißverschlussverkehr ist angesagt. Beherrscht auch nicht jeder. An den Lastwagen kommen die Pkw zwar vorbei, aber es ist eng. Auf der Gegenfahrbahn, also Richtung Bremen stockt der Verkehr schon etwas mehr.

7.40 Uhr: Rechts blinken, einordnen und runter von der Autobahn. Alles in einem gemächlichen Tempo. An der Abfahrt Bremen-Nord ist Richtung Ihlpohl beziehungsweise Ritterhude alles frei.

7.44 Uhr: Auf die Stader Landstraße geht es nun über die A 27 rüber. Ja, hier sieht es nach Stau aus. Verkehrsexperten sprechen von stockendem Verkehr – es geht ja schließlich voran, wenn auch nur langsam.

7.50 Uhr: Fix an die Tankstelle ranfahren an der Kreuzung der Stader Landstraße zur Bremerhavener und Bremer Heerstraße. An den Ampeln stehen zahlreiche Fahrzeuge, die Ampelphasen in Richtung Burger Brücke sind kurz, es biegen immer nur wenige Wagen ab. Das ärgert sicherlich den ein oder anderen. Aber ein Verkehrschaos auf dieser Umfahrungsstrecke zur Lesumbrücke ist das nicht.

8.05 Uhr: Einmal über die blau erleuchtete Burger Brücke und wieder zurück. Zwischendurch staut es sich mal wegen eines Müllwagens, der alle paar Meter hält. Aber auch hier sieht es nicht nach entnervten Autofahrern oder einem Superstau aus.

8.09 Uhr: Auf der Bremerhavener Heerstraße in Richtung A 27 könnte es etwas schneller voran gehen.

8.22 Uhr: Zum ersten Mal gibt es tatsächlich einen kleinen Stillstand vor der Autobahnauffahrt in Richtung Bremen. Aus Vegesack und Lesum kommen auf der A 270 doch einige Pendler, die auf die A 27 wollen. Zweispurig geht es auf die Autobahn. Auch hier bietet sich wieder die Gelegenheit für zahlreiche Autofahrer, das mit dem Reißverschlussverfahren noch einmal genau zu üben. Und wenn auch langsam, es geht voran.

8.26 Uhr: In Richtung Bremerhaven muss die Polizei die Fahrbahn komplett sperren. Das erzeugt einen ordentlichen Rückstau. Gegen 7.50 Uhr sei es etwa 200 Meter vor der Lesumbrücke zu einem Unfall gekommen, sagt Nils Matthiesen, Sprecher der Bremer Polizei, später. Ein Auto wechselte im stockenden Verkehr vom linken auf den mittleren Fahrstreifen und alle dahinter fahrenden Fahrzeuge mussten bremsen. Drei Autos kollidieren dabei. Der Auffahrunfall sorgt für einen Blechschaden, es sei niemand verletzt worden.

9 Uhr: Es kommt erneut zu einer kurzzeitigen Sperrung der linken Spur, da ein Nummernschild auf der Fahrbahn liegt.

Eine Baustelle und ihre Folgen

In den kommenden Monaten ist die Lesumbrücke Baustelle: Die ältere Brückenseite ist allein für Fahrzeuge vorgesehen, die Beton wegfahren und Geräte bringen. Nach Angaben aus dem Verkehrsressort werden nun die Stahlträger freigelegt, Hunderte Meter Schweißnähte überprüft. Ein spezielles Institut ist mittlerweile eingeschaltet, dessen Experten schlussendlich bestimmen sollen, ob die Stahlträger noch saniert werden können.

Parallel haben Ingenieure laut Behörde damit begonnen, einen Brückenneubau und eine Behelfsbrücke zu planen.Unternehmen wie die Busfirma Von Rahden haben sich unterdessen auf die Folgen eingerichtet: Firmenchef Jan Peer von Rahden geht davon aus, dass es bis zu den Sommerferien keine Entscheidung über die Zukunft der Brücke gibt. So lange kalkuliert er mit Staus auf der A 27.

Schon jetzt starten seine Busfahrer eine halbe Stunde früher, wenn sie über die Brücke müssen. Für die Transportfirma Karl Siedenburg könnte die Baustelle zu einer Existenzbedrohung werden. Das sagt zumindest Geschäftsführer Karl Siedenburg. Pro Tag transportiert sein Unternehmen nach eigenen Angaben 280 Fuhren über die Brücke. Siedenburg sucht nun nach einem Gelände in Niedersachsen, von dem aus ein Großteil seiner Fahrzeuge starten kann.

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