Lockerungen für den Sport in Bremen

Erste Plätze und Anlagen werden unter Auflage geöffnet

Lockerungen im Sport: Erste Plätze und Anlagen in Bremen werden unter Auflagen geöffnet. Golf und Tennis sind ab dem kommenden Wochenende wieder erlaubt.
22.04.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mathias Sonnenberg und Mario Nagel
Erste Plätze und Anlagen werden unter Auflage geöffnet

Unbedenklicher Sport: Stand-up-Paddling und Segeln sind erlaubt, wenn ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten wird. Das haben die Sportminister beschlossen.

Ursula Düren /dpa

Es bleibt ein langsames Herantasten. Was ist vertretbar, wo könnten Grenzen überschritten werden? Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat sich am Dienstag alle Mühe gegeben, auf der einen Seite die Lockerungen für den Sport als richtige Entscheidung zu preisen. Aber auch immer wieder davor gewarnt, aus den ersten „leichten und behutsamen Schritten“ gleich wieder einen Wettbewerb zu machen. „Bei allem, was wir hier machen, gilt es, immer die Infektionsraten im Blick zu haben.“ Es klingt wie ein Appell an die Vereinssportler. Und so soll er auch empfunden werden.

Stahmann hat jetzt noch einmal erläutert, was die Beschlüsse der Sportministerkonferenz vom Montag für den Breiten- und Freizeitsport in Bremen bedeuten. Die Lage bleibt ein wenig unklar, aber immerhin gibt es Sportarten, die ab dem kommenden Wochenende in Vereinen wieder ausgeübt werden dürfen. Das regelt die Allgemeinvergütung, die ab dem 25. April in Kraft tritt. Demnach ist Sport wieder in kleinen Dosierungen möglich. Das Motto lautet: Je kontaktärmer der Sport, desto mehr wird erlaubt. „Es ist wieder möglich, dass Menschen auf Sportanlagen laufen, Tennis- und Golfschläger können wieder in die Hand genommen werden“, sagte Stahmann.

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Auch Wassersport sei wieder möglich, alles unter einer Voraussetzung: Der Mindestabstand von 1,50 Meter muss garantiert sein und der Sport darf nur alleine, zu zweit oder im Familienverbund ausgeübt werden. Eine Tanzgruppe etwa, die sich auf dem Rasen einer Bezirkssportanlage in größerem Abstand zu Musik bewegt, bleibt verboten. Denn größere Menschenansammlungen sind ja nach wie vor untersagt.

Beim Bremer Landessportbund wurden die Lockerungen positiv aufgenommen. „Das ist ein erster, aber sehr vernünftiger Schritt“, findet Präsident Andreas Vroom. Er hofft, dass bald mehr möglich ist. Die Sportfachverbände sind aufgerufen, gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund Konzepte zu erarbeiten, wie der Sport weiter gelockert werden könne. Die Vorschläge sollen am 30. April mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs erörtert werden. Denkbar also, dass ab dem 4. Mai noch mehr Vereinssport möglich ist.

Sporthallen, Duschen, Umkleidekabinen oder Vereinsheime weiter gesperrt

Gesperrt bleiben auf jeden Fall vorerst ­weiter Sporthallen, Duschen, Umkleidekabinen oder auch Vereinsheime. Toiletten können auf den Anlagen nur benutzt werden, wenn die Vereine entsprechende Hygienekonzepte vorlegen.

Die Bremer Sportfunktionäre, die von den ersten Lockerungen besonders profitieren, haben unterschiedlich auf die neuen Bestimmungen reagiert. „Ich weiß noch nicht, wie wir mit den Lockerungen umgehen. Wenn wir derzeit alleine segeln, können wir beinahe alles tun, was wir wollen. Wir dürfen nur nicht beim Verein ins Wasser gehen. Durch die Lockerungen ändert sich für uns deshalb nicht viel“, sagt Jan Seekamp, Teamkapitän des WV Hemelingen, der auch in der Bundesliga segelt. Von Bedeutung wären sie, wenn man zu viert trainieren könne oder die Veranstaltungen wieder erlaubt seien. „Der Segelsport sollte schnell wieder komplett erlaubt werden, da auf dem Boot die Maßnahmen eingehalten werden können.“

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Auch der Rudersport wird sich die Lockerungen zunutze machen. Christina Einert, Landestrainerin im Landesruderverband Bremen, glaubt an neuen Spielraum. „Wir hoffen darauf, nächste Woche oder Anfang Mai wieder aufs Wasser zu können, das ist unser Ziel. Der Plan ist, den Fokus dabei auf den Einer zu legen. Aber die Situation ändert sich fast täglich.“ Die Ruderer hätten den Wunsch, auch wieder mit dem Vierer und Achter aufs Wasser zu können. Ein Training mit einem halben Vierer oder einem halben Achter sei jedenfalls nicht sinnvoll.

Profiteure der neuen Möglichkeiten sind auch Tennisspieler und Golfer. Aber Nicos Schlüter, Vorsitzender vom Tennisverein ­Rot-Weiß, ist noch skeptisch. „Durch die letzten Wochen bin ich wahnsinnig vorsichtig ­geworden, wenn von irgendwelchen Lockerungen gesprochen wird. Wenn es wieder erlaubt sein sollte, Tennis zu spielen, dann wäre das großartig und sehr, sehr schön“, sagt er. Der Verein habe viel Zeit investiert, um die Plätze weiterhin zu erhalten. „Mein Horror-Szenario war, dass wir nicht vor Juli wieder spielen können.“ Und damit die Gefahr wachse, dass Mitglieder den Verein verlassen könnten. „Schnell wieder Tennis spielen zu können, ist deshalb wichtig, um die Existenz des Vereins zu sichern.“

Keine Gastspieler und keine Turniere in 2020

Sebastian Hochbaum, Manager des Golf-Clubs Oberneuland, ist einfach nur froh, dass es wieder losgeht. „Dass wir noch keine Turniere spielen können, ist völlig okay. Bis jetzt haben wir diese Zwangspause nahezu unbeschadet überstanden.“ Folgen hat die Schließung nur für Nicht-Mitglieder. „Wir werden trotz der Lockerungen nur einen Bruchteil unserer Einnahmen generieren können. Wir werden keine Gastspieler auf die Anlage lassen, das gilt vermutlich für das gesamte Jahr 2020.“ Und er gehe davon aus, dass es in diesem Jahr keine Turniere mehr geben werde. Trotzdem sei es gut und wichtig, wieder Golf spielen zu können. „Die Mitglieder sind glücklich und unsere Trainer verdienen wieder etwas, wenn sie ihr Training anbieten können.“

Auch Andreas Vroom, LSB-Präsident und Vorsitzender des TuS Komet Arsten, will am Wochenende die Sportanlage wieder öffnen. „Bei uns kann einzeln oder im Familienverbund das Sportabzeichen erworben werden – allerdings nur nach Anmeldung.“ Er rollt also wieder an, der Vereinssport. Ganz gemächlich und übersichtlich.

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